Porträt

laut.de-Biographie

Milli Dance

"Kunst wird für mich in dem Augenblick langweilig, wo es nur noch darum geht, irgendetwas Politisches zu transportieren", sagt ausgerechnet ein MC, der sich entschiedener als die meisten seiner Kollegen positioniert, und das auch noch deutlich weiter links.

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Trotzdem hat Milli Dance, eine Hälfte des rappenden Doppels bei Waving The Guns, offensichtlich gediegen satt, dass er und seine Crew fortwährend in die Polit-Rap-Schublade gesteckt werden. "Ich definiere unsere Mucke gar nicht als linken Hip Hop", führt er gegenüber Noisey aus. "Was wir machen, ist Rap."

Daran zweifelt niemand, der sich mit Waving The Guns konfrontiert sieht. Ende 2012 gründet sich die Rostocker Formation, der Legende nach auf Milli Dance' Betreiben hin. Allzu viel Handfestes, seine eigene Person betreffend, gibt der Mann in Sturmhaube oder anderer Maskierung allerdings nicht preis.

Immerhin verrät er, wie für ihn alles anfing - mit dem Debüt-Album von Samy Deluxe: "Das war mein Einstieg, und das kam über Freunde." Die hatten wohl den richtigen Riecher: Bald schreibt Milli Dance eigene Texte.

"Ich bin auf jeden Fall zum Rap gekommen, bevor ich mich dolle politisiert habe", sagt er. Trotzdem springen seine (politischen) Überzeugungen natürlich aus jeder Zeile: Er pöbelt gegen die Polizei, den Staat, das System, lässt auf der anderen Seite - es soll ja nicht zu negativ geraten - exzessive Feierei, Alkohol- und Drogenkonsum hochleben.

Das geht im Kreise Gleichgesinnter am besten: Bei Waving The Guns haben sich offenbar die richtigen gefunden. Gemeinsam supporten sie 2014 Hiob und Morlockk Dilemma bei deren Auftritt in Rostock und gehen im Jahr darauf mit Feine Sahne Fischfilet auf Tour. Hierüber entspinnt sich der Kontakt zum Hamburger Label Audiolith, die bald auch Milli Dance und Kollegen unter ihre Fittiche nehmen.

Warum eigentlich Milli Dance? "Ich habe mir irgendwann diesen Charakter überlegt, als etwas Durchgeknalltes, wie eine Art Comicfigur, die einen 'Scheiß-auf-alles'-Film fährt, mit einer antistaatlichen, Anti-Bullen-, Anti-Establishment-Haltung. Die Polizei ist dabei oftmals nur das Symbol. Sie symbolisiert die Verteidigung der Zustände, mit denen wir nicht einverstanden sind."

Pöbel MC & Milli Dance - Soli-Inkasso
Pöbel MC & Milli Dance Soli-Inkasso
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Wenn Milli Dance über die "Ablehnung des Untertanengeistes" referiert, klingt nicht nur ein Faible für (durchaus gehobene) Sprache durch, sondern auch jede Menge Punk-Attitüde: "Punk war ich nie", stellt er aber klar. "Ein paar Punk-Bands, beziehungsweise einzelne Songs, feier' ich aber. Und wenn du in der mecklenburgischen Provinz aufwächst, vermischt sich alles, was nicht rechts ist, miteinander. Zumindest wars bei mir noch so. Also haben da alle mit allen abgehangen und sich beeinflusst."

Er selbst nennt, nach seinen Einflüssen gefragt: "Prezident, Audio88 & Yassin, Morlockk Dilemma und Hiob, Action Bronson, einzelne Songs von Disarstar, MC Bomber, Zugezogen Maskulin beziehungsweise Grim104, Ssio, Dexter, Absztrakkt, KIZ, Retrogott (mit und ohne Hulk Hodn) und noch so viele mehr. Aus der Reihe tanzen da grade AnnenMayKantereit und Wanda. Und The Pogues. Ja, wirklich."

Eine besondere Chemie entwickelt sich zwischen Milli Dance und dem Berliner Kollegen Pöbel MC, der Waving The Guns als Featuregast verstärkt und bald zusammen mit den Rostockern auf Tour geht. Anfang 2018 veröffentlichen Milli Dance und Pöbel MC die gemeinsame Kampfansage "Pöbel & Dance", die einen ersten Vorgeschmack auf das im März folgende Kollabo-Album "Soli-Inkasso" liefert.

"Eloquenz, Kompetenz, Bühnenpräsenz", stellen die beiden da als ihre Kernqualifikationen heraus. Von allen dreien bringt Milli Dance jeweils eine ordentliche Portion mit: bester Nährboden, auch für eine Solo-Karriere.

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