Porträt

laut.de-Biographie

Cabaret Voltaire

Schon die beachtliche Dauer ihrer Karriere, die in den frühen 70ern, noch vor den Geburtswehen der Punkbewegung ihren Anfang nimmt und sich bis beinahe ins 21. Jahrhundert fortsetzt, macht eine stilistische Annäherung an Cabaret Voltaire zu einem schwierigen Unterfangen. Anfangs noch dem experimentellen Krachsound zugeneigt, ist in den 80ern ein unterkühlter Funkgroove typisch für ihre Releases, bevor Cabaret Voltaire von der Acid-House-Welle mitgerissen werden und sich während der 90er Jahre als Knöpfchen drehende Elektroniker zeigen.

Vorchecking: Nick Cave, Ina Müller, Andreas Gabalier
Vorchecking Nick Cave, Ina Müller, Andreas Gabalier
Außerdem ab Freitag neu: Rea Garvey, Mike Singer, Celo & Abdi, Cassandra Steen, Gentleman, Mero, The War On Drugs, Cabaret Voltaire, Hendrix etc.
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Die Welt verstören und sich selbst immer wieder neu erfinden sind zwei künstlerische Maximen, die auch Hugo Ball, Tristan Tzara und Hans Arp im Sinn haben, als sie 1916 in Zürich das Cabaret Voltaire gründen und damit die Antikunst Dada wachküssen. Wie beim historischen Vorgänger, nimmt auch bei der 1974 in Sheffield von Gitarrist Richard H. Kirk, Bassist Stephen Mallinder und dem mit Tape-Loops experimentierenden Chris Watson gegründeten Band der perfomative Charakter von Musik eine zentrale Stellung ein. Ähnlich wie ihre Zeitgenossen bei Throbbing Gristle oder SPK setzen auch Cabaret Voltaire auf Schock-Taktiken, die das Publikum provozieren und dem ein oder anderen Gig ein vorzeitiges Ende setzen.

Erst 1977 unterschreiben sie beim jungen Rough Trade-Label und veröffentlichen einige hochkarätige Singles, wie "Silent Command", "Baader-Meinhof" oder "Nag, Nag, Nag", das zum Mini-Hit avanciert. Zu Beginn der 80er werden die Sounds nach dem Abgang von Krachmacher Chris Watson komplexer und feinsinniger, die rauhe Energie früherer Tage tritt in den Hintergrund. Nach einer Begegnung mit House-Pionier Marschall Jefferson in Chicago 1988 schielen auch Cabaret Voltaire mit ihrer Musik unverhohlen auf den Dancefloor, schlagen jedoch nach dem ersten Techno-Hype noch elektronische aber gleichzeitig auch wieder experimentelle Töne an.

In der Folge verliert sich die Spur der Band beinahe. Richard H. Kirk ist Anfang der 90er einer der ersten Künstler, die auf dem noch jungen Sheffielder Warp-Label releasen. Seine minimalen Acidhouse-Tracks, die unter dem Pseudonym Sweet Exorcist in die Geschäfte kommen, zählen heute zu den Klassikern des Genres. Darüber hinaus ist Richard H. Kirk auch als Electronic Eye oder Sandoz sowie unter seinem eigenen Namen aktiv, während Bassist Mallinder auf den fünften Kontinent zieht. Kirk legt in den 00ern immer mal wieder als DJ auf und veröffentlicht einzelne - alte, exklusive, sowie brandneue - Tracks per iTunes. Im Frühjahr 2007 bringt er als Sandoz die Platte "Chapter Two / Extra Time (Under the Stones)" heraus.

2009 reanimiert er den Namen Cabaret Voltaire für mehrere Remixe für die neuseeländische Dub-Band Kora, nur ohne Stephen Mallinder. Der kümmert sich in der Folge um seine Projekte Hey, Rube! und Wrangler und veröffentlicht mit "Um Dada" 2019 sein zweites, äußerst housiges Soloalbum. Nebenher schreibt der Bassist noch Texte für wissenschaftliche Publikationen und veröffentlicht akademische Schriften über Musik und Musiktechnologie. Zudem tritt er als Musikjournalist sowie als Radio-Moderater und -Produzent in Erscheinung.

Cabaret Voltaire - Shadow Of Fear
Cabaret Voltaire Shadow Of Fear
Mit maschinellen Grooves durch Großstadtschluchten.
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2013 schließt Richard H. Kirk in einem Gespräch für die Groove "eine Reunion" der Sheffielder "im traditionellen Sinne" aus. Im selben Jahr fällt auch der Startschuss für eine Reihe von Cabaret Voltaire-Re-Releases. 2014 spielt Kirk dann beim Berlin Atonal das erste eigene Konzert als Cabaret Voltaire. Seitdem formt er auf Festivals und Shows in ganz Europa den aktuellen Sound des Projekts. Daneben arbeitet er an seinem technoiden Solowerk "Dasein", das 2017 erscheint.

Das färbt auch auf "Shadow Of Fear" ab, das erste Cabaret Voltaire-Album nach 26 Jahren, das Ende 2020 auf den Markt kommt. Dabei besinnt sich Richard H. Kirk größtenteils auf die Klänge des Projekts zu Beginn der 80er, ohne altbacken anzumuten. Ohne diese würde nämlich im Nachhinein elektronische Musik nicht so klingen, wie sie jetzt klingt.

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