Porträt

laut.de-Biographie

Kolja Goldstein

"Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, 's-Hertogenbosch, wir holen es raus, Bruder, bergen den Stoff. Wir sind taub, Bruder, wer wenn nicht Gott." Die Nachfrage nach Gangsterrap mit Echtheitszertifikat fällt nicht erst seit dem Erfolg von True-Crime-Formaten auf Netflix oder als Podcast hoch aus.

Wenn Kolja Goldstein in "Terminal 1742" über Kontakte zu russischen Geheimdiensten, Enthauptungen und die Auflösung von Leichen in Säure berichtet, wächst jedoch der Wunsch, dass sich der Rapper außerhalb authentischer Grenzen bewegt: "Zu viel' Morde erlebt, zu viel' Brüder begraben."

Nikolai Sheehan wird im November 1991 in der maltesischen Hauptstadt Valletta geboren. Er wächst mit vier Brüdern und zwei Schwestern in einer jüdischen Familie auf. Seine Schullaufbahn schließt er mit der Mittleren Reife ab, doch im Zentrum stehen fortan kriminelle Aktivitäten.

Vor allem in den Niederlanden hält er sich auf, wo er mit der F-side, einer Hooligan-Gruppierung mit Hang zu Ajax Amsterdam und jüdischer Symbolik, in Verbindung gebracht wird. 2012 tritt Sheehan seine erste Haftstrafe wegen Geldwäsche an. Er verbringt ein Jahr in einem dänischen Gefängnis.

Nach seiner Entlassung fällt er mit künstlerischen Ambitionen auf. Er erhält ein Stipendium für die Akademie der bildenden Künste in München, wo er 2015 für ein Semester studiert. Musikalisch tritt er im Umfeld von Ali As auf. Mit "Konten In Der Schweiz" ist er unter dem Pseudonym Kolja auf der EP "Lass Sie Tanzen (Square Dance)" zu hören.

Zudem begleitet er den Münchener 2016 auf dem Openair Frauenfeld und im Rahmen seiner Tournee, auf der ihn jedoch seine Nebentätigkeiten einholen. Er wird verhaftet und aufgrund von Drogendelikten zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt.

Wieder auf freiem Fuß, ist Sheehan im Herbst 2017 an einer Schießerei in Kopenhagen beteiligt, bei der zwei Unbeteiligte Verletzungen erleiden. Im selben Jahr erfolgt eine weitere Verurteilung für Drogenhandel und Verabredung zu einem Mordverbrechen. Die kommenden zwei Jahre verbringt er in einem deutschen Gefängnis.

Kolja verfolgt Rap weiterhin als Hobby, verlegt aber seinen Lebensmittelpunkt in die Niederlande, um für ein Unternehmen Südfrüchte zu importieren. Mit einem Vertrag bei Groove Attack findet er 2020 doch noch den Weg in die Musikindustrie.

Das Unternehmen habe ihm "zwar nicht das meiste Geld geboten", erklärt der nun hauptberufliche Rapper, aber Geschäftsführer Frank Stratmann lasse ihn machen, was er wolle. Nach seinen ersten Singles "Terminal 1742", "BLMNBQT" und "SW Utrecht" verspricht der Kölner Independent-Musikvertrieb für Anfang 2021 die EP "Art & Design".

Besagter Stratmann gerät über seinen Neuzugang geradezu ins Schwärmen: Kolja Goldstein sei "eine einzigartige Erscheinung", der "dem Genre Gangsterrap etwas Neues" hinzufüge. Laut Pressetext erfinde er das Genre gar neu.

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