Porträt

laut.de-Biographie

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"Ich bin ein Produkt des Internets", erklärt Barrington DeVaughn Hendricks alias JPEGMAFIA anlässlich des selbstproduzierten Underground-Erfolgs "Veteran" im Interview. "Ich mag Vanilleeis, Videospiele und Pornos."

Jpegmafia - All My Heroes Are Cornballs
Jpegmafia All My Heroes Are Cornballs
"Thanks for the disappointment, Peggy. I love it."
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Was zunächst nicht unbedingt nach einer akkuraten Beschreibung seines abstrakten Hip Hop-Ansatzes klingt, ergibt beim genaueren Hinhören wieder Sinn. JPGEMAFIA produziert seit 2007 nämlich sehr samplebasierte, collagenhafte Musik, in der er Geräusche auch aus eben diesen Kulissen verwertet.

Zusammen mit einem eigenen, rohen Flow kreiert Hendricks einen konfrontativen Rapkosmos, der in postmoderner Web-Informiertheit einen sozialkritischen Kommentar über den Zustand der Vereinigten Staaten in der Ära Trump abgibt. "Lyricism ist superwichtig", betont der Rapper und Produzent. "Ich will den Leuten zeigen, dass man Trapshit machen kann, und trotzdem spitten. Man muss keinen Unfug reden, um Erfolg zu haben."

Gleichermaßen verkopft wie animalisch, referiert JPEGMAFIAs Underground-Rap auf Tinder und Bitcoin, Mortal Kombat und Gentrifizierung, Tori Amos und Chief Keef. Immer wieder appropriiert er in seinen Texten außerdem die Geisteshaltung der Alt-Right-Bewegung. In seinen LoFi-Videoclips persifliert er etwa eine imaginierte Kid Rock-White Trash-Hymne, fährt mit dem Slogan "I would vote for Donald Trump" durch kreideweiß gestriegelte US-Vororte oder trägt die US-Flagge als Kleidung am Leib.

Auch der Albumtitel von "Veteran", das in Indiemagazinen wie Stereogum oder Pitchfork viel Applaus erhält, versteht JPGEMAFIA als schwarzer US-Bürger als Appropriation des bedeutungsmäßig vorrangig weiß aufgeladenen Veteranenbegriffs. Ein anderes Mal trägt der Freizeittroll in Reaktion auf jene Appropriation in der Popkultur, in der Weiße schwarze kulturelle Insignien adaptieren, Fanshirts von paradeweißen Acts wie N Sync und The Black Keys.

Zur Welt kommt Hendricks 1989 in Brooklyn, New York. Im Alter von 13 zieht er mit der Familie nach Alabama. Dort begegnet dem Jugendlichen zum ersten Mal offener Rassismus. Später tritt er den Streitkräften der US-Air Force bei. Schon damals lässt er sich nicht den Mund verbieten und übt offene Kritik an militärsystemimmanenten Rassismen und Sexismen.

Über die Air Force sammelt JPEGMAFIA Erfahrungen im Ausland: zum Einen in Krisenregionen wie dem Irak, zum Anderen in Deutschland und Japan. In Japan gründet der mittlerweile leidenschaftliche Anime-Fan auch die Formation Ghostpop, die in Tokio einige Aufmerksamkeit erhält. Die vier Jahre beim Militär nutzt er außerdem in jeder freien Minute zum Musikproduzieren.

Nach der ehrenhaften Entlassung lässt er sich 2015 in Baltimore nieder. Die dortige Hip Hop-Szene inspiriert ihn und führt dazu, dass Hendricks ernsthafter eine Rapkarriere anstrebt. Im selben Jahr entsteht das Debüt-Mixtape "Communist Slow Jams".

Nebenher erwirbt er einen Master-Abschluss in Journalismus. "Wäre ich mit meiner Musik und besonders der 'Veteran'-LP nicht auf so viel Resonanz gestoßen, hätte ich vermutlich irgendwann den Weg in den Musikjournalismus eingeschlagen", sagt der Rapper selbst. Später residiert JPEGMAFIA in Los Angeles.

Musikalische Einflüsse über Videospiele und Pornos hinaus hat der US-Amerikaner mit jamaikanischen Wurzeln natürlich ebenfalls zuhauf. Ob ODB, Ice Cube oder internetgeborene Experimentalpopkünstler wie Arca oder PC Music: Hendricks sieht sich in seinem klanglichen Ausdruck von allen möglichen Seiten beeinflusst. Daraus entsteht ein brodelnder, bisweilen chaotischer, dystopischer, eigentümlicher, schroffer Sound zwischen Death Grips-Noiserap, Clipping-Glitch Hop und Danny Brown-Exzentrik.

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Roskilde, 2019 Well, that escalated quickly...

Well, that escalated quickly..., Roskilde, 2019 | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Well, that escalated quickly..., Roskilde, 2019 | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Well, that escalated quickly..., Roskilde, 2019 | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Well, that escalated quickly..., Roskilde, 2019 | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger)

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