Porträt

laut.de-Biographie

Bad Bunny

Dass Latin Trap in den 2010ern explodiert, bekommt man hierzulande nur so beiläufig mit. Zwischen "Despacito" und Cardi Bs "I Like It" tun sich die meisten Deutschen noch schwer damit, zwischen Reggaeton, Dancehall und Latin Trap überhaupt zu unterscheiden. Das sei verziehen, immerhin stehen diese Genres und ihre weltweite Dominanz in einer fließenden Wechselwirkung. Bestes Beispiel dafür, Bad Bunny: Der Mann, der aus einem Reggaeton-Label heraus Trap-Sounds und androgyne Looks in den lateinamerikanischen Mainstream katapultiert.

J Balvin & Bad Bunny - Oasis
J Balvin & Bad Bunny Oasis
Willkommen im Paradies des südamerikanischen Lebensstils.
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Seine Geschichte klingt dabei ungleich anders als die von vielen anderen Stars seines Felds, ist aber wirklich schnell erzählt. Bad Bunny studiert Audio-Kommunikation und arbeitet in einem Supermarkt. Nebenher lädt er Songs auf Soundcloud hoch. Ein Label entdeckt ihn, die Leute mögen ihn, er wird riesig. Fertig.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Zwar erinnert seine Geschichte an den Aufstieg der meisten Trap-Rapper, dennoch lohnt es sich hier, einen genaueren Blick auf die Leute zu werfen, die ihn überhaupt entdecken: DJ Luian und sein Hear This Music-Label stehen in Puerto Rico für Reggaeton-Qualität. Der Veteranen-Produzent ist direkt von Bad Bunnys rotzigem und unverblümten Stil beeindruckt.

Interessanterweise reicht dieses augenblickliche Vertrauen so weit, dass Luian ihn sogar seine unorthodoxe Promo-Strategie fahren lässt. Statt großen Radio-Singles und kontrolliertem Push flutet Bad Bunny den Markt mit Soundcloud-Single nach Soundcloud-Single. Das Radio ist ohnehin so schnell nicht an Bord mit der Latin-Trap-Welle. Zu explizit, zu sexuell, zu hart wird der als "Urbanico" bezeichnete Sound befunden. Nicht für ein gemischtes Publikum geeignet. Zu nischig.

Aber wie der Rolling Stone es später in einem Profile Picture beschreiben soll, hört man auf den Straßen Puerto Ricos, was die Kids gerade so heiß finden. Und seit 2016 ist das Trap. 808-Pattern verdrängen die klassischen Staccato-Flows und die Musik, die aus Autos und mobilen Speakern brummt, wird langsamer und hypnotischer. Bad Bunny bewegt sich an der Speerspitze dieser Bewegung und generiert eine immense Aufmerksamkeit.

Diese Aufmerksamkeit muss sich nun logischerweise auch ins Radio übersetzen. Und sieh an: Wie ein trojanisches Pferd schleicht sich Bad Bunny auch hier ein. Als Gast von Becky G und J Balvin landet er auf Hits, die der Mainstream nicht ignorieren kann. Seine Welle wächst, er wird zu einer international relevanten Figur.

Das führt dann dazu, dass seine Musikvideos insgesamt vier Milliarden Views erreichen, bevor er auch nur ein offizielles Studioalbum veröffentlichen kann. Er performt auf Megahits wie Cardi Bs "I Like It" und dem Posse-Cut "Te Bote" und avanciert zum ultimativen Posterkind seiner Sparte. Am Peak dieser Aufmerksamkeit folgt dann tatsächlich auch das Debutalbum, das es vielleicht nicht einmal gebraucht hätte: "X100PRE" kommt nicht nur mit Features von Drake und Diplo, sondern auch mit Kollabos mit El Alfa und einem Sample von Enrique Iglesias daher.

Wie schamlos sich Bad Bunny den lateinamerikanischen Mainstream unter den Nagel reißt, ist beeindruckend. Aber seine Musik steht wohl wegweisend für einen Wendepunkt in der Vocal-Landschaft. Sein Flow kommt tief und bewegt, ein herber Kontrast zum hohen Autocrooning von Zeitgenossen wie Ozuna oder J Balvin. Er erinnert an einen lebendigeren Future oder einen etwas tiefer gelegten Fetty Wap. Kurzum: Er symbolisiert eine Annäherung zwischen Nord- und Südamerikanischen Musikstilen, die in einer globalisierten Welt ohnehin lange überfällig ist.

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J Balvin & Bad Bunny - Oasis: Album-Cover
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2019 Oasis

Kritik von Yannik Gölz

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