Porträt

laut.de-Biographie

The Band

Eine Band, die sich "die Band" nennt, muss viel von sich halten. Obwohl die Gruppierung sicherlich zu den bekanntesten der Rockgeschichte zählt, entstand der Name aber nicht durch grenzelose Selbstüberschätzung. Die Angelegenheit ist etwas komplizierter.

Die Ursprünge liegen im kanadischen Toronto, wo die Combo zwischen 1959 und 1963 als Begleitband des lokalen Rockabilly-Matadors Ronnie Hawkins entsteht. Die Hawks, wie sie sich damals noch nennen, bestehen aus Robbie Robertson (Gitarre), Richard Manuel (Klavier), Rick Danko (Bass), Levon Helm (Schlagzeug) und dem Musiklehrer Garth Hudson (Orgel, Keyboards). Mit der Ausnahme von Robertson sind alle Mitglieder Multi-Instrumentalisten und wechseln sich am Mikrophon ab, nachdem sie die Zusammenarbeit mit Hawkins beenden und sich als Levon & The Hawks 1963 selbstständig machen.

Internationale Bekanntheit erlangen sie 1965, als sie Bob Dylan bei seinem elektrischen Wandel begleiten. Ausgepfiffen und angefeindet, stehen sie 1966 mit ihm in Manchester auf der Bühne, als ein Zuschauer Dylan als "Judas" beschimpft. Seine Antwort "du bist ein Lügner" und - an die Band gewandt - "play it fucking loud!" gehören zu den bekanntesten Anekdoten der Dylanogie.

Die Güte der Zusammenarbeit zeigen die 1968 entstandenen, wenn auch erst 1975 veröffentlichten "Basement Tapes". Zu diesem Zeitpunkt leben sowohl Dylan als auch die Band in Woodstock. Unter Führung von Produzent John Simon nimmt sie ihr erstes Album ohne externen Leader auf, "Music From Big Pink". Zwar möchten sich die Mitglieder in Honkies oder Crackers umbenennen, doch ihre Plattenfirma weigert sich und bringt die Platte 1968 unter dem Namen "The Band" heraus - eine Bezeichnung, die haften bleibt.

Der Erfolg gibt den Beteiligten recht. Die unübliche Kombination aus Manuels Klavier und Hudsons Orgel sowie die Spielfreude aller Mitglieder erzeugt einen groovigen Sound zwischen Rock und Country, der unter Musikkritikern Begeisterung hervorruft und auch kommerziell gute Ergebnisse erzielt. Der Durchbruch gelingt ihnen mit ihrem bekanntesten Stück "The Weight" aus dem Soundtrack zum Kultstreifen "Easy Rider".

Es folgen arbeitsreiche Jahre. "The Band" (1969) und "Stage Fright" (1970) bilden eine gute Grundlage für ausufernde Liveauftritte, die das Album "Rock Of Ages" (1972) gut dokumentiert. Doch Drogen- und Alkoholexzesse sowie Streitereien verschlechtern zunehmend die Stimmung. So führt sich Gitarrist Robertson zunehmend als Leader auf und verlangt die Rechte an den Liedern. Obwohl er die meisten tatsächlich selbst schreibt, ist das Endergebnis doch stark von den anderen Mitgliedern geprägt.

Frischen Wind erhält die Band durch eine erneute Zusammenarbeit mit Bob Dylan, mit dem 1974 "Planet Waves" und der Livemitschnitt "Before The Flood" entstehen. Anschließend hat Robertson die Schnauze voll von der Bühne und schlägt vor, ein Abschiedskonzert zu veranstalten. "The Last Waltz" findet am 25. November 1976 in San Francisco statt und bildet nicht nur die Grundlage für ein Dreier-LP, sondern auch für den gleichnamigen Dokumentarfilm Martin Scorseses. Auf der Bühne lassen sich Freunde und Weggefährten blicken, unter ihnen Eric Clapton, Neil Diamond, Joni Mitchell, Van Morrison, Ringo Starr, Muddy Waters und Neil Young. Gerade Young sorgt dafür, dass der Streifen erst 1978 erscheint, da seine gepuderte Nase Fotogramm für Fotogramm gesäubert werden muss. "Das war das teuerste Koks meines Lebens", kommentiert Hudson Jahre später.

Nach dem Studioalbum "Islands" (1977), inklusive der Wahlhymne "Georgia On My Mind" für den späteren US-Präsidenten Jimmy Carter, löst sich die Band in seiner klassischen Aufstellung auf. 1983 kommt sie wieder zusammen, jedoch ohne Gitarrist Robertson. 1986 verliert sie auch Pianisten Manuel, der auf Tour Selbstmord begeht. Er war jahrelang alkoholsüchtig und soll in der Zeit vor seinem Tod angeblich acht Flaschen Gran Marnier am Tag in sich gekippt haben. Der 2007 erschienene Auftritt "Whispering Pines - Live At The Getaway 1985" verbirgt an keiner Stelle, wie krank Manuel nach jahrelangem Alkoholmissbrauch war. Seine Stimme ist schon kurz nach Beginn des Konzerts nurmehr ein Piepsen.

In den 90er Jahren versuchen sich die übrig gebliebenen Mitglieder mit wechselnder Begleitung an neuem, meist fremd komponierten Studiomaterial. Das Ergebnis sind "Jericho" (1993), "High On The Hog" (1996) und "Jubilation" (1998). Nach dem Tod von Bassisten Danko 1999 löst sich die Band endgültig auf.

Im neuen Jahrtausend veröffentlicht Hudson mit seiner Frau Maud zwei Soloalben unter eigenem Namen ("The Sea To The North", 2001 und "Live At The Wolf", 2005). 2007 erscheint zudem ein Tribute-Werk mit dem Titel "Endless Highway - The Music Of The Band", auf dem unter anderen Jack Johnson, My Morning Jacket, Gomez, Allman Brothers Band, Rosanne Cash und Bob Dylans Sohn Jakob zugange sind.

Die Beziehung zwischen den verbliebenen Mitgliedern, insbesondere Robertson und Helm, sind schwierig. Der Gitarrist erwirbt 2002 die Verwertungsrechte der Gruppe, mit Ausnahme von Helms Anteilen. Als The Band 2007 einen Grammy für ihre Lebensleistung erhält, bleibt Helm der Zeremonie fern. Eine Aussprache gibt es bis zu seinem Krebstod 2014 wohl nicht.

Robertson hat seitdem freie Hand, die Geschichte der Band zu erzählen. Der Titel der 2019 erschienenen Dokumentation "Once Were Brothers: Robbie Robertson and The Band" spricht für sich. Dass er sich Mühe gibt, lässt sich jedoch nicht bestreiten: Auf eine üppigen "40th anniversary Edition" von "The Last Walz" folgen ebenso aufwändig wie liebevolle Ausgaben der Studioalben zum jeweiligen 50. Jubiläum, mit neuen Abmischungen, Essays und Bonusaufnahmen.

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    Umfangreich.

    http://theband.hiof.no/
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    Nicht mehr als ein Shop. Seufz.

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