laut.de-Kritik

Faulkost vom Feinsten.

Review von

"Fleiiischschschmaaaaaaaaaannnn" Wer weiß, wie viel Ungeziefer Nick Holmes vor solchen Auswürfen futtert. Der Sänger kostet jedenfalls voll aus, sich abseits seiner Hauptbeschäftigung Paradise Lost ganz tief im Death Metal-Friedhof einbuddeln zu können. In "Only The Dead Survive" haut er einen 19-sekündigen Grunzer raus. Welcome back, Bloodbath.

Die Band serviert auf "The Arrow Of Satan Is Drawn" wie gewohnt Faulkost vom Feinsten. Und Holmes ist nur der Frontkämpfer einer wieder einmal abliefernden Elitetruppe. Opeth-Drummer Axe wuchtet durch das tonnenschwer grollende "Levitator" als wolle er den titelgebenden "frei Schwebenden" am Boden festnageln und am liebsten noch ein gutes Stück tiefer rammen. Gitarrist und Quasi-Boss Blakkheim begeistert in fast jedem Song mit abwechslungsreichen Riffs und vielen Sprüngen zwischen Low- und Uptempo und auch mal rhythmischen Hakenschlägen ("March Of The Crucifiers").

Als Hymne kristallisiert sich bald "Morbid Antichrist" heraus. Black Metal-Flirren, Death'n'Roll-Passagen, doomige Strophen, epische, an Behemoth erinnernde Drumfills und ein wegen seines Texts und des langsamen Tempos zwangsläufig an "Grand Morbid Funeral" erinnernder Refrain ergeben ein Potpourri, in dem alle Qualitäten der Band wenigstens kurz und wirkungsvoll aufblitzen. Zu diesen gehört freilich auch der Humor. Kein Wunder, dass der Closer "Chainsaw Lullaby" wie ein vertonter B-Movie voller Over-the-top-Effekte klingt. Die Kettensäge surrt, jemand schreit, Old Nick rezitiert: "Carving, cleaving, chopping, cutting, ripping, slicing, laceration / Slashing, fucking, hacking, stabbing, piercing, scraping, mutilation". Bloodbath spielen mit Klischees, reizen sie aus, schieben aber genug musikalische Qualität und Variantenreichtum dazwischen.

Relevanz beanspruchen Bloodbath mit "The Arrow Of Satan Is Drawn" auch auf politischer Ebene – verheißt zumindest der Pressetext, wo der Autor auf einen "world leader", der "nukleare Vernichtung in 140 Zeichen androht", als Inspiration verweist. "Die Bedrohung für die Welt lauert nicht irgendwo hinter der Sonne. Der Feind ist genau hier, innerhalb der Wände", schiebt Blakkheim selbst nach. Na gut, im Endeffekt läuft es halt darauf hinaus, dass die Erde "ein verrückter Ort voller Dunkelheit, Horror, Krankheit und Terror" ist und Bloodbath den Soundtrack dazu schreiben. Aber das taten sie auch schon vor Trump Amtszeit. Letztlich spielt eine mit viel Fantasie und kreativer Gedichtinterpretation vielleicht vorhandene politische Dimension für den Genuss von "The Arrow Of Satan Is Drawn" eine genauso große Rolle wie Taufbecken beim Beerdigungsgottesdienst.

Woran man sich stören könnte: 'wieder einmal abliefernd', wie oben erwähnt, fühlt sich im Kosmos Bloodbaths etwas ereignislos an. Immerhin wechselte bisher nach jedem Studioalbum der Sänger, was die Spannung vor den Releases immer etwas erhöhte. Wohl auch weil Holmes nun zum zweiten Mal in Folge ran darf fehlt es Album Nummer 5 an echten Überraschungen. Auf "The Arrow Of Satan Is Drawn" läuft hochklassiger, nie langweilender Death Metal – aber besonders klingt hier nichts.

Trackliste

  1. 1. Fleischmann
  2. 2. Bloodicide
  3. 3. Wayward Samaritan
  4. 4. Levitator
  5. 5. Deader
  6. 6. March Of The Crucifiers
  7. 7. Morbid Antichrist
  8. 8. Warhead Ritual
  9. 9. Only The Dead Survive
  10. 10. Chainsaw Lullaby

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1 Kommentar

  • Vor 11 Monaten

    Erstmal en servus an alle! Stimme eurer Kritik vollkommen zu. Aber ich finde gerade weil Nick Holmes zum zweiten mal dran ist, war ich noch aufgeregter. Auf Medusa von Paradise Lost letztes Jahr hörte man schon wie sich seine Vocals etwas düster anhörten. Zudem hab ich Bloodbath auf dem Summer Breeze dieses Jahr endlich mal live wüten sehen. Man hörte auch live dass sich viel bei seiner Stimmengewalt getan hat. Ich war auf diese neuen, düsteren Growls und Screams gespannt und er hat mich keine einzige Sekunde auf diesem Album enttäuscht. Astreines, blutspeiendes Deathmetal-gemetzel der feindten Art