laut.de-Kritik

Bis zum Karriereende bleibt noch Zeit.

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"Komm' mit drei kompletten Alben aus dem Lockdown. Sieht so aus, als ob ich doch kein' neuen Job brauch'. Hab' ich wirklich mal behauptet, dass ich aufhör'? Sorry, Hater, ja, ich weiß, ihr hattet Bock drauf." So unvermittelt wie es vor einem Jahr erschienen ist, verflüchtigte sich das berühmte "Karriereende-Gespenst" wieder. Warum auch sollte Bausa seine bislang ohnehin nicht besonders ausufernde Diskografie so früh enden lassen? Im Genre Deutschrap besitzt er nach Apache 207 immerhin seit einiger Zeit den kürzesten Draht zum Pop-Himmel.

In "Paradox" widersetzt er sich zunächst dem selbst kreierten Zirkus um seine Person. Wo andere Rapper Ratten und Hyänen anziehen, sieht sich Bausa vor allem von Blinden umgeben, die mit ihm über Farbe debattieren wollen: "'Du solltest investieren, damit dein Geld für dich arbeitet', sagt jemand, der kein Geld hat und auch selber nicht arbeitet." Im trockenen Keuch-Flow watscht er die neunmalklugen Tippgeber ab: "Ich nehme alle eure weisen Ratschläge, pack' sie in eine Box. Hol' ein Kanister voll Benzin und mach' ein Lagerfeuer draußen am Block."

"Centre Court" setzt die ernste Grundstimmung gelungen fort, auch wenn weder der wirre Text noch der deplatzierte Ufo361 mit dem düster drilligen Instrumental mithalten können. Das vorgesehene Video-Budget soll wohltätigen Zwecken zugeführt worden sein. Vielleicht floss es aber auch einfach in die ansehnliche "Madonna"-Umsetzung. Neben der Ein-Mann-Boygroup Apache 207 zieht Bausa darauf den Kürzeren. Da kann er den Stimmverzerrer noch so sehr aufdrehen. Für einen in Dance-Pop-Gewässern fischenden Song fällt "Madonna" aber insgesamt recht langweilig aus.

Das bedeutungsschwer von Stickle begleitete "2012" sticht dagegen positiver heraus. Ohne der Leistungsgesellschaft zu huldigen, erzählen Bausa und Juju eine Aufstiegsgeschichte, die sich auf Hoffnung und Vertrauen stützt. Sehr sympathisch fällt auch das anschließende "King Kendrick" aus, auf dem er wiederum seinen zweifelnden Fans beisteht: "Ich weiß, es wird besser, wenn du versuchst. Du wartest auf die Message, dabei bist die Message du." Die unangemessene Aufschneiderei zum Ende des entspannten Stücks leitet wiederum zum folgenden Tiefpunkt über.

Bausa findet sich ganz oben im "Selfmade Babylon" wieder – und fordert nun Mitleid für seinen exorbitanten Erfolg ein. "Du bist endlich angekommen, wo du niemals enden wolltest. Sag, was hast du jetzt davon?", klagt er mit seiner von Autotune gezeichneten Stimme an: "Keine Ahnung, was ich soll mit diesem Hollywood-Scheiß. Ich wär' lieber wieder in Bietigheim auf Pommes rot-weiß." Und während Stickle den Weltschmerz am Piano teilt, vergeht sich Bozza an Harald Juhnkes Credo: "Bin am scheißen, zähl' Geld, keine Termine, leicht ein' sitzen und ich reis' um die Welt."

Wenn sich Bausa um die Welt bewegt, dann nur um der Staatsgewalt zu entkommen. Jumpa bastelt ihm einen zackigen Electro-Unterbau für "Silber Blau". Berky und Sonus wiederum tauchen "Weisst Wie Es Ist" ins Licht der südländischen Abendsonne.

So springt "100 Pro" von Stil zu Stil, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das gilt auch für die Gäste. Echte Könner wie Sido oder Marteria landen ohne Umschweife vom Ultrakurzzeitgedächtnis direkt im mentalen Papierkorb. Hoffentlich erweisen sich die kommenden Alben als nachhaltiger. Bis zum Karriereende bleibt ja noch massig Zeit.

Trackliste

  1. 1. Paradox
  2. 2. Centre Court (mit RIN und Ufo361)
  3. 3. Madonna (mit Apache 207)
  4. 4. 2012 (mit Juju)
  5. 5. King Kendrick
  6. 6. Selfmade Babylon (mit Bozza)
  7. 7. NY Whisky Sour
  8. 8. Silber Blau
  9. 9. Weisst Wie Es Ist (mit Sido)
  10. 10. Marlboro Lights (mit Marteria)
  11. 11. I.N.S. (mit RIN)
  12. 12. Nutten Schlafen Nie (mit Bozza)

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