Porträt

laut.de-Biographie

Bruce Hornsby

"That's just the way it is / Things will never be the same." Bei diesen Zeilen denken vor allem Jüngere an 2Pacs "Changes" und nicht an Bruce Hornsby und seine Band The Range, von denen sie eigentlich stammen. Während seiner ersten Karriere feiert Hornsby mit "That's Just The Way It Is" einen Hit, gewinnt mehrere Grammys und verdingt sich als Live-Mitglied von The Grateful Dead. Er erspielt sich eine treue Fangemeinde, die es ihm ermöglicht, sich auf seinen folgenden Solo-Alben und mit seiner neuen Band The Noisemakers auszuprobieren. Bluegrass, Jazz, Klassik: Hornsby beherrscht alles und es wirkt, als würde er sich auch wirklich nie entscheiden wollen. Später verhilft ihm dann Justin Vernon von Bon Iver zu seiner zweiten Karriere.

Geboren wird er 1954 in Williamsburg, als Sohn eines Anwalts und ehemaligen Musikers. Er und seine beiden Brüder Bobby und Jonathan beginnen schon früh mit dem Musizieren. Bruce ist später auch Teil von Bobbys Band, die die Allman Brothers Band, The Band und The Grateful Dead covern. Nach dem Ende seines Studium an der University Of Miami zieht der begabte Pianist mit Jonathan nach Los Angeles, um für 20th Century Fox zu schreiben und als Session-Musiker zu arbeiten. Kurzzeitig ist er Teil der Live-Band von Sheena Easton.

1984 gründet er Bruce Hornsby And The Range und schließt einen Vertrag mit RCA ab. "The Way It Is" ist der erste Song der Truppe und er erreicht im Jahr 1986 die Spitze der Charts. Die gesellschaftskritischen Lyrics tragen dazu bei, dass der Song auch von anderen Rappern gesampled wird, unter anderem E-40 und Mase. 2019 sagt er in einem Interview mit Billboard über "The Way It Is": "Das war ein wundervoller Zufall. Es war ein Song über Rassismus mit zwei improvisierten Solos. Das ist wohl kaum das Rezept für Pop-Erfolg."

Das gleichnamige Album erreicht Platin-Status, die beiden Songs "Mandolin Rain" und "Every Little Kiss" steigen hoch in die Charts ein. 1987 sichert sich die Band den Grammy Award als beste neue Künstler. Besonders Hornsbys Piano-Spiel und die Synkopierung, eine bestimmte Art des rhythmischen Spielens, wird von der Presse gelobt. Zwei weitere Alben von The Range folgen 1988 mit "Scenes From The Southside" und 1990 mit "A Night On The Town", die allerdings weniger erfolgreich sind.

1988 tritt Hornsby das erste Mal gemeinsam mit The Grateful Dead auf. Später steigt er bis zur Auflösung der Band nach Jerry Garcias Tod als festes Mitglied ein. Parallel dazu ist er als Produzent tätig,arbeitet unter anderem mit Leon Russell und Don Henley zusammen und ist auf Alben von Bob Dylan, Stevie Nicks und Crosby, Stills & Nash zu hören. Weitere Grammys gewinnt er 1990 für den Song "The Valley Road" als beste Bluegrass-Aufnahme und 1993 für "Barcelona Mona" als bestes Pop-Instrumental. 1993 veröffentlicht er sein erstes Solo-Album "Harbor Lights", 1995 folgt "Hot House".

Im Verlaufe der 90er-Jahre orientiert sich Hornsby immer mehr am Jazz, seine Konzerte bestehen häufig aus Improvisationen über seine bekannten Titel. Über Spontaneität in der Musik sagt er: "Kreativ zu sein, spontan im Moment und Musik im Präsens zu machen, darum geht es uns live. Ich schreibe Songs, wir machen Platten und dann werden die Platten der Ausgangspunkt, die grundsätzliche Blaupause, das grundsätzliche Arrangement."

Seine dritte Solo-Veröffentlichung ist das ambitionierte Doppel-Album "Spirit Trail", mit dichten Arrangements und Südstaaten-Thematik. Ende der 90er gibt es einige Personalwechsel in seiner Band, die fortan als The Noisemakers auftritt. Seit dieser Zeit verzichtet Hornsby auch auf Setlists und spielt seine Konzerte vor allem auf Basis von Publikumswünschen. 2002 wendet er sich auf seinem neuen Album "Big Swing Face" vom Piano ab und experimentiert mit Synthezisern und elektronischen Beats.

2004 wechselt Hornsby von RCA zu Columbia und veröffentlicht das Album "Halycon Days", das auch die Rückkehr zum Piano und generell akustischen Instrumenten darstellt. Im weiteren Verlauf der 2000er beginnt der Musiker mehr klassische Elemente in seine Shows einzubauen, 2009 veröffentlicht er mit The Noisemakers das Album "Levitate". 2007 beginnt er eine Zusammenarbeit mit der Bluegrass-Legende Ricky Scaggs, die im gemeinsamen Album "Ricky Scaggs & Bruce Hornsby" gipfelt, 2013 folgt darauf ein gemeinsames Live-Album. 2007 arbeitet der Pianist parallel an einem Jazz-Album mit Christian McBride und Jack DeJohnette. "Camp Meeting" erscheint im selben Jahr.

Hornsby geht außerdem eine kreative Partnerschaft mit Spike Lee ein. Für zahlreiche Filme des Regisseurs komponiert er den Soundtrack, darunter "Old Boy", "Chiraq" und "Blackkklansman". Mainstream-Erfolge feiert Hornsby allerdings kaum noch, erst als er in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre von Bon Ivers' Justin Vernon als großes Vorbild erwähnt und zu dessen Musikfestival eingeladen wird, beginnt so etwas wie seine zweite Karriere. Vernon wird ein enger Vertrauter und ist 2019 zu großen Teilen an dem Album "Absolute Zero" beteiligt.

Über die Zusammenarbeit sagt Hornsby gegenüber Billboard: "Ich wähle zwar manchmal andere Herangehensweisen und habe mehr klassisch-moderne Einflüsse, ein wenig Steve Reich here und da – aber Justin hat auch seine Momente. Das Big Red Machine-Album, das er mit Aaron Dessner gemacht hat – einige der Klänge des Albums kommen von diesem Downton New York, modern minimalistischen Sound.". Auf "Absolute Zero" sammelt Hornsby neben Vernon viele weitere Musiker um sich, unter anderem yMusic, Blake Mills und Robert Hunter. Das Album ist eines der meistgefeierten in Hornsbys Karriere.

2020 stellt Hornsby sein nächstes Album, "Non-Secure Connection", vor. Wieder hat Justin Vernon seine Finger im Spiel, neue Kollaborateure sind diesmal James Mercer von The Shins, Jamila Woods und Rob Moose. Über seine Art zu arbeiten sagt er dem Classic Pop Magazine: "Ich mache mich jedes Mal verrückt, weil ich glaube, dass man das machen muss, um etwas Besonderes zu produzieren. Man muss seinen Kopf gegen eine kreative Mauer schlagen, um etwas zu finden, das mitreißend ist und anders und eingängig."

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