Eine britische Studie hat heraus gefunden: Wer Musik aus dem Netz runterlädt, kauft auch Alben. Trotzdem sollen, nach Ansicht eines US-Politikers, Musik-Piraten in's Gefängnis.

London/Washington (vbu) - Die britischen Marktforscher von Music Programming Ltd. haben eine Studie über das Kaufverhalten von Tauschbörsen-Usern durchgeführt. Dabei ist dabei herausgekommen, dass 87 Prozent von 500 befragten Usern nach dem Probehören auch das Album kaufen. Sie benutzen Downloads also als Hilfsmittel bei der Kaufentscheidung. 91 Prozent der Befragten gaben zu Protokoll, dass sie sich keine ganzen Alben, sondern nur einzelne Songs herunter laden.

Gegenüber der BBC sagte eine Sprecherin der British Phonographic Industrie (BPI), dass sie den Vorschlag, man könne Tauschbörsen als Marketinginstrument benutzen, abwegig finde. Ein wenig Wahrheit stecke zwar in den Ergebnissen der Studie. In eigenen Umfragen habe man jedoch heraus gefunden, dass die User Musik herunter laden, "weil sie umsonst ist".

Von den Klage-Drohungen, die die Labelvereinigung RIAA zuletzt ausgestoßen hatte, will sich die Electronic Frontier Foundation (EFF), die für mehr Demokratie im www eintritt, jedoch nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil: Sie ruft zu aktivem Widerstand in Form von massenhaftem Filesharing auf.

Parallel dazu wollen sich Software-Provider von Tauschbörsen um eine höhere Sicherheit ihrer User kümmern, indem sie mit Hilfe von Proxy-Servern die Ermittlung von IP-Nummern erschweren oder geschlossene Sharing-Groups einrichten. Um ihre Existenz müssen die sich Kazaa und co vorläufig jedenfalls keine Sorgen machen. Die vielen Medienberichte über die Einschüchterungsversuche der Labels haben sogar zu einem Anstieg des Tauschvolumens geführt.

Unterdessen marschieren die US-Politiker wieder mal vorneweg, wie so oft, wenn es um die Verteidigung des Eigentums um jeden Preis geht. William Lash aus dem US-Wirtschaftsministerium empfahl der Regierung von Malaysia, mit Gefängnisstrafen gegen Piraterie vorzugehen, berichtet ORF-Futurezone. "In den USA gehen sie für so was ins Gefängnis. Eine Frau bekam neun Jahre Haft für ihre erste Software-Piraterie-Straftat."

Man solle organisiertes Verbrechen auch wie organisiertes Verbrechen behandeln, schwallte Lash weiter. Da werden ihm die Major-Labels, so wie sie sich derzeit gebärden, wohl beipflichten. Denen wäre es scheinbar ohnehin am liebsten, wenn jeder Wiederholungstäter lebenslänglich bekäme, wie es das in vielen US-Staaten angewandte "Three Strikes Out"-Gesetz ja tatsächlich vorsieht. Allein, liebe Labels: wenn alle Musikliebhaber im Gefängnis sitzen, wer soll dann eure Platten kaufen?

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