Porträt

laut.de-Biographie

Wings

Quo vadis? Eine existentielle Frage, die sich im Falle Paul McCartneys nach dem Ende der Beatles besonders schwierig gestaltet. Schließlich ist er es gewesen, der nach endlosen Querelen und Eifersüchteleien die Reißleine gezogen und die Worte "es ist vorbei" verkündet hat. In der Öffentlichkeit ist Yoko Ono die Böse, doch letzendlich ist er derjenige, der die Verantwortung übernommen hat.

Paul McCartney & Wings - Wings Over America Aktuelles Album
Paul McCartney & Wings Wings Over America
Wie aus einem Beatle ein Stadionrocker wurde.

Seine ersten zwei Soloalben ("McCartney", 1970 und "Ram" 1971) fallen bei der Presse weitgehend durch. Das erste, weil es zu intim ist, da er es alleine aufgenommen hat, das zweite, weil es mit einer Band entstanden ist und deshalb zu wenig persönlich. Zum ersten Mal in seiner Karriere musste sich McCartney mit Kritik auseinandersetzen und weiß nicht, wie es weitergehen soll.

Die Erleuchtung kommt geradezu sprichwörtlich. Bei der schwierigen Geburt seiner Tochter Stella, der späteren Modedesignerin, betet er inbrünstig, dass alles gut gehen möge. Vor seinem geistigen Auge erscheinen Flügel. Als Mutter und Tochter wohlauf sind, beschließt er, seine musikalische Karriere mit einer Band namens Wings fortzusetzen.

Dreh- und Angelpunkt bleibt natürlich McCartney. Offiziell nimmt seine Frau Linda als Songschreiberin, Sängerin und Keyboarderin eine prominente Rolle ein, doch erntet sie beim Publikum eher Spott. Im Studio und auf der Bühne lässt sich das Paar von wechselnden Musikern begleiten. Denny Laine, ehemaliger Gitarrist von Moody Blues, ist das einzige feste Bandmiglied.

Zunächst ändert sich nicht viel. Das erste Wings-Album, "Wild Life" (1971) erntet erneut verhaltene Kritiken und fällt auch beim Publikum durch. McCartney ist so frustriert, dass er bei der Tour auf größere Hallen verzichtet, um nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Mit "Give Ireland Back To The Irish" wendet sich 1972 das Blatt. Die Single gilt als Reaktion auf den tödlichen Polizeieinsatz bei einer Demo in Belfast, der als "Bloody Sunday" in die Geschichtsbücher eingeht. Die BBC zensiert das Stück, in Irland und Spanien landet es auf Platz 1 der Charts.

Mit dem völlig unpolitischen, dafür mit Beatles-Produzent George Martin aufgenommenen "Live And Let Die", Titeltrack des gleichnamigen Bond-Streifens, liefern Wings Ende 1972 ihr bislang bekanntestes Stück ab. Es geht aufwärts. 1973 nennt sich die Band in "Paul McCartney And Wings" um und veröffentlicht sein zweites Album "Red Rose Speedway". Die seichte Single-Auskopplung "My Love" erreicht Platz 1 der US-Charts. 1974 veröffentlichen Wings ihr erfolgreichstes Album "Band On The Run", das auf beiden Seiten des Atlantiks an die Spitze der Charts stürmt.

Mit "Venus And Mars" (1975), ebenfalls ein Verkaufsschlager, begeben sich Wings auf eine zweijährige Weltreise, bei der sie allein in den USA und Kanada vor mehr als 600.000 Zuschauern spielen. Der Live-Mitschnitt "Wings Over America" (1976) ist das Zeugnis einer Band auf dem Höhepunkt ihrer Tätigkeit. Trotz ihres sperrigen Formats (3 LPs) erreicht sie, wie auch das während der Tour veröffentlichte "Wings At The Speed Of Sound (1976)", die Spitze der US-Charts.

Anschließend geht es bergab, sowohl mit der Band als mit McCartneys kompositorischen Fähigkeiten. Auch wenn der größte Erfolg noch aussteht: Die Schnulze "Mull Of Kintyre" bricht an Weihnachten 1977 im Heimatland alle Rekorde und verkauft sich doppelt so gut wie die bis dahin erfolgreichste Single, pikanterweise "She Loves You" von den Beatles.

Zu diesem Zeitpunkt bestehen Wings nur noch aus dem Ehepaar McCartney und Laine. 1979 versuchen sie sich an einem neuen Konzept: Auf "Back To The Egg" (1979) mischen unter anderen Pete Townshend, David Gilmour und mit John Paul Jones sowie John Bonham 2/4 von Led Zeppelin mit. Das bombastische Ergebnis fällt bei der Kritik jedoch durch, auch die Käufer reagieren verhalten.

Seine nächsten zwei Alben ("McCartney II", 1980, und "Tug Of War", 1981) veröffentlicht McCartney unter eigenem Namen. Laine ist daran beteiligt, wie auch an einer Sammlung an unveröffentlichten Tracks, die 1981 mit dem Titel "Cold Cuts" erscheinen soll. Doch während der Produktion kommt es zum Zerwürfnis mit McCartney, der Wings daraufhin ad Acta legt. Wie auch das Album, das 1987 nur als Bootleg auf den Markt kommt.

In Vergessenheit geraten ist die Band dennoch nicht. Ab 2012 erscheinen die Studioalben in restaurierter Fassung, unter persönlicher Anleitung Paul McCartneys. Zudem gehören "Live And Let Die", "Band On The Run", "Maybe I'm Amazed", "Jet" oder "My Love" nach wie vor zum Standardrepertoire seiner Konzerte.

Alben

Videos

Blossom (Audio)
Blossom
(Teaser) Blossom
Hair Short
  • Maccas Homepage

    Sehr umfangreich, surfenswert.

    http://www.paulmccartney.com/

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