Porträt

laut.de-Biographie

Waldemar Bastos

Kultur und Krieg gehen schwer zusammen. So ist es auch in Angola. Über dem seit Jahrzehnten tobenden und erst 2002 beigelegten Bürgerkrieg hat man die reiche musikalische und kulturelle Tradition des Landes fast vergessen. Einer, der sich um sie kümmert und ihre Entwicklung vorantreibt, ist Waldemar Bastos.

In der ehemaligen Hauptstadt des alten Königreiches, Mbanza, kommt Waldemar Bastos 1954 zur Welt. Seine Eltern fördern sein musikalisches Talent mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Diese sind begrenzt, und so muss Waldemar im Alter von acht Jahren eine Entscheidung treffen: Ein Fahrrad oder Musikunterricht bei einem Lehrer. Er entscheidet sich für Letzteres und legt damit den Grundstein seiner internationalen Karriere.

Bereits als Jugendlicher tourt er mit seiner ersten Band "Jovial" quer durchs Land um Anlässe jeglicher Art musikalisch zu begleiten. Das ist sowohl unter der portugiesischen Kolonialherrschaft, die 1974 in Folge der "Nelkenrevolution" endet, als auch danach kein stolperfreies Unterfangen. Die Befreiung von der Kolonialmacht mündet schnell in einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg und in der Ermordung der intellektuellen Opposition. Unter diesen Bedingungen eine ernsthafte künstlerische Karriere in Betracht zu ziehen, erscheint Waldemar Bastos als widersinnig, da er als politisch engagierter Musiker und Texter seines Lebens nicht mehr sicher ist. 1982 "desertiert" er, als er im offiziellen Auftrag seines Landes zum portugiesischen FITEI-Theater-Festival geschickt wird. Er kehrt nicht nach Angola zurück.

Statt dessen bleibt er für kurze Zeit in Portugal, um sich neu zu orientieren. Sein Weg führt ihn über Berlin nach Brasilien, wo er sich vorerst niederlässt. Schnell etabliert er sich in der dortigen Szene und nimmt schließlich sein Debütalbum "Estamos Juntos" (EMI/Odeon) auf. 1985 geht er nach Portugal zurück, um seine Familie, die er bei seiner Flucht in Angola zurück lassen musste, nach Lissabon zu holen. Dort spielt er sein zweites Album "Angola Minha Namorada" ein, das 1990 auch in seiner Heimat Angola veröffentlicht wird.

Mitte der 90er stolpert David Byrne, der Talking Heads-Mastermind, während eines Lissabon-Aufenthaltes über eine Aufnahme von Waldemar Bastos. Kurzer Hand lädt er ihn ein, auf "Adventures In Afropea 3: Telling Stories To The Sea" mitzuwirken, das 1995 auf Byrnes Kult-Label Luaka Bop erscheint. 1998 folgt das von Arto Lindsay produzierte "Pretaluz", mit dem Bastos der endgültige Durchbruch gelingt.

Als 2002 der Bürgerkrieg in Angola ein Ende findet, lädt die neue Regierung ihn als musikalischen Ehrengast ins Nationalstadion nach Luanda, der neuen Hauptstadt, ein. Im Bewusstsein der (noch) zerbrechlichen Freiheit seines Heimatlandes produziert er seinen sechsten Longplayer "Renascence", der ab Januar 2005 in den Weltmusik-Regalen der Händler steht.

Die leichtfüßigen Kompositionen darauf zeichnen ein farbenfrohes Bild des Gitarristen und Sängers, der mehr denn je Frieden und Optimismus besingt. Mit Unterstützung von Musikern aus Angola, dem Kongo, Mozambique, Guinea, Portugal, Martinique und der Türkei spielt er ein gutgelauntes Album ein, das sein globales Weltverständnis frohgemut widerspiegelt.

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