laut.de-Kritik

Der König der Alpen baut das Fundament für die Swag-Monarchie.

Review von

Die Alpenrepublik boomt. Zumindest musikalisch. Ob nun Wanda oder Bilderbuch: Volk und Feuilleton waren begeistert von dem, was da vom Nachbarland zu uns rüber schallte. Aber auch abseits der Hauptstadt finden sich innovative Musiker zusammen. In Salzburg zum Beispiel.

"Hanuschplatzflow" tauft sich die Crew junger Rapper und Produzenten, die sich musikalisch wohl am ehesten mit Moneyboy – noch ein Österreicher – und seiner Glo Up Dinero Gang vergleichen lässt. Auf LGoonys grandiosem "Spacetape" nahm ich dann auch zum ersten Mal den Herren mit Herzchen-Sonnenbrille und blondiertem Afro wahr, der sich erst kürzlich zum "König der Alpen" krönte. "Kirsch" heißt Crack Ignaz' erste Amtshandlung, die vielleicht nicht zum Regierungswechsel im Deutschrap führt, dafür aber immerhin beweist: Es gibt sie noch, die Aufrührer, Rebellen und Innovatoren.

Nur bringen sie dieses Mal eben nicht die Straße nach Deutschland, sondern gleich das ganze Weltall. Wie bei fast allem in der Popkultur gilt auch im Rap die Regel: Amerika ist uns weit voraus. Eigentlich ist der Sound nämlich gar nicht neu, Rapper wie Ignaz, Goony und Co. sind nur die ersten, die den aktuellen Trend erfolgreich aus den USA importieren. A$ap Rocky,Young Thug, Rae Sremmurd, Future und wie sie alle heißen: Der heiße Scheiß in Amiland funktioniert mit Autotune, Sing-Sang-Rap und sphärischen Beatgerüsten direkt aus dem All.

Ob man das nun Cloud-Rap oder Based-Rap nennt, sei jedem selbst überlassen, Crack Ignaz hat das Rezept jedenfalls verstanden. "Kirsch" sprudelt förmlich über vor Ideenreichtum. Dabei steht weniger die ausgefeilte Lyrik im Vordergrund. Die zu verstehen gestaltet sich angesichts der Mischung aus österreichischer Mundart und amerikanischem Slang sowieso als fast unmöglich.

Der Salzburger setzt vielmehr auf ein stimmiges Zusammenspiel seiner Raps mit den cloudy Produktionen. Jan Delay würde ihn wohl als "Styler" bezeichnen, gibt sich Ignaz K. doch immer wieder größte Mühe, mit möglichst vielen sprachlichen Bildern, möglichst wenig zu sagen.

Müsste man die 15 Tracks auf ihre Themenaspekte runter brechen, dann dreht sich "Kirsch" hauptsächlich um bewusstseinserweiternde Substanzen, Geld und Frauen. Letztere sind es auch, die aus Pretty Falco eine weitere Facette herauskitzeln: Pop ist für den Salzburger kein Fremdwort und mit einer ordentlichen Portion Kitsch schafft er mit Tracks wie "Sternenstaub" die Höhepunkte eines Albums, die man angesichts der durchweg hohen Qualität nur schwer ausmachen kann: "Baby sei mei Mond, sei meine Sterne / I wois was du willst, i wois was du brauchst / Komm' und flieg' mit mia, wie a Astronaut." Das Autotune-Geleiher macht auch "Oda Ned" und "August" zu astreinen Ohrwurm-Pop-Singles mit leichtem Schlager-Einschlag.

Die Einflüsse beschränken sich aber nicht nur auf die amerikanischen Trap-Trendsetter: Mit "Kush" findet sich sogar ein Footwork-Track auf "Kirsch". Zusammen mit Hi-Hat-Brettern wie "Gustav Klimt" ergibt sich eine nie langweilig werdende Mixtur. Hauptproducer Lex Lugner bastelt gemeinsam mit Wandl, Feux und B. Visible ein Beatgerüst, das moderner nicht klingen könnte und im Gegensatz zu den doch sehr roughen Mixtapes wesentlich ausproduzierter und runder klingt.

Mit "Kirsch" beweist Crack Ignaz, dass Based-Rap auch auf deutsch funktioniert, ohne dabei ausschließlich auf Humorebene abzuholen. Der "König der Alpen" baut mit seinem Debüt am Fundament für die Swag-Monarchie, die mit den Releases seiner deutschen Kumpels bald auch bei uns zu einer Rückbesinnung auf alte Regierungsformen führen könnte. Bushido, Sido und Co. brachten Deutschrap damals mit Boxerschnitt und Totenkopfmasken die Straße. Jetzt tragen die Alles-Neu-Macher und Pioniere eben blonde Afros, Herz-Sonnenbrillen und Gucci-Bandanas. Ist doch auch ganz nett.

Trackliste

  1. 1. Kirsch
  2. 2. Gödlife
  3. 3. Ned Gscheid
  4. 4. Gwalla
  5. 5. Sternenstaub
  6. 6. Gustav Klimt
  7. 7. Oder Ned
  8. 8. Grüne Dächer
  9. 9. Lagerfeld
  10. 10. Kush
  11. 11. Mei Hawa
  12. 12. August
  13. 13. 99 Bars
  14. 14. Molly2
  15. 15. Outro

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12 Kommentare mit 24 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Haha, geil.

    Danke für's Hochbringen dieses großartigen Fadens. Toriyama und Affe waren hier wohl first-mover. :D

  • Vor 2 Jahren

    4/5 sind verdient
    starkes album

  • Vor 2 Jahren

    Mein allererstes Mal auf Spotify, weil ich davon nirgends mehr ein Promoexemplar auftreiben kann, nicht mal auf Soulseek. Mit Muehe und Not das 2. Stueck beendet, ich verstehe ausser den englischen Einsprengseln NICHTS.

    Das Soundbild ist natuerlich auch nix neues, wenn man die letzten Jahre an Entwicklung im US-Rap nicht verschlafen hat.

    Lasse die Seite zwar jetzt mal offen, werde das aber wohl kaum bis zum Ende schaffen und daher mit 1/5 bewerten.

    • Vor 2 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 2 Jahren

      "König der Alpen" mit dem Coppenrath & Wiese-Beat find i scho gonz fesch.

      https://www.youtube.com/watch?v=GuNYzyVe8tw

    • Vor 2 Jahren

      Wenn du des höast ruf mi bidde an. Oder schreib mia of Facebook. I bin fame unso.

    • Vor 2 Jahren

      I pock's ned. Ollas Oaschlecha!

    • Vor 2 Jahren

      dieser dialekt macht mich bösartig. austria ist definitiv ein landstrich wo man durchfahren sollte ohne auszusteigen. kein wunder das die meisten flüchtlinge weiterziehen

    • Vor 2 Jahren

      Verstehe so ziemlich alles; macht es nicht besser für mich. :/

      Glaube der Charme von Ignaz liegt mitunter auch daran, dass er wie eine Kuschelversion von OG Maco aussieht und ausnahmsweise nicht wie 1 geistig herausgeforderter Mensch (Money Boy & quasi die gesamte Glo Up Dinero Gang) inkl. "smoothness". Dazu halt noch der "erfrischende" Dialekt, für die, die es mögen.

      (Ist nur auf Kirsch bezogen, Geld Leben und v.a. Aurora sind ein anderes Thema)

    • Vor 2 Jahren

      hab mit dem verstehen auch absolut keine probleme. liegt aber eben auch daran dass das mit fler-stickern übersäte augsburg einfach näher an der alpenregion liegt und ich schon ehrfach in wien, wo die menschen bekanntlich alle herzenbrillen tragen, war. außerdem werde ich von lugner bestimmt mal zum opernball geladen
      ein abgehalfterter plusmacher artikuliert sich eben so dass es auch der letzte heinz versteht, dazu profitiert er von den angesagten oldschoolbeats die durch xatar und co wieder salonfähig wurden und den eingerosteten klimperstreicher-streetsound ersetzt haben
      selbst ein in der versenkung versunkener nate haut nach längerer abwesenheit nen track in dem stil raus und es wird gefeiert
      absolut kein problem jedoch, mag das ja auch, durch die bank fresh ist aber was anderes, dennoch höre ich in den plusmacher rein ( auch wenn instanzen abraten)

    • Vor 2 Jahren

      Plusmacher hat ein gutes Album geliefert. 3,5/5 momentan.

    • Vor 2 Jahren

      Hallo,
      Ich bin ein professioneller Restaurator und hat in der Folge meiner Arbeit, die ich gebeten Darlehen von vielen Banken verloren, mich Remake meine finanzielle Situation sondern mich verworfen haben und ich beschlossen, eine bestimmte Kreditgeber, die mich machen könnte zu finden Darlehen. Ich am Ende immer die E-Mail-Adresse eines Lady-Suite verfügt über ein Zeugnis von Surfern gemacht, so konnte ich seine Institution effizienteren Kredit kontaktieren
      Hier ist ihre E-Mail Adresse für die Kommunikation: lagarde.yasmine@gmail.com

      Danke

    • Vor 2 Jahren

      :D @ geistig herausgeforderte Menschen. :D

      Als ich einmal Seidls 'Hundstage' angeschaut habe, brauchte ich, im Gegensatz zu anderen, keine Untertitel und hatte weniger Verstaendnisprobleme als mit dem, was da offenbar in Salzburg (wo die Menschen die Herzenbrillen tragen, nicht in Wien) gesprochen wird.

      Was Mundartrap jetzt aber wieder mit dem Plusmacher zu tun haben soll, geht mir nicht ganz in den Kopf. Wieso sollte der denn auf einmal auf Saechsisch rappen, oder irgendein Berliner auf Berlinerisch?

    • Vor 2 Jahren

      Ist der Ignaz nicht Tiroler?

      Hundstage spielt ja auch in Wien/Burgenland, wo der Dialekt nicht so stark oder teilweise fast gar nicht ausgeprägt ist. Hängt vermutlich wirklich mit dem Abstand zu den Alpen zusammen. :D

    • Vor 2 Jahren

      Apropos sächsisch: Kennt ihr noch "Wenn es nicht hart ist" vom Rödelheim Hartreim Projekt? (Lauti tut's bestimmt ;))

      https://www.youtube.com/watch?v=sgeekHqTSXI

      Der letzte Part..."Der Timö S., auf sächsisch text isch" etc., immer wieder für nen Lacher gut :D

    • Vor 2 Jahren

      ".. Deine Freundin verhächs ich, das Becks Bier ächs ich.. "

      ;)