Porträt

laut.de-Biographie

Bill Withers

"I see the crystal raindrops fall - and the beauty of it all - when the sun comes shinin' through." Klingelts irgendwie? Falls nicht, hat man verpasst, einen der Sänger und Songwriter des Jahrtausends zu kennen - Für "Just The Two Of Us" räumt er nur einen der Grammys ab, die er für seine zeitlosen, fließenden und warmen Hymnen erhält. Bei ihm handelt es sich um einen Typen, dem die Nachwelt dankbar ist, denn die Anzahl der Coverversionen gehen auf keine Kuhhaut. Auf eine Elefantenhaut auch nicht.

Bill Withers - Live At Carnegie Hall Aktuelles Album
Bill Withers Live At Carnegie Hall
Meisterhaftes Live-Album, das den Rap mit ermöglichte.

Dabei findet Withers erst relativ spät in seinem Leben zur Musik. Seine Kindheit verbringt er in schlechten Verhältnissen in einem kleinen Dorf in West Virginia. Er sieht, wie sein Vater stirbt. Mit 17 verpflichtet er sich für neun Jahre bei der Navy. Erst dort entdeckt er sein Gesangs- und Songwritertalent und nutzt dieses als Möglichkeit, seine Gefühle auszudrücken. Er kehrt der Navy den Rücken, zieht nach Los Angeles und bringt seine Ideen gegen Ende der Sechziger auf Demobänder.

Es dauert lange bis die Plattenfirma Sussex 1971 Interesse zeigt und ihm sein Debutalbum "Just As I Am" gönnt, das prompt euphorische Kritiken erntet. Kein Wunder, denn "Grandma's Hands" und "Ain't No Sunshine" beweisen, dass Musik auch aus schlichten, guten Ideen bestehen kann, und die Zeit trotzdem überdauern. Zack ist Withers berühmt, tourt durch die Welt, und nimmt in einer kurzen Tourpause sein zweites Album "Still Bill" auf. Mit "Use me", das Withers 'einfache' Genialität schon wieder in einem Oktavlauf offenbart, gelingt ihm eines der sexyesten Stücke unter der Sonne, nicht nur wegen des Titels und der Textzeile "Babe when you love me I can't get enough". Selbst Lenny Kravitz und Mick Jagger konnten sich 1993 nicht verkneifen, es zu covern - wohlgemerkt gar nicht mal schlecht, was bei Withers' Originalen auch durch die Unverwechselbarkeit seiner leicht nasalen, grandios phrasierenden, nahegehenden Stimme gar nicht so leicht ist.

Bis auf Dispute mit der Plattenfirma Sussex verlaufen die nächsten Jahre für Withers erfolgreich. Er schreibt für Gladys Knight And The Pips Songs und wechselt schließlich zu Columbia Records. Auch der Dokumentarfilm "When We Were Kings" über Muhammed Ali zeigt einen Live-Auftritt von ihm und James Brown in Zaire 1974 - nur ein weiteres Dokument über seine Popularität.

Durch sein Können ist Bill Withers in der Lage, die besten Musiker wie die Crusaders ("Soul Shadows") um sich zu scharen. In den Achtzigern hat Withers den Höchststand des Tidenhubs an Ruhm und musikalischer Freude erreicht - weshalb seine Songs auch oft genug thematisch pure Wonne verströmen. Für eine Neueinspielung der Superballade "Lean On Me" gibt es 1987 weiteren Grammy.

Auch heute ist es fast unmöglich, Bill Withers' musikalischem Schaffen aus dem Weg zu gehen. Er begegnet einem in Autowerbungen, im Hip Hop (Blackstreets "No Diggity" ist auf dem "Grandma's Hands"-Groove aufgebaut), und eben in besagter Anzahl Coverversionen von Künstlern jeden Genres. Al Jarreau covert gleich ein ganzes Album, Barbra Streisand, Etta James, Bobbi Humphrey, Lionel Hampton, Michael Bolton, Sting und Will Smith, der "Just The Two Of Us" als Liebeserklärung an seinen Sohn ummünzt, sind dabei. Man kanns ihnen nicht verdenken, ist doch besser, wenn gute Songs gecovert werden als schlechte.

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