Nico Santos stand gestern im Mittelpunkt und bekam Songständchen - "der krasseste Abend meines Lebens."

Konstanz (mis) - "Wie hast du dich gefühlt?", fragt Gastgeber Michael Patrick Kelly gleich zu Beginn die rhetorischste aller Fragen. Man muss zugeben: Der Mann ist exzellent vorbereitet. Den Standardsatz der TV-Sendung "Sing Meinen Song - Das Tauschkonzert" bringt er mindestens so fehlerfrei und gefühlig rüber wie sein Vorgänger Mark Forster. Aber Kelly ist ja auch schon das zweite Jahr dabei.

Die siebte Staffel ist dies mittlerweile, VOX scheint zufrieden zu sein mit dem Quoten-Hit, der nach wie vor in Südafrika aufgezeichnet wird. Am niedrigen Entertainment-Level lässt sich das nicht ablesen. Selten beschlich einen mehr das Gefühl, dass alle Gäste nur der eigenen Promotion wegen auf dem Sofa Platz genommen haben. Auch Selig-Sänger Jan Plewka reiht sich sofort ein in die Bussi-Bussi-Atmosphäre. Ihm sei "der Arsch auf Grundeis" gegangen, und zwar nicht etwa, weil er einen Rio Reiser-Song hätte covern müssen, sondern den Nico Santos-Song "Better", im Original ein Duett mit Lena.

Plewka bittet zur Polonaise

Santos, Star des Abends, nutzte diese Vorlage, um seinen neuen Freunden mitzuteilen, wie cool dieser Song entstanden sei. Er habe Lena nämlich aus dem Studio in Berlin spontan angeschrieben, wo sie denn im Augenblick gerade sei, und hey, sie war zufällig auch in Berlin, welch Zufall, ob sie denn jetzt sofort, also in den nächsten 20 Minuten für einen Song vorbei kommen könnte? Lena konnte. Plewka, der alte Profi, machte dann das Naheliegende, was man eben macht, wenn einem das Original nicht gefällt. Er veränderte den Song so stark, dass ihn niemand mehr erkennt. Aus dem harmlosen Popsong wird eine harmlos swingende Nummer, die Plewka sofort zum Kuschelkurs nutzt, indem er die Gäste zu einer Polonaise animiert.

Besser wurde es erstaunlicherweise danach trotzdem nicht. Santos, gebürtig Nico Wellenbrink, verbucht Sympathiepunkte, als er von seiner hobbymusizierenden Familie erzählt, die sich den Namen Welli Family gegeben hat. Auch sonst ist der Jungstar ehrlich ergriffen von den Songbearbeitungen der Anwesenden und kommt zum Resümee: "Das war der krasseste Abend meines Lebens." Damit meint er dann wohl auch MoTrips lahmen Vortrag, Ilse DeLanges "Rooftop"-Version als 08/15-Popballade und den Emo-Moment des Abends von Newcomerin LEA. Sie singt den Song, den Santos seinem durch Unfalltod verstorbenen Jugendfreund gewidmet hat.

"Giesinger, die Rocksau"

Max Giesinger sagt vor seinem Beitrag "Unforgettable" den interessanten Satz: "Wenn man ins Auto einsteigt, kommt zu 80 Prozent ein Nico-Santos-Song". Wie das mathematisch funktioniert, wenn zu 80 Prozent überall seine eigenen Songs gespielt werden, behält er für sich. Aber dann beendet er den Abend, "Giesinger, die Rocksau" (Plewka), mit einem lauten Rocksong, sogar noch lauter als der von Kelly zuvor. Mindestens Bon Jovi-Niveau, also für alle Anwesenden und Vox-Zuschauer so richtig derber Rock, der die Sofa-Belegschaft nicht nur zum Mitschunkeln, sondern gar zu vereinzeltem Airdrumming bewegt. Wie konnte es so weit kommen? Motrip weiß es: "Du und deine Musik ham das absolut verdient, Digger."

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