laut.de-Kritik

Geschichtsbewusster Streetrap ohne eigene Persönlichkeit.

Review von

Kurz nach Veröffentlichung seines vierten Soloalbums verkündete Play69 das Ende seiner musikalischen Laufbahn: "Ich habe schon seit 2019 keine Lust mehr, ich bin nicht dafür gemacht." Ob der Rapper seinen Rücktritt ernst meint oder nur eine altbewährte Promo-Strategie anwendet, wird sich noch herausstellen. Bis dahin verspricht er viel für "Babylon II": "Meine Story wär' ein geiler Movie auf Netflix." Doch anstelle eines persönlichen Albums überrascht der Protegé des derben 18 Karat und des Spaßvogels Farid Bang, indem er aus der reichhaltigen Historie des Hip Hop schöpft.

In "Easy Flouz" grüßen Mobb Deep und Nipsey Hussle in Sprach-Samples. Die Songs entwickeln sich ab "Gestern Nix Heute Stars" zu einer wahren Schnitzeljagd. 50 Cents "Hustler's Ambition" geht fast unter, während "Shook Ones Pt. II" von Mobb Deep, "Suicidal Thoughts" von The Notorious B.I.G. und "Put It On" von Big L prominent erklingen.

"Cream" erweist schon im Titel dem Wu-Tang Clan die Ehre. "Pop Smoke" lehnt sich an "For The Night" von Pop Smoke an. "Safe" zitiert Nas, "Juice" wieder Biggie. Moe Phoenix singt in "Chilln" im Stil von "The Boy Is Mine" von Brandy und Monica.

Zwischen diesen dekorativ platzierten Zitaten geht dummerweise die Titelrolle verloren. Play69 verliert sich in nie dagewesenem stereotypen Straßenrap. Natürlich lebt er "nach dem Ehrenkodex der Street", denn Lucky Luciano und Tony Montana stellen immerhin erklärte Vorbilder dar. "Nur der engste Kreis sitzt mit mir an ei'm Tisch", insistiert er in der üblichen Mafia-Manier in "Usain Bolt", "Keine Fake Friends". Schon in "NNF Circuit" erfolgt wiederum der Verrat: "Von den ganzen Brüdern ist mir nur die Hälfte treu geblieben. Sag, wie viele haben mit uns am Tisch gesessen?"

Wenn der Rapper keine Verbrechen begeht, gibt er sich wie in "Block" klerikal und zeichnet zum deprimierenden Soundbild eine Klischeekette auf sein Textblatt: "Minusgrade, kalte Kriege, graue Wolken, falsche Liebe." Play69 legt zudem selbst für einen Rapper eine aberwitzige Markenfixierung an den Tag. "Umhängetasche Prada, Gürtel Dolce & Gabbana", heißt es noch gesittet in "Gestern Nix Heute Stress". In "Cream" reiht er scheinbar wahllos Marken aneinander, als buhle er um einem Deal mit Versace, Rolls-Royce, Marlboro, Adidas, Tom Ford, Bounty, Opel, Nike oder Tom Ford.

Der Mangel an Alleinstellungsmerkmalen sticht besonders hervor, wenn sich der nichtssagende Play69 die Bühne mit etablierten Genre-Genossen teilt. "Dreh' am Rad und fick' die Besten Deutschlands wie ein Balotelli", knurrt Azad mit der Erfahrung aus über 30 Jahren in "Safe" hervor. Der frisch bei Capital Bras Label Bra Musik unter Vertrag genommene NGEE schluchzt im deep gemeinten "Block". Selbst 18 Karat weist in seiner ganzen Verachtung für die Kunst des vorgetragenen Wortes einen gewissen Wiedererkennungswert auf.

Erst mit "Tata" überzeugt der Wuppertaler mit einem persönlichen Stück über den frühen Tod seines Vaters: "Du warst 27, als uns deine Seele verließ." Zum ersten Mal vermittelt der Rapper einen authentischen Eindruck, wenn ihm die Stimme abbricht, als er auf die Umstände zu sprechen kommt: "Wie oft sind mir die Tränen gekommen? Warum hast du dir dein Leben ge..." Wie Jalil auf "Reset" setzt er das Highlight verschämt ans Ende von "Babylon II". Sofern sein Karriereende ernst gemeint war, wird Play69 den versprochenen autobiografischen Blockbuster nicht mehr zum Besten geben.

Trackliste

  1. 1. Rosé
  2. 2. Easy Flouz
  3. 3. Chilln (mit Moe Phoenix)
  4. 4. Gestern Nix Heute Star (mit Samra)
  5. 5. Cream
  6. 6. Safe (mit Azad)
  7. 7. Juice
  8. 8. I'm A Criminal (mit 18 Karat)
  9. 9. Block (mit NGEE)
  10. 10. Usain Bolt
  11. 11. Pop Smoke (mit Fero47)
  12. 12. Weg Von Dir (mit Calo)
  13. 13. Sofi
  14. 14. Tata
  15. 15. NNF Circuit

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