laut.de-Kritik

Wut und Ekstase stecken in der tätowierten Sängerbrust.

Review von

Gallows ohne Frank Carter - wie soll das gut gehen? Ohne dieses rothaarige 1,60 m große Energiebündel gefüllt bis obenhin mit selbstzerstörerischer Wut? Die übriggebliebenen Bandmitglieder setzen mit Wade MacNeil (Alexisonfire) ein großes breitschultriges und bärtiges "Trotzdem!" in den Raum. "In us we trust!" singt der Neue dann auch selbstbewusst im ersten Song. Völlig zu Recht.

Zugegeben, Frank Carters angepisstes Brit-Organ war Gold! Da wirkt der neue Schreihals schon um einiges prolliger und bulliger - gut, er ist ja auch schätzungsweise dreimal so schwer. Wut, Ekstase und Brutalität steckt aber auch in seiner tätowierten Brust. Richtig befreiend muss die Arbeit mit Gallows für ihn sein, nachdem Alexisonfire tot ist. All die aufgestaute Energie wird innerhalb von wenigen Minuten losgelassen und bricht über den Hörer herein.

Die Band steht ihm in nichts nach, denn an Zorn und Intensität haben die Jungs nichts eingebüßt. Rock'n'Roll-Riffs fegen über Punkrhythmen, werden von heftigen Breakdowns zunichte gemacht. Dazwischen hört man immer wieder melodische Postcore-Versatz-Stücke. Das alles wird getragen von einem starken Hang ins Extreme.

Kaum ein Song bietet mal Verschnaufpausen. Jede Note, jeder Akkord, jedes Riff springt dem Hörer mit voller Wucht ins Gesicht, während die Band mit Crowdshouts Einigkeit demonstriert.

Im Gegensatz zu "Grey Britain" wirkt "Gallows" oftmals wesentlich metallischer, aber auch geradliniger. "Nations / Never Enough" hätte auch auf die letzte Every Time I Die-Platte gepasst.

Das Herz von Gallows steckt aber tief im Hardcore, Punk und zuweilen Screamo.
Wenn sich in "Cross Of Lorraine" der letzte Breakdown in Rauschen und Fiepen auflöst, dürfte auch dem letzten Zweifler klar sein: In Gallows we trust. Auch ohne Frank Carter.

Trackliste

  1. 1. Victim Culture
  2. 2. Everybody Loves You (When You're Dead)
  3. 3. Last June
  4. 4. Outsider Art
  5. 5. Vapid Adolescent Blues
  6. 6. Austere
  7. 7. Depravers
  8. 8. Odessa
  9. 9. Nations / Never Enough
  10. 10. Cult Of Mary
  11. 11. Cross Of Lorraine

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LAUT.DE-PORTRÄT Gallows

"Bierbecher fliegen durch die Gegend, Körper schleudern umher und der halbnackte Sänger Frank Carter – auf Strümpfen höchstens 1,60m – stellt …

5 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Allein "Outsider Art" und "Cross Of Lorraine" sind fast schon Songs des Jahres. Leider auch die einzigen, die an "Grey Britain" herankommen. Das liegt aber wohl hauptsächlich auch am Sänger. Der jetzige ist einfach weit weniger einzigartig.

    Bin daher auch sehr auf Frank Carters neues Projekt PURE LOVE gespannt, was ja so gar nichts mehr mit Hardcore-Punk zu tun hat.

  • Vor 7 Jahren

    War auch skeptsich, weil wie mehrfach gesagt Frank's Stimme einzigartig ist. Wade macht aber nen klasse Job (erinnert mich irgendwie an Fucked Up stimmlich) und die Songs sind große Klasse (weitaus besser als die EP vom letzten Jahr). Erwartungen also weit übertroffen, die Scheibe läuft rauf und runter und die Tickets für's Konzert sind eh längst gekauft

  • Vor 7 Jahren

    gut zu wissen, dass die songs besser als auf der EP sind. muss ich mir definitiv mal anhören.

  • Vor 7 Jahren

    Da fällt mir ein, dass das Album auch wieder rotzig produziert wurde wie das Debüt und den Bombast des Vorgängers (der dort allerdings super funktionierte) wieder beiseite packt.

  • Vor 7 Jahren

    Der Sänger ist zwar zweifellos der wichtigste Part bei den Gallows gewesen aber trotzdem erkennt man weiterhin wer hier sofort am Werk ist. Die Stimme von MacNeil mag zwar nicht so Farcetenreich sein aber er geht mit Herz und ordentlich Faust in der Tasche an die überirdische Aufgabe ran. Durfte die neue Formation schon live aufn groezrock sehen und die Harmonie stimmte. Jetzt hört man auch auf Platte das volle Potenzial.