laut.de-Biographie
Tyler Ballgame
Anfang 2025 tickerte es Rough Trade Records in die Welt: "Wir haben den aufstrebenden Musiker Tyler Ballgame unter Vertrag genommen." Darauf konnte das Kult-Label durchaus stolz sein, denn der Ruf des Mannes mit dem seltsamen Namen hatte sich bereits im Vorjahr über die kalifornischen Grenzen hinaus verbreitet.
Die freudige Nachricht wurde dem weltumspannenden Internet selbstverständlich in Kombination mit Musik verkündet: "Help Me Out" generierte zwar keine sechsstelligen Streamingzahlen, doch viele der glücklichen Hörer*innen stammelten schon nach dem ersten Refrain "Instant Classic" vor sich hin. Diese herzerweichende Stimme, die sich bedenkenlos in die Höhe schraubt, erinnerte frappierend an den großen Roy Orbison.
Der Song stehe "sinnbildlich für meine Ankunft in L.A. in einem Zustand persönlicher und kreativer Verzweiflung", erzählt der Sänger. "Ich sehe diese Veröffentlichung als einen Kreis, in dem sich ein Traum erfüllt, der das etwas ironische Projekt Ballgame ins Leben rief." Ballgame ist dabei eine Anspielung auf Ted Williams, den Baseballspieler der Boston Red Sox, der Teddy Ballgame genannt wurde.
Bevor er sich nach Los Angeles aufmacht, beackert er unter seinem Geburtsnamen Tyler Perry die Bars seiner Heimat Rhode Island an der Ostküste. Seine Interpretationen von The Who- und Nirvana-Hits wurden wohlwollend bis gleichgültig als musikalische Untermalung des Feierabendsuffs gewürdigt, so geht die Geschichte.
Als sich jemand aus dem Publikum dann Orbisons Weltschnulze "Crying" wünscht, verändert Tyler notgedrungen seine Intonation und die Barflys flippen aus. "Ich war komplett überrascht und dachte: Okay, die Leute sind offenbar nicht an Sänger gewöhnt, die in dieser Art singen", erinnert sich Ballgame später an den Initialmoment. Gleichzeitig ist dem Schüler des Berklee College of Music klar, dass seine Zukunft als Sänger an einem anderen Ort sicher vielversprechender ausfallen würde. Seine Wahl fällt auf Los Angeles. Der schüchterne Harry Nilsson- und Randy Newman-Fan nimmt all seinen Mut zusammen, bewirbt sich ohne Vorkentnisse bei einer Personalagentur in Venice Beach und nimmt abends die Clubs der Stadt ins Visier.
Dann geht alles ganz schnell: Nach einem seiner ersten Gigs stellt sich ihm der lokale Produzent Joey MacMahan vor, der Tylers erste Songs aufnimmt. Das Instagram-Reel einer Aufnahme sieht Jonathan Rado von Foxygen und bietet seinerseits seine Studio-Räumlichkeiten an.
Tyler Ballgames Band besteht aus Szenemusikern, die der Klasse seiner Stimme gerecht werden, darunter mit Amy Aileen Wood die Schlagzeugerin von Fiona Apple. Wichtig war Ballgame, dass der Klang seines Debütalbums, das im Januar 2026 unter dem Titel "For The First Time, Again" schließlich erscheint, den warmen, analogen Klang der von ihm geliebten 60er Jahre atmet.
Rado sieht es ähnlich und konzipiert einen Sound aus akustischen Gitarren, Soul-Vibes, federnden Keyboards, Bläsern und melancholisch-süßen Harmonien. Die zwölf Songs sind ein Ereignis und dürften den Namen des Amerikaners auch hierzulande bald in die vorderste Reihe schieben.
Seinen Erfolg, als den er alleine schon die Veröffentlichung des Debüts ansieht, kann Ballgame gut einordnen: "Für mein Empfinden haben bereits genug Leute die Songs gehört und darauf reagiert. Wenn man anfängt, Wert darauf zu legen, ob man 100.000 Platten verkauft oder eine Million, dann bekommt man ohnehin nie genug. Was wirklich zählt, ist, dass ich und meine Freunde gemeinsam Musik gemacht haben und einige Leute diese Musik jetzt hören und zu ihrer eigenen machen können."
Nach einem ersten Deutschlandauftritt im Rahmen des Reeperbahn Festivals 2025, spielt er im Folgejahr zwei Headliner-Shows in Köln und Berlin. Ein bereits eingespieltes Album mit Stuart Murdoch von Belle And Sebastian erscheint bis dahin hoffentlich ebenfalls.


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