Porträt

laut.de-Biographie

DJ Kayslay

Wem gehört die Krone des besten Mixtape-DJs? DJ Clue, Funkmaster Flex, DJ Green Lantern, Tony Touch und DJ Whookid sind alles heiße Titelaspiranten. Doch ein gewichtiger Herr aus den Straßen von New York schert sich nicht groß um diesen Kampf und hängt sich einfach eine dicke Krone mit der Aufschrift "KAYSLAY Drama King" um den Hals. Ein größenwahnsinniger Möchtegern? Bei weitem nicht, denn DJ Kayslay ist der angesagteste DJ in New York und kann getrost die Kette baumeln lassen.

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Noch weit vor irgendwelchen Ketten kommt er 1966 als Keith Grayson im New Yorker Stadtviertel Harlem zur Welt. Er wächst bei seinen Eltern in El Barrio im östlichen Harlem auf. In den späten Siebzigern wird der damals 10-Jährige mit dem Virus Hip Hop infiziert und ist somit Augenzeuge der Geburtsstunde des Raps. Er entwickelt gleich eine tiefe Leidenschaft zu dem Plattenkratzen und pendelt wochenends von seinem Stadtteil Harlem in die Wiege der neuen Szene, die Bronx, um dort auf die wahren Väter zu treffen: Grandmaster Flash, Kid Flash, Bambaataa und Rockin' Rob. Doch das DJing bleibt nicht Kayslays einziger Zeitvertreib. Noch bevor er sich in dem DJ-Zirkus einen Namen machen kann, legt er sich das Pseudonym "DEZ" zu und verschönert den urbanen Dschungel von New York mit zahlreichen Graffitis. Weiterhin legt er aber auf und wird Mitglied des Manhattan Chapters von Afrika Bambaataas Zulu Nation, mit dem er auf den Blockparties auftritt und das auch ziemlich exzessiv zelebriert.

Vielleicht ein bisschen zu exzessiv. Er ist ständig auf Koka und Angel Dust unterwegs und wird deswegen auch 1989 hinter schwedische Gardinen gesteckt. Und während er drei Jahre im Bau verbringt wächst derweil die Szene weiter, und als der Drama King wieder frei ist, wird ihm klar, dass man mittlerweile auch richtig Geld verdienen kann als DJ. Neben seinen Skills an den Plattenspielern hat er noch ein zusätzliches As im Ärmel, er hat gute Kontakte und kennt viele der angesagtesten Rapper. So packt er auf seine Mixtapes einfach die heißesten Acts und kann sich relativ schnell neben den anderen Mixtape-DJs behaupten. Seine Tapes sind für die Big-Names eine perfekte Basis, ihre Beefs auszutragen, Jay-Z und Nas bewerfen sich gegenseitig mit Dreck, und auch das Eminem vs. Murder Inc.-Battle wird zu großen Teilen bei Kayslay ausgetragen. Der DJ kann sich über diese Promotion freuen, denn seine Tapes sind auf dem Markt begehrt wie Bootlegs.

Nebenbei hostet Kay noch seine wöchentliche Radio-Show "The Drama Hour" auf Hot 97 und stellt damit sicher, dass sein Name ständig im Gespräch bleibt. Bestätigung bekommt er auch aus der Scene, denn ab 1999 gewinnt er viermal hintereinander den Award für "Best Mixtape-DJ". Das bleibt natürlich auch den Major-Labels nicht verborgen, der Drama King wird 2003 von Columbia Records gesignt, um fortan seine Streetsweeper Mixtapes in Albumform im großen Stile zu produzieren. Eine Entwicklung, die der DJ in den Jahren, als das alles anfing, sicher nicht hätte erahnen können.

Das macht aber nichts, ab dem Release des Debütalbums "Streetsweeper Vol.1" veröffentlicht er neue Musik am Fließband. Schon auf der ersten Platte sind Größen wie Nas, 50 Cent oder Eminem zu hören. In den folgenden Platten – etwa auf "The Streetsweeper Vol. 2" von 2004 – klappert DJ Kayslay alles ab, was im Hip Hop zu dieser Zeit Rang und Namen hat, Obie Trice, Fat Joe, Ghostface Killah, Benny The Butcher, Prodigy, Lil Jon, LL Cool J, Busta Rhymes, Ice T, um nur einen Bruchteil zu nennen.

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In Deutschland erlangt er erstmals größere Aufmerksamkeit 2007 als Host des Mixtapes "Airmax Muzik" von Deutschrapper Fler. Es folgen einige EPs, Mixtapes und Singles, was Alben angeht, wird es nach "More Than Just a DJ" 2010 aber erst mal ruhiger um den New Yorker. 2017 geht es dann mit "The Big Brother" endlich auch in Longplayer-Form weiter. Besonders "Homage" 2020 sticht heraus, die Platte enthält seinen bis heute bekanntesten Song "Rolling 50 Deep", der ganze 50 verschiedene Rapper featurt.

50 Rapper auf einem Track? Langweilig, oder? Denkt sich zumindest DJ Kayslay und legt 2021 mit "Rolling 110 Deep" nach. Wie viele Hip Hop-Artists darauf zu Wort kommen, muss man wohl nicht weiter erklären. Mittlerweile genießt der US-Amerikaner ein so hohes Ansehen, dass sich zu der Rappermasse auch ein Superstar wie Shaquille O'Neal dazugesellt.

Seine letzte Platte "The Soul Controller" veröffentlicht DJ Kayslay Ende 2021. Zwei Monate später berichtet sein Bruder, er sei im Krankenhaus aufgrund einer Corona-Erkrankung. Nach vier harten Monaten verliert er im April 2022 schließlich den Kampf gegen das Virus und stirbt in seiner Heimat New York im Alter von 55 Jahren. Als "Drama King" und einer der besten Mixtape-DJs aller Zeiten wird er in den Hip Hop-Geschichtsbüchern weiterleben.

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