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Auf die Hamburger Schule folgt die Generation derer, die jene Formlehre Anfang der Neunziger ausschließlich von der Rezipientenseite aufnahmen. Die meisten der jungen Nachwuchsmusiker stammen inzwischen aus Berlin oder siedeln recht bald in die Hauptstadt um. So auch vier Jungs aus dem brandenburgischen Provinz-Nest Elsterwerda bzw. Umgebung.
Es sind Mittelstands-Kids, die Punkrock immer schon cool fanden. Doch anstatt auf Demos zu gehen, zieht man sich seit 1999 vorzugsweise in den Proberaum zurück und macht oder produziert Fanzines wie das Knaartz. Alles geschieht natürlich im Indie-Kontext, der sich bei VJ! um Schrammel-Gitarren und Texte über die Liebe und Sehnsucht dreht.
Thomas Dörschel an Gitarre und Piano, Mathias Hielscher am Bass, Nino Skrotzki am Gesang bzw. Gitarre und Angelo Gräbs am Schlagzeug finden ihren Bandnamen, als Thomas seine angebetete Virginia zu einem Konzert seiner damaligen Kapelle einlädt. Damit sie den Gig in der brandenburgischen Einöde auch findet, bastelt er, schwer verliebt, Schilder mit der Aufschrift "Virginia Jetzt!" und Richtungspfeilen.
Zwecks Studium und Zivildienst ziehen die vier später nach Berlin-Friedrichshain um. Eine erste selbstgemachte EP wird unters Volk gebracht. Der stärkste Song "Deine Welt" (die Vocals steuert Mieze von Mia. bei) schafft es gar ins Tagesprogramm von Radio Fritz. VJ! haben den Pop im Blut: Selbst vor Piano-Only-Stücken, die in Sachen Romantik heftig punkten, machen sie keinen Halt. Müssen sie auch gar nicht, denn es funktioniert trotz oder gerade dank Diskursverzicht ganz wunderbar. Nicht ohne Grund hängen bei VJ! Ben Folds und Echt-Plakate im Wohnzimmer.
Die EP "Pophymnen" - immer noch ohne Plattenvertrag - macht sie 2000 weit über die Hauptstadt-Grenzen hinaus bekannt. Nach etlichen Touren zieht man für die "Mein Sein"-EP einen kleinen Deal mit dem Blickpunkt Pop-Label des vierten Sportfreunds Marc Liebscher an Land. Dick produziert, rückt das Ziel des perfektionierten Gitarren-Popsongs näher. Ein Jahr später wagen die lieben Jungen mit einer (wiederum selbstgebrannten und streng limitierten) "Mein Sein"-Remix-CD erstmals einen Besuch in der elektronischen Zone.
Im Juni 2003 erscheint das Debütalbum "Wer Hat Angst Vor Virginia Jetzt!". Ein Jahr und unzählige Konzerte später ist das Quartett längst nicht mehr die kleine Band aus Elsterwerda. Mit einer breiten Fanbasis und dem feinen zweiten Album "Anfänger" im Gepäck starten sie das Projekt Popstar. Weiser und älter sind sie geworden, das hört man auf dem neuen Album auch deutlich. Vom Powerpop der frühen Tag hat man sich nahezu komplett verabschiedet. Die Schönheit bleibt.
Im Februar 2005 nehmen VJ! mit ihrem Song "Wahre Liebe" für Brandenburg an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest teil. In bunten Rollkragenpullis unter Jacketts spielen sie charmante Imitatoren der jungen Beatles. In der Folgezeit etabliert sich die Band als feste Größe der deutschen Musiklandschaft, deren Grundtenor das bandeigene Fan-T-Shirt dank des Slogans "Virginia Jetzt! is for Lovers" wohl am besten ausdrückt.
Ende Mai 2010 verlassen Besucher die offizielle Bandpage drum mit echten Tränen in den Augen: "Liebe Fans, mit der Gewissheit, dass auch dieses Ende ein Anfang sein wird, mit einem weinenden Herz und schwerer Zunge möchten wir Euch sagen, dass wir uns entschieden haben, die Band Virginia Jetzt! aufzulösen". Nach tollen Jahren auf der Straße, im Studio und auf der Bühne habe man beschlossen aufzuhören, "so lange es noch so schön ist". Im Oktober folgt die Alles hat ein Ende-Abschiedstour.
Sänger Nino über Existenzkrisen und das Älterwerden, Tanzkurse und das Album.
Standen Virginia Jetzt! kurz vor dem Aus? Sänger Nino erklärt, warum eine kreative Pause nötig war und wie eine Jugendzentren-Tour und ein gemeinsamer Tanzkurs den Spaß zurück gebracht haben.
Es ist ohne Frage eine schwere Bürde, die Nachfolge von Virginia Jetzt!-Chefkorrespondentin und -Kennerin Vicky Butscher anzutreten. Schließlich hat Frau Butscher über die Jahre hinweg eine innige Beziehung zu den Brandenburger Jungs Nino, Thomas, Mathias und Angelo aufgebaut, mit diesen mehrfach Interviews gehalten, die eine oder andere KiBa-Schorle getrunken, etc. Doch auch ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, mich ausführlichst vorbereitet, meinen Plattenschrank mit reichlich VJ!-Songs bestückt, zahlreiche Artikel gelesen, und und und. So viel Einsatz und Mut muss belohnt werden, könnte man annehmen! Wurde er auch! Mit Sänger Nino im Gespräch erfuhr ich allerlei interessante Details über die neue Platte, vermeintliche Existenzkrisen, Tanzkurse und das Älterwerden. Dabei zeigte sich Nino wie eh und je in bester Redelaune!
Im August 2004 erschien euer zweites Album "Anfänger". Danach habt ihr eine längere Pause eingelegt. Warum diese Auszeit?
Also es war nicht wirklich eine bewusste Auszeit. Wir haben eine kurze Pause gemacht, weil wir ja quasi seit Beginn der Aufnahmen zum ersten Album Ende 2002 bis zur letzten Anfängertour Anfang 2005 nur unterwegs waren, Studio, Tour, und so weiter. Dann haben wir uns eine kurze Auszeit von zwei, drei Monaten gegönnt, haben uns anschließend aber schon an die Aufnahmen fürs neue Album gemacht. Das hat sich dann aber ein bisschen hingezogen, weil wir zwar 'ne ungefähre Vorstellung hatten, von dem was wir machen wollten, wie wir klingen wollten, aber wir hatten irgendwie Schwierigkeiten im Proberaum da hinzufinden. Wir haben dann diverse Sachen gemacht, z.B. sind wir zwei Wochen nach Mecklenburg gefahren, haben uns da ein Haus gemietet um Musik zu machen, 24 Stunden am Tag, waren dann auch in München in einem Club, wo wir eine ganze Woche lang unter falschem Namen gespielt haben und sind dann irgendwann ins Studio gegangen, im Januar, Februar. Wir waren dann aber noch nicht ganz so zufrieden. Wir hatten eigentlich schon genügend Stücke für ein Album, aber irgendwie fehlte uns noch was, und dann haben wir uns noch mal zwei Monate Pause gegönnt, in denen wir dann noch mal geschrieben haben und arrangiert, und sind dann noch mal im April ins Studio gegangen. Ja und dann hat sich das mit dem Mischen noch ein bisschen hingezogen, was dann dazu führte, dass das Album jetzt erst im Januar herauskommt. Eigentlich hätten wir es natürlich gern schon im Spätsommer veröffentlicht, aber das hätten wir terminlich nicht hinbekommen.
Ja, aber in eurem Pressesheet zu "Land Unter" heißt es ja, dass ihr euch selbst eine sechsmonatige Pause verordnet habt und dann viel Zeit brauchtet, viel miteinander reden musstet, um wieder ein "Bandgefühl" zu formulieren – das hört sich ja alles sehr nach großer Krise an, nach: VJ! standen kurz vor dem Aus.
OK, das klingt da vielleicht ein bisschen hart! Ich weiß gar nicht mehr was der Plan war, wie lang wir Pause machen wollten. Letztlich auch aufgrund der langen Zeit, die wir zuvor miteinander verbracht haben, um sich zu besinnen. Es gab da keine Existenzkrise oder so. Wir haben uns direkt während der "Anfänger"-Tour zusammengesetzt und überlegt, wie das neue Album klingen soll und waren uns da auch sehr schnell einig, hatten da ungefähr die gleiche Vorstellung. Also es gab da keine Frage über das Ob und auch nur wenige Fragen über das Wie, aber als wir dann letztlich zusammengekommen sind, hat es länger gedauert als gedacht. Beim "Anfänger"-Album ging das sehr schnell, wir sind direkt nach der ersten Platte ins Studio und haben die Songs innerhalb von vier Wochen gemacht. Diesmal hat es doch wesentlich länger gedauert, weil jeder so einen Berg von Ideen hatte und Vorstellungen, die er umsetzen wollte. Das musste man erst mal zusammenbringen, und wir mussten auch so'n bisschen den Spaß am Musikmachen zurückholen. Wir haben dann angefangen, Coverversionen zu spielen, wie gesagt diese München und Mecklenburg-Geschichte, und haben auch noch ein paar Sachen nebenbei gemacht. Wir haben zusammen einen Tanzkurs gemacht, nur aus Spaß, um einfach von diesem Druck Wir machen jetzt Musik, mit dem Ziel ein Album zu schreiben, von diesem Druck, den wir uns selbst machen, wegzukommen und da ein bisschen befreiter ranzugehen. Wir wollten auch diesmal nichts machen, mit dem man nicht ganz zufrieden ist – so dass der eine oder andere vielleicht Bauchschmerzen bei irgendeiner Geschichte hat. Und letztlich hat es deswegen so lange gedauert, aber das war keine Bandkrise, höchstens eine ... ja wir mussten uns dann erst wieder finden.
Aufhören war also nie ein Thema?
Nee, nee. Es gab nie die Frage, ob wir weitermachen oder nicht. Das war für uns ganz klar. Wir haben uns im Proberaum, am kreativen Prozess, etwas gerieben. Da waren wir manchmal ein bisschen orientierungslos, das hat ein bisschen gebraucht, aber ich glaube, das ist eine ganz natürliche Entwicklung, die man so durchmacht, wenn man einen neuen Abschnitt beginnt. Und jedes neue Album ist ein neuer Abschnitt. Man beginnt bei null, und muss sich erst mal mit bestimmten Sachen auseinandersetzen. Und wir wollten das Album ja auch live einspielen. Da ist natürlich viel mehr Übung und Konzentration erforderlich, was dann alles einfach seine Zeit braucht.
Das tun wir in der Tat, natürlich nicht in allen Aspekten. Viele Sachen haben natürlich eine gewisse Routine bekommen, die auch sehr angenehm ist, weil man einfach bestimmte Abläufe kennt und die dann optimieren kann, aber vieles ist tatsächlich immer auch ganz neu, und tatsächlich könnte auch dieses Album "Anfänger" heißen. Das ist Außenstehenden immer schwer zu vermitteln, weil wir auch schon zwei Alben gemacht haben, aber letztlich war für uns der größte Schritt, die Sachen live einzuspielen. Bisher haben wir alles immer nacheinander eingespielt, jedes Instrument für sich, da wurde viel geschnitten. Das wollten wir diesmal nicht, weil wir das Album lebendiger haben wollten und dringlicher und auch ruhig mit kleinen Fehlern drin. Damit war natürlich eine große Vorbereitung verbunden und auch eine große Angst von uns – Schaffen wir das überhaupt in der gebuchten Studiozeit? Wie wird das Gefühl sein, wenn wir alle zusammenspielen? Wird es besser? Wird es schwerer?
Wollt ihr euch dieses Anfänger-Gefühl auch bewusst ein wenig bewahren?
Ja, klar! Das ist ja fast das Wichtigste. Nichts wäre schlimmer, als die Spannung zu verlieren. Man sollte wenigstens versuchen, sich zu verändern und weiterzuentwickeln, Sachen auszuprobieren und sich vielleicht auch zu überraschen mit Elementen, die man sich vor vier Jahren in der eigenen Musik noch nicht hätte vorstellen können. Aus dem Grund haben wir auch vor Kurzem eine Jugendzentren-Tour gemacht. Wir waren auf ganz kleinen Bühnen, in kleinen Räumen, in ganz kleinen Städten. Es war jeden Abend wirklich komplett was anderes, und man musste auch kämpfen, um die Leute und kämpfen, um uns. Das hat uns total geerdet, und jetzt haben wir total Bock, wieder auf normale Tour zu gehen. Das war ganz wichtig, dass wir das gemacht haben – an die Anfänge zurück, kleiner Bus, irgendwelche, alten Pensionen, der Kicker im Backstage, der Sozialarbeiter hinter'm Tresen und wieder mit den Leuten reden nach 'nem Konzert – Wo kommen die her? Was machen die so? Wie funktionieren die? Was hören die heute? ... – was man ja bei normalen Club-Konzert nicht machen kann, weil die Leute zehn Minuten nach dem Ende rausgefegt werden oder gar nicht mehr damit rechnen, dass sie die Band noch mal zu Gesicht bekommen. Bei der Juze-Tour haben wir einfach noch stundenlang mit Leuten gequatscht oder sind noch mit auf WG-Partys gegangen. So was ist natürlich total wichtig, um den Bezug nicht zu verlieren. Immer nur im eigenen Kosmos zu bleiben, das wäre ja auch nicht schön!
Wer hatte die Idee dazu bzw. warum habt ihr euch gerade Jugendzentren ausgesucht?
Das war eine Gemeinschaftsidee. Angelo, unser Schlagzeuger, hat während einer Tour gesagt: Irgendwie ist das alles nicht mehr so geil wie früher. Ja, wenn man größere Locations bespielt – also wir spielen ja jetzt nicht in großen Hallen oder so – aber man verliert einfach einen gewissen Bezug zu den Leuten. Oftmals hat man sogar schon 'ne Art Graben vor der Bühne oder so'n Absperrgitter, und dann hat man nur noch eine Masse vor sich. Früher oder jetzt auch in den Jugendzentren war es so, dass man wirklich auch die einzelnen Gesichter wahrnimmt, mit den Leuten auch reden kann, auch während des Konzerts. Das ist alles viel persönlicher, viel intimer. Wenn man schlecht ist auf der Bühne, dann kriegt man das sofort zurück, weil man das direkt in den Gesichtern sieht. Darüber haben wir eine Weile nachgedacht und uns entschieden, wenn's passt, dann müssen wir die Juze-Tour auf jeden Fall machen. Einfach auch, damit man sich selbst immer mal wieder in Frage stellt und guckt, Was mach ich hier eigentlich und wie funktioniert das Ganze? Dann passte das auch ganz gut, dass das Album ein bisschen länger gebraucht hat, wir 'ne EP vorher noch gemacht haben, 'ne kleine Platte, ja und dazu dann auch 'ne kleine Tour. Dass wir nun eine Jugendzentren-Tour gemacht haben, hat damit zu tun, dass wir da auch angefangen haben. Und das ist natürlich auch eine kulturpolitische Sache, und es ist auch gut, auf die Jugendzentren und auf die Images der Jugendzentren hinzuweisen. Das zu unterstützen – vor allem, wenn man das auf so eine angenehme Art tun kann, auf Tour zu gehen – das hat einfach super gepasst!
Wir würden das ja nicht als Wandel sehen, sondern eher als natürliche Entwicklung. Es gab ja auch auf dem letzten Album schon Stücke, die sich mit diesen Themen befasst haben und auch wenig hoffnungsvoll waren. "In Der Finsternis" zum Beispiel. Auch auf dem ersten Album wurden melancholischere Töne angeschlagen. Und diesmal war es der Ansatz von Thomas, der unsere Stücke schreibt, in dieser Thematik mal nicht diesen Hoffnungsschimmer aufblitzen zu lassen, im Sinne von Wir haben uns getrennt und heute geht's uns schlecht, aber morgen wird's schon wieder besser – dieser Hoffnungsgedanke, der ja immer ein wichtiger Bestandteil in unserer Musik war. Es war diesmal einfach spannend, das auszulassen, um die negativen Gefühle und negative Situationen deutlicher zu machen, das nicht zu relativieren mit Ausblicken auf die Zukunft und Lichtern am Ende des Tunnels, sondern sich nur mit dieser einen Facette zu beschäftigen.
Ein Freund von uns hat gesagt, dass die Alben auch eine schöne Reihe ergeben. Das erste Album wurde ja als dieses Wir sind am Baggersee und wir lernen uns kennen und alles ist toll, wir sind jung und gesund und es gibt nichts Negatives-Album gesehen und das Zweite war dann gemischt, das hatte so einen reflexiven Blick auf bestehende Beziehungen - es war nicht mehr so euphorisch. Das zweite Album richtete sich mehr auf das Wir stehen jetzt hier und blicken auf uns, auf den Stand der Beziehung. Und das dritte Album beschäftigt sich mit der Trennung, mit dem Auseinandergehen in irgendeiner Form, obgleich die Musik schon dringlich nach vorn strebt. Wenn Hoffnung auf dem Album ist, dann ist sie eher in der Musik, nicht in den Texten. Keine Ahnung, wo es mit dem vierten Album hingeht.
Würdest du selbst sagen, dass euere Musik gereift ist?
Ja. Ich glaube, das ist auch ein ganz natürlicher Prozess. Wir sind älter geworden und haben Erfahrungen gemacht. Man entwickelt sich weiter in irgendeine Richtung, und das spiegelt sich in den Texten natürlich auch wieder. Natürlich hat man bewusste Ansätze, wo möchte ich hin und so weiter, aber da passiert auch ganz viel unterbewusst, weil man einfach mehr erlebt und älter wird. Wir gehen ja nun alle auf die 30 zu und da würden wir heute nicht mehr so einen Song wie "Von Guten Eltern" schreiben, weil das gar nicht mehr passend wäre.
Bleiben wir noch bei dem Song "Bitte Bleib Nicht, Wenn Du Gehst". Hierzu wurde auch ein Remix-Wettbewerb ins Leben gerufen. Die Mix-Versionen auf eurer Homepage sind durchgängig sehr elektronisch – da finden sich auch gewagte Drum'n'Bass- oder Ambience-Stücke wieder (Anm. d .Red.: Unbedingt auf www.virginiajetzt.de anhören! Die Mixversionen sind sehr zu empfehlen!). Gefallen euch die Mixe trotzdem?
Ja, die gefallen uns schon sehr, sonst hätten wir sie ja auch nicht auf unsere Seite gestellt. Das ist ja auch nur eine Auswahl, letztlich haben wir fast 50 Beiträge bekommen - die meisten Stücke gingen schon eher in eine tanzbare elektronische Richtung. Der Gewinner-Song ist nicht dabei, der wird als B-Seite auf der nächsten Single sein. Und der Song ist es geworden, weil er am untypischsten war - das ist eine richtige Hip Hop-Nummer, so Bushido-mäßig, praktisch genau derselbe Gesang, aber der Beat ist ein wenig versetzt und dadurch kommt man auch irgendwie auf dieses Hip Hop-Ding. Wir haben das alle gehört, waren überrascht, dass das so passt und hatten alle gleich "dicke Hose" und haben dazu gebounct. Das hat uns am meisten gekickt, weil es so untypisch war und überraschend.
Ihr werdet zukünftig also keine Synthie-Sounds oder elektronische Beats in eure Songs einbauen?
Ich glaube nicht. Mit Beats arbeiten, das hat noch ein bisschen Zeit! Im Moment sehe ich das nicht. Wir sind ja große Fans von organischen Instrumenten und wollen das auch zu viert spielen können. Aber dass vielleicht irgendwo mal ein elektronisches Element auftaucht, kann ich mir schon vorstellen, wir sind ja schon sehr offene Typen! Depeche Mode – die Lieblingsband von Mathias, unserem Bassisten – sind ja auch eine recht elektronische Band, aber da ist auch fast alles akustisch eingespielt und danach verfremdet, was man ja gar nicht so merkt. Und die spielen live ja auch mit einem Schlagzeuger. Vielleicht ist das ja alles gar nicht so weit weg?!
Da können wir uns also überraschen lassen! Apropos Überraschung: Für Überraschungen seit ihr Jungs ja immer gut! Nicht nur die Juze-Tour, auch die Presse-Promo-Aktion zum neuen Album war ungewöhnlich. Statt üblicher Pressekonferenz habt ihr die Redakteure auf eine Bootsfahrt eingeladen. Warum?
Zum einen ist ein Boot natürlich der passende Präsentations-Ort für ein Album, das "Land Unter" heißt und natürlich Assoziationen mit Wasser hervorruft. Zum anderen haben wir das schon mal gemacht, nicht für die Presse, sondern für Fans, eine kleines Bootskonzert, und fanden das sehr außergewöhnlich, weil es ein ganz anderer Rahmen ist, wenn man ein Konzert auf einem Boot gibt, das fährt und draußen rauscht die Berliner Nacht an einem vorbei. Außerdem hat das auch noch einen praktischen Hintergrund, niemand von den Presseleuten kann vorher gehen, die müssen sich das alles angucken! Niemand darf zu spät kommen, alle müssen pünktlich sein und dann geht's los. Wir haben dann auch noch ein wenig gefeiert, es war sehr angenehm!
Im März nächsten Jahres geht ihr auf Album-Promo-Tour und erfreut hier auch wieder die Großstädter mit euren Songs. Mich wundert, dass nur wenige Gigs in den neuen Bundesländern stattfinden – schließlich kommt ihr selbst aus Brandenburg und thematisiert mit Songs wie "Weit Weg" oder "Zonenkind" Wendezeit und Mauerfall ja auch auf dem neuen Album. Muss es denn immer Hamburg, München oder Stuttgart sein?
Ja gut, das hat damit zu tun, wo man Fans hat, wo man schon gute Konzerte gespielt hat. Es ist so, dass es im Osten einfach auch nicht so viele Möglichkeiten gibt, in dem Rahmen zu spielen. Es gibt Berlin und Rostock, wo wir ja auch spielen. Dazwischen gibt es fast nichts. In Sachsen gibt es Dresden und Leipzig, da machen wir eine Stadt im Frühjahr und Leipzig dann wahrscheinlich im Herbst. Wir sind dann noch mal in Erfurt, Thüringen, und werden im Herbst da wahrscheinlich auch noch eine Stadt mitnehmen.
Und was ist mit Städten wie Magdeburg, Potsdam oder Halle?
Wir waren schon ganz oft in Magdeburg, aber sonst gibt's auch nicht so viel was man bespielen könnte! Frankfurt/Oder und Cottbus gäbe es da noch, aber konzertmäßig sieht es da sehr mau aus, da ist es auch besuchsmäßig bisher nicht so schön gewesen. Wir versuchen aber trotzdem, dieses Jahr mal in Cottbus zu spielen, weil wir da schon lange nicht mehr waren. Das ist natürlich auch immer so eine Sache. Man einigt sich, wie viele Konzerte will man spielen, wo muss man überall hin, wo möchte man überall hin, und dann bleibt auch gar nicht mehr viel übrig. Westdeutschland ist halt einfach viel größer, deswegen kann die Gewichtung da auch nicht 50/50 ausfallen, obwohl Dresden und Leipzig für uns schon Hochburgen sind.
Zur Tour im März gibt es ja auch einen Lagebericht auf laut.de zu lesen – ihr bloggt bei uns und berichtet hoffentlich ausführlich zu den Gigs und Geschehnissen der Tour. Was wird man im VJ!-Blog wohl lesen können? Backstage-Berichte? Pikante Details?
Wenn wir einen Videoblog machen, dann ähnlich wie unser Juze-Blog. Da haben wir selbst aufgenommen, und da gab es ja quasi fast nur Backstage-Aufnahmen, weil wir ja während des Konzerts schlecht filmen können. Von daher wird es dann schon eher "mittendrin, statt nur dabei" sein. Wenn es ein Schriftblog wird, dann wird es natürlich auch Backstage-Informationen geben, weil das ja das eigentlich Spannende ist.
Gibt es schon Pläne, wie die Gigs ablaufen sollen?
Nein, über die Tour haben wir uns bisher noch keine Gedanken gemacht. Jetzt kommt erst mal das Album heraus, im Januar. Dann fällt uns erst mal ein großer Stein vom Herzen, weil wir da ja doch lange dran gesessen haben, und im Februar bereiten wir uns dann auf die Tour vor und dann gucken wir mal, was wir da so machen. Da überlegen wir uns dann frisch was!
Darauf eine KiBa-Schorle: "Land Unter" erscheint am 26.01.2007. Ab März sind Nino, Thomas, Mathias und Angelo dann auf Album-Promo-Tour.
Fährt man durch halb Berlin, um zu erfahren, dass sich bei Virginia Jetzt! eigentlich gar nichts geändert hat?
Nein, denn tatsächlich haben sie doch einiges anders gemacht als beim letzten Album. Zum Beispiel waren sie nun auch bei Interaktiv, selbst einen Besuch bei Bravo TV wollen sie nicht ausschließen. Kaum in Frage käme dagegen ein Auftritt bei The Dome oder ein Interview mit Spex. Da merkt man schon das neue Selbstbewusstsein ...
Was hat sich bei euch als Band und in eurer Musik geändert, seitdem ihr euer erstes Album raus gebracht habt?
Thomas: Da hat sich in der Band gar nichts Gravierendes geändert. Es ist eigentlich so, wie es die Jahre zuvor auch schon war: Es ist gewachsen. Man erlangt eine komische, aber nicht unangenehme Professionalität. Man arbeitet ein bisschen gezielter. Man probt nicht mehr dreimal die Woche, sonder einmal zwei Wochen lang richtig und dann eine ganze Weile gar nicht mehr. Das ist alles etwas hektischer geworden und etwas zeitraubender als vorher. Aber da wir auch nichts mehr anderes machen, ist das auch OK. Die Band hat jetzt 100% eingenommen.
Nino: Also, das Gefühl ist immer noch das gleiche wie vor einem Jahr, als die erste Platte raus kam. Man ist jetzt höchstens ein bisschen souveräner. Als wir letztes Jahr die erste Platte raus gebracht haben waren wir natürlich ein bisschen hibbelig, und nervös. Diesmal ist das gar nicht so. Das letzte Mal wusste man nicht, wie man das bewerten soll, was wir machen. Und dieses Mal ist man sehr zufrieden mit der Platte. Das gibt einem so viel Ruhe, dass man sagt es ist egal, wann die Platte raus kommt.
Thomas: Es ist total egal. Ich registriere zum Beispiel jetzt gerade erst, dass heute die Single raus kommt. Und gestern hat mich noch ein Freund angerufen und wollte wissen, wie wir am Dienstag feiern. Denn da käme doch der Trend, wie viele Singles sich am ersten Tag verkauft haben. Das ist was, was ich überhaupt nicht registriere. Unser Manager spricht schon seit Tagen oder Wochen von nichts anderem mehr: "Am Dienstag wissen wir's ja dann!" Das kommt immer wieder. Und dann weiß ich immer nicht, was die mit Dienstag wollen, weil mir das total egal ist.
Thomas: Und ob dann die Platte in die Top 60, Top 40 oder Top 20 geht ist dann total egal. Im letzten Jahr waren wir gar nicht in den Charts und haben trotzdem mehr verkauft als andere, die ein paar Wochen in den Charts waren. Und wir hatten eine super Tour. Das ist doch wirklich egal. Die Leute werden das geil finden und die werden das kaufen. Ob nun in der ersten oder in der zehnten Woche, ist egal.
Nino: Und die letzten Konzerte waren alle wahnsinnig gut. Man merkt, dass die Leute da Bock drauf haben, und dann ist dir so was egal.
Hat sich bei den Aufnahmen was verändert?
Thomas: Ein bisschen schon. Wir haben mehr Zeit gebraucht. aber das war uns von vorne herein klar. So an der Art und Weise hat sich gar nicht so viel geändert. Wir haben zum Großteil mit den gleichen Leuten gearbeitet. Und wir haben viele Studios wieder benutzt, in denen wir beim letzten Mal schon waren. Aber natürlich ist immer irgendwas wieder besser als davor. Diesmal war es die Tatsache, dass wir noch einen Ton-Ingenieur dabei hatten, der parallel alles noch fein sortiert hat, was man aufgenommen hat, was dann auch Zeit gespart hat. Und wir haben alles sehr viel genauer gemacht, und das hört man auf der Platte auch, die klingt besser und das liegt daran. Beim letzten Mal ging es darum, den Sound der Band möglichst genau einzufangen, aber weil wir nicht so wahnsinnig viel Zeit hatten, haben wir nur kurz den Gitarrensound eingestellt und los ging's. Und dieses Mal haben wir an nem Gitarrensound schon mal zwei bis drei Stunden gesessen, bevor der da war, wo man wollte. Und manchmal hat man dann nach zwei Tagen gemerkt, dass es doch noch nicht das war, was wir wollten und haben die Gitarre noch mal neu aufgenommen.
Macht das dann noch Spaß oder nervt das?
Thomas: Das nervt ein bisschen, aber ich finde nicht so sehr wie beim letzten Mal. Ich wusste, dass es das Ergebnis verbessert, je genauer und besser man das macht. Früher wäre ich nach zwei Tagen hibbelig und schlecht gelaunt gewesen, wenn man in der Zeit so wenig aufgenommen hätte. Wir haben in zwei Tagen wirklich nicht viel aufgenommen. Wir geben uns so viel Mühe, weil es am Ende auch zu hören sein wird. Und ich finde es ist zu hören, denn es klingt viel, viel größer, fetter und dichter, obwohl wir gar nicht viele neue Elemente, neue Instrumente rein gebracht haben. Das liegt daran, dass alles viel, viel exakter aufeinander abgestimmt worden.
Aber es ist doch im Ganzen viel ruhiger geworden!
Thomas: Viel würde ich nicht sagen, obwohl, wenn man die letzten Stücke bertrachtet ja ... Ich finde so bis zur Hälfte der Platte ist es nicht bedeutend ruhiger geworden. Auch live passt das ziemlich gut. Stücke wie "Liebeslieder" oder "Du musst dahin wo's weh tut" ...
Nino: Die reihen sich nahtlos in die alten Sachen im Set ein. Wie gesagt, die Exaktheit ist auch ein Grund. Wenn wir jetzt die Hälfte der Zeit gehabt hätten, dann wären die Lieder vielleicht genau so "langsam" aber ein bisschen rumpliger, und dann wäre einem das gar nicht so aufgefallen.
Ich finde, es ist auch inhaltlich ein bisschen nachdenklicher geworden. Als wenn diese Sachen wie "Mein Sein" etwas relativiert werden sollten. Dieses verklärte Bild von Liebe ...
Thomas: Ich finde das ja nicht verklärt!
Na gut, dann halt das sehr romantische ...
Thomas: Auf dem ersten Album waren ja auch nur zwei Liebeslieder drauf. Mehr nicht. Und das war unpersönlicher, weil oft von "wir" gesungen wurde und nicht so oft von dem "ich". Was wir mit der neuen Platte erreichen wollen ist, dass sie den Leuten noch näher geht. Dass sie sich selber noch mehr darin wieder finden können und dass es für sie persönlicher wird. Und dass schafft man eher, indem man mehr über ein "ich" oder ein "du singst, als wenn du da so eine große Gruppe einbeziehst. Wo findet man sich da selber? Was kann man für sich selber raus ziehen? Das geht viel leichter, wenn man über ein "ich" singt. Es macht natürlich Spaß, auf "Mein Sein" zurück zu sehen und zu sagen, was waren wir naiv und so weiter. Aber so naiv ist jeder, wenn er verliebt ist. Für den Moment sieht er keine Zweifel. Das weicht irgendwann und dann kommt der Alltag dazu und das macht sie dann auch in vielerlei Hinsicht kaputt. Ich finde das wirklich nicht verklärt. Das sind Momentaufnahmen. So ein Lied wie "Mein Sein" ist ja kein Lied, das über eine Beziehung von mehreren Monaten oder Jahren bestehen kann, so ist das nicht. Wenn man Liebeslieder von anderen hört, dann gibt es eigentlich immer nur zwei Punkte, an denen die statt finden: Entweder an dem Punkt, an dem man frisch verliebt ist. Dann ist das so wie "Mein Sein". Oder es findet an einem Punkt statt, an dem es gerade vorbei gegangen ist, wo es gerade aufhört. Das sind dann die traurigen Liebeslieder, die die Leute auch so gerne hören. Aber es gibt wenige Stücke, die sich genau dazwischen befinden, also an einem Punkt, an dem noch alles gut ist, aber man schon eine Menge durchgemacht hat, wie "Ein Ganzer Sommer". Das ist ja ein Lied, bei dem man sich mitten in einer Beziehung befindet. Auch "Anfänger" ist ein Lied, bei dem man sich genau dazwischen befindet, wo man Bilanz zieht und schaut, wo man steht, und was einem das bedeutet. Ob man das jetzt hinbekommen hat oder nicht. Davon handeln total wenige Lieder. Mir würde jetzt spontan auch gar keins einfallen. Das finde ich extrem spannend, genau da einzusetzen und zu schauen: Was passiert da. Das ist ein interessantes Gebiet, das in der Musik noch nicht so richtig erforscht ist. Und wenn man das auf den Hörer überträgt, dann ist das ein Gefühl, was so vielen auch so nahe geht, weil sie merken, dass sie sich genau da befinden. Das ist ja auch das, was die Leute an "Ein Ganzer Sommer" so bewegt. Klar ist das ein durchaus kitschiges Stück und mancher mag Schlager dazu sagen. Aber das, worum es da geht, da befinden sich doch viele, das denken doch auch viele. "Wir sind jetzt schon so lange zusammen, haben schon so viel miteinander durchgemacht, und trotzdem sind wir noch zusammen. Obwohl wir schon so viele Hürden meistern mussten." Das ist ja auch ne Kunst, da schafft ja nicht jeder. Das finde ich sehr interessant und gut!
Thomas, schreibst du eigentlich immer noch alle Texte alleine?
Thomas: Ja!
Nino, hast du da schon mal gesagt: So einen Scheiß singe ich nicht?
Nino: Nee, es gibt manchmal ein Wort oder so. Aber das hat ja mit dem Inhalt an sich nichts zu tun. Manchmal erklärt Thomas der Band noch, was er genau damit meint, aber eigentlich ist das gar nicht nötig, weil man seinen eigenen Zugang dazu hat. Ob der nun genau das ist, was Thomas damit sagen wollte, ist auch egal, denn es geht darum, dass man was Persönliches aufbaut, so wie das jeder Hörer ja auch macht. Sonst müsste Thomas ja zu jedem nach Hause gehen und ihm erklären, was er meint.
Aber du musst es ja singen!
Nino: Ja, aber genau das meine ich ja. Manche Sachen werden halt genau erklärt, um genau das zu erzeugen, was er möchte, und bei einigen Songs ist das nicht notwendig.
Thomas: Zum einen nicht notwendig, weil es verständlich ist, oder weil es Nino eh gleich versteht.
Unerwarteter Besuch: Angelo kommt vorbei. Thomas: Du kommst gerade richtig. Die Frage war grad, wo der Bandname her kommt... Alles egal, Angelo möchte nur Eisschokolade trinken und keine Fragen beantworten.
Thomas: Manchmal ist es auch wichtig, dass genau das rüber kommt, was Nino darin sieht und nicht, was der Text an sich aussagen will ... sofern das nicht Meilen weit voneinander entfernt ist. Denn das Echteste ist ja immer der Moment wo der Sänger das, was er singt, auch tatsächlich denkt und fühlt. Das merken die Leute auch. Große Sänger sind solche wie Robbie Williams, denen du alles abnimmst, jedes Wort glaubst, das er singt, obwohl er das nicht geschrieben hat. Wo man denkt: Dem geht's aber schlecht bzw. gut. Aber der hat das gar nicht geschrieben und das sind auch nicht seine Gedanken. Aber das funktioniert bei uns auch. Die Leute denken, das seien seine Gedanken, obwohl sie's nicht sind. Aber so soll's ja auch sein. Die Leute sollen ja denken, dass das echt ist und nicht dass Nino ein Karaoke-Sänger ist.
Spielt "Du Musst Dahin Wo's Weh Tut" auch auf diesen vorhin beschriebenen Beziehungszustand an?
Thomas: Nicht zwingend, eigentlich nicht, das ist ein ...
Nino: Fußball-Lied ... lachen
Thomas: Ne, ist es nicht. Ich wusste auch gar nicht, dass Fußballer das sagen. Früher hat das mein Trainer bestimmt auch mal zu mir gesagt, aber da kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. Im Fußball muss man ja dahin, wo's weh tut, um gut spielen zu können. In dem Lied geht es um unsere Zeit, in der die Leute sich nichts mehr trauen, weil alle so bequem geworden sind. Weil einerseits die Technik so was vorgibt, indem man für alles Fernbedienungen hat. Dakannst du es dir so bequem machen wie möglich. Das wäre ja dann nicht so schlimm, wenn sich das nicht auf die Einstellung der Menschen übertragen würde. Dass die überhaupt nichts mehr riskieren. Und darum geht's ja: Schmerz zuzulassen, weil das wichtig ist und man daraus viel lernt, vor allem über sich selber. Das ist ein bisschen so eine Missionars-Sache, ein Einzelkämpfer-Ding, Überlebenstraining oder so. Aber da ist ja was dran an solchen Erfahrungen, die solche Leute machen, indem sie zum Beispiel in ein Überlebenscamp gehen, weil sie der Meinung sind, da mehr über sich erfahren zu können. Das tun sie auch. Die gehen da über Grenzen, die sie vorher noch nie überschritten haben. Und das tut glaube ich gut. Im Song geht es aber eigentlich um die allgemeine Sache, im Leben mehr zu riskieren, weil man daran gewinnt.
Was ganz anderes: Ihr geht ja dieses Mal zu Interaktiv!
Thomas: Ich wusste, dass das kommt!
Warum macht ihr das dieses Mal? Beim letzten Interview war Interaktiv für euch ja noch das Schlimmste.
Nino: Das hat sogar jemand im Forum geschrieben. Der hat genau aus dem Interview deine Fragen zitiert und das ins Gästebuch geschrieben ...
Thomas: Und gefragt: Was sagt ihr jetzt, letztes Jahr habt ihr gesagt, ihr geht nicht hin.
Nino: Es gibt einen einzigen Grund: Mola ist weg ...
Und die anderen sind genau so schlimm!?
Thomas: Vermutlich, ich kenne gar keinen, der das jetzt macht. Wir versuchen Thomas, die neuen Moderatoren aufzuzählen, kommen aber auch nur auf zwei
Ja, warum macht ihr es denn jetzt?
Thomas: Vielleicht aus unterschiedlichen Gründen. Mir geht es so, dass ich es im letzten Jahr als einen zu großen Fehler empfunden hätte. Denn unsere Fans hätten das nicht verstanden. Weil es eigentlich schon eine abgrundtief schlechte Sendung ist ... oder war. Ob sie's immer noch ist weiß ich nicht, ich gehe mal davon aus. Aber mit der Platte, die wir jetzt gemacht haben, habe ich ein unglaubliches Selbstbewusstsein. Mir ist jetzt nicht alles scheißegal, aber mir könnte so was nichts anhaben. Denn: Was hat das mit der Platte zu tun? Letztendlich nichts. Es geht nur darum, da zu sein, dass die Leute uns kennen lernen, dass die Leute sagen, "die sind mir aber sympathisch". Denn wir werden da sein, nicht irgendwer. Vielleicht bekommen sie so den Zugang zu uns, den sie sonst nicht bekommen hätten, weil sie keinen Musikexpress mögen, ihn nicht lesen, nicht kennen oder halt nur Viva gucken oder Radio hören. Ich finde das nicht so schlimm, weil das dieses Mal nur eine Werbeplattform ist, die man nutzt.
Nino: Wir haben auch letztes Jahr keine Chance gesehen, in der Sendung zu bestehen. Du wurdest auf dieses niedere Niveau herabgezogen. Und dieses Jahr denken wir schon, dass wir unser eigenes Ding durchziehen können. Die haben sich ja auch verändert. Es gibt ein neues Studio, die Moderatoren sind andere und Leute, die da in der Redaktion arbeiten, die haben vorher Fast Forward gemacht. Da sieht man schon, dass man das für die 20 Minuten auf eine andere Ebene heben kann.
Thomas: Ich wusste das zum Beispiel gar nicht, dass da jetzt Fast Forward-Redakteure sitzen.
Angelo: Uns es ist keine Schulklasse mehr da.
Nino: Das sind Sachen, wo wir sagen: OK, probieren wir's einfach. Und Leute wie die Beatsteaks und Slut sind da gewesen. Da kann man das ruhig auch probieren. Vielleicht scheitert man, aber dann weiß man, dass man da nächstes Jahr nicht mehr hin muss. Es gibt ja auch Leute bei der Platenfirma, die viel für uns hinkriegen und denen kann man natürlich auch nicht sagen, das machen wir nicht. Aber wenn wir was total doof finden, dann wissen die das auch. Durch diese Veränderungen bei Interaktiv sind die Argumente nicht mehr so stark, da nicht hin zu gehen.
Thomas: Ich finde es ist auch die Erfahrung, die man im letzten Jahr gemacht hat. Mich interessiert Interaktiv nicht und ich weiß, es geht da um Oberflächlichkeiten, aber darum geht's ja bei MTV auch. Ein, zwei Fragen zur Musik, wenn überhaupt. Sonst eben zur Person. Das war's dann auch schon. Aber ich habe im letzten Jahr auch festgestellt, dass das alles eigentlich ziemlich egal ist. Das ist ja eigentlich nur dazu da, um für deine Platte zu werben, auch wenn du nicht viel über die Platte sprichst. Aber so funktioniert dieser Boulevard nun mal, dass man nicht über das Produkt spricht, sondern über die Person, die das macht. Aber da hoffe ich, dass die Leute sich darüber für das Produkt interessieren. Was ja auch der einzige Zweck ist. Dass die Leute vielleicht die Platte kaufen und du sie so zu Fans machst. Und die Leute so dann vielleicht eine andere Sichtweise bekommen und den Unterschied zwischen Virginia Jetzt! und Jeanette Biedermann sehen, die eben auch jedes viertel Jahr mal da sitzt.
Gibt es trotzdem noch Sachen, die ihr gar nicht machen würdet?
Nino: Ja, klar. Ich würde zum Beispiel nie zu The Dome gehen, obwohl es da auch Stimmen in der Band gibt, denen das inzwischen egal ist. Aber das sind vielleicht auch Grenzen, die sich mal verschieben. Aber da sehe ich heute keine Chance, was Eigenes zu sein.
Thomas: Auch Bravo TV fände ich nicht schlimm. Ich habe da wirklich eine, zumindest teilweise, sehr andere Sichtweise bekommen, als letztes Jahr. Also, wir müssen das alles nicht machen. Aber wenn die Leute dadurch mitbekommen, dass es VJ! gibt und so auf das Album kommen - und das ist nun mal viel besser als der meiste andere Scheiß, der raus kommt. Dann sollen sie doch lieber das kaufen, als Underground, Overground oder wie die da alle heißen.
Nino: Die Frage ist ja: Kann man da was erreichen, kann man denen was mitteilen? Das kann ich mir zum Beispiel bei The Dome nicht vorstellen. Aber bei einer Sache, bei der wir im Interview sind, kann man das auch lenken.
Wie war es, als ihr diesen Sommer vor Alanis Morisette gespielt habt?
Thomas: Ich würde das immer machen, wenn man damit eine große Menge erreicht. Die Leute kaufen dann zwar vielleicht nicht sofort deine CD, aber sie haben dich gesehen, hören dein Lied im Radio und sehen zufällig dein Video. Und irgendwann stehen sie im Plattenladen und erinnern sich: "Lied im Radio, Video und das tolle Konzert bei Alanis Morisette, die nehm ich mir mal mit." So funktioniert das ja. Die Leute sind ja nicht so Musikhörer, wie wir das sind, die einen Song hören und sich sofort für die Band interessieren. Die nehmen das ja ganz anders und oberflächlicher wahr. Die müssen mit dem Holzhammer bearbeitet werden, bis sie sich irgendwann für die interessieren. Und so ein Konzert ist ein guter Holzhammer.
Nino: Das klingt jetzt natürlich sehr kalkuliert, aber letztendlich ist das ja so, dass man als Musiker Leute erreichen will. Und deshalb würde man trotzdem nicht alles machen. Denn es stellt sich immer die Frage, ob man die Möglichkeit hat, zu den Leuten Zugang zu finden. Ich glaube, dass das bei einem Jeanette Biedermann-Konzert nicht unbedingt fruchtbar wäre. Da gibt es sicherlich auch Leute, die dann sagen: "Das ist ja viel geiler und echter." Aber das würde mir wehtun, das vor dem Publikum zu machen. Oder es wäre ein Mal richtig lustig. Das kann natürlich auch sein. Aber das sind keine Geschichten, wo wir hin wollen. Also, wir wollen nie da hin, dass unsere Hauptauftritte zwischen fünf Playback-Künstlern sind.
Thomas: Für Leute, die uns zum ersten Mal hören, zum Beispiel über die Video-Rotation der Single im Fernsehen, sind wir nichts anderes als Silbermond oder Juli. Wenn man genauer hinguckt, sieht man das dann aber anders. Diese Bands spielen auf keinem vernünftigen Festival. Die dürfen nie aufs Taubertal-Festival. Da müssten die schon was ganz anderes machen. Die funktionieren nur über Bravo oder so Sachen wie Interaktiv. Die haben überhaupt keine ernsthafte Auseinandersetzung über ihre Musik. Das spiegelt sich nirgendwo wieder. Vielleicht machen die auch irgendwann eine Tour, aber erst mal spielen die nur bei diesen Playback-Auftritten. Wenn sie Glück haben vielleicht noch auf Stadtfesten. Aber die dürfen auf kein einziges Festival. Das würde echt schwer werden. Das sieht man auch an Bands wie Sofaplanet, die sich auch auf so was eingelassen haben. Es ist so richtig schwer, da wieder raus zu kommen. Von Anfang an gab es keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem, was die machen. Wir können natürlich irgendwann da hin kommen, wenn wir nur noch so was spielen und uns ganz anders geben. Aber das sind ja dann auch nicht wir. Und das finde ich keine große Gefahr und habe deswegen auch keine Bedenken mal zu Interaktiv oder zu Bravo-TV zu gehen, weil die andere Seite immer noch stattfindet.
Habt ihr denn trotzdem was gemacht, wo ihr sagen würdet, das möchten wir nicht noch mal machen, das war ein Fehler!?
Thomas: Ja, letztes Jahr haben wir da was mit Laut.de gemacht...
Nino Ja, da gibt es schon Sachen, die haben uns menschlich oder als Band, also musikalisch, nicht weiter gebracht. Aber bereuen tut man eigentlich nichts, weil man ja auch was lernt. Die großen Fettnäpfchen haben wir auch ausgelassen. Wenn man auf unsere Werdegang zurück blickt, waren das alles Sachen, die uns immer nur nach vorne gebracht haben. So lange, wie man sich selber gegenüber treu bleibt, kann man auch nicht viel falsch machen. Egal, wo man hingeht und was man macht.
Thomas: Mir würde auch nicht viel einfallen. Wenn ich lange drüber nachdenke, alle Interviews rekapituliere, gibt es vielleicht ein, zwei Journalisten, wo ich beim nächsten Mal unserem Promoter sagen würde: Die nicht noch mal. Wir machen gerne noch mal ein Interview mit dem Medium, aber nicht mit den Journalisten. Und sollte die Spex ankommen und mit uns ein Interview machen wollen: Ich bin derjenige, der Nein sagt! Ich werde daran nicht teilnehmen. Nicht, weil ich beleidigt bin, dass die mit uns jetzt nichts machen wollen. Sie wollen jetzt zur Platte nichts machen, die finden das nicht gut, die finden das scheiße. Was ich OK finde. Ich freue mich schon auf die Rezension, wird ein Verriss werden, war es letztes Jahr schon. Finde ich gut. Wenn sie jetzt nach einem Monat ankommen würden und doch was machen wollen, weil sie gelesen haben, dass sie die einzigen waren, die es scheiße fanden, dass sie die einzigen waren, die es verrissen haben ... Denn wir haben so eine super Reaktion vom Feuilleton im Moment. Wir haben viele Interviews mit denen gemacht. Wenn sich dann die Sichtweise der Spex dadurch so verschiebt, dann würde ich nicht einsehen, mit denen noch ein Interview zu machen. Ich wäre nicht dabei, wenn die Spex fragen sollte. Zum nächsten Album gerne, aber bei diesem Album bin ich nicht bereit dafür. Dann haben sie sich damit nicht auseinander gesetzt, wenn sie das irgendwann mal toll finden.
Nino: Das sind alles keine gravierenden Sachen. Ich weiß noch, wie wir letztes Jahr diskutiert haben, ob wir unsere Zustimmung geben, auf den Bravo-Sampler zu kommen. Und letztlich war es scheißegal. Es hat keinen interessiert.
Thomas: Da gab's vielleicht drei Fans, die sich im Gästebuch drüber beschwert haben.
Nino: Na meine Güte, unser Verlag hat sich gefreut. Und dann war es auch egal. Ich weiß nicht, wie oft der sich verkauft hat. Aber wenn danach 500 Leute gesagt haben, ich schau mir die Band mal näher an, dann ist das schon ein Gewinn. Da darf man sich nicht zu fein sein für so einen Scheiß. Gerade diese ganzen Indie-Dogmen haben wir schon im letzten Jahr versucht hinter uns zu lassen. Und das bestätigt uns auch nur. Wir haben das gemacht und es war egal.
Was ganz anderes: Ihr geht ja über das Goethe-Institut auf eine Tour nach Russland. Wie sind die gerade auf euch gekommen?
Thomas: Weil wir bekannt sind. Und weil wir deutschsprachige Musik machen. Ich glaube aus keinem anderen Grund. Wir haben Jahre vorher immer schon beim Goethe-Institut angeklingelt und wollten gerne mit denen irgendwo hin. Das war zwar nicht Russland. Wir wollten gerne irgendwo anders hin, wo es geiler ist ... Südamerika, Asien oder so, aber das war für die nicht interessant. Du bist einfach erst interessant, wenn die dich kennen, Bands wie Mia, Tocotronic, Fettes Brot, Beginner, Virginia Jetzt!, solche Bands werden da gefragt. Und die haben uns für Russland gefragt. Wir dachten zwar: warum Russland? Können die uns nicht in die USA bringen? Wir wollen auch gerne nach Australien. Aber jetzt ist es halt Russland. Und es ist auch toll.
Nino: Rein urlaubs-mäßig wären die anderen Länder besser gewesen. Aber ich glaube rein vom Publikum her ist Russland viel interessanter, als zum Beispiel die USA. Da interessiert sich ja keine Sau für einen. In Russland sind die Leute noch ein bisschen hungriger und freuen sich. Das haben wir von Mia und den Sporties gehört, die schon da waren. von daher ist es für eine deutschsprachige Band, die nie die Möglichkeit hat, über das deutschsprachige Ausland hinaus zu kommen ... außer sie arbeiten viel mit Pyroeffekten ... Wir freuen uns auch schon total und es wird auch sehr abenteuerlich. Ich bin gespannt.
Thomas: Das hat ja mit Urlaub dann auch nichts mehr zu tun, wobei man ja schon die Gelegenheit hat, das Land kennen zu lernen; auf eine andere Art und Weise, als wenn man Urlaub machen würde.
Nino: Wir sind ja auch nicht in den Touristenzentren.
Thomas: Aber es ist schon ein Auftrag. Du fährst da hin, um einen Teil deutschsprachiger Kultur zu repräsentieren. Nichts anderes werden wir machen. Wir werden uns Mühe geben, die Leute da zu unterhalten, denen da was zu bieten. Ich glaube, so viele westeuropäische Bands kommen da nicht, um ein Konzert zu spielen. Für die ist das ein Highlight. Das sollte man denen auch nicht vermiesen, indem einen das egal ist. Die sollen einen tollen Abend bekommen.
Sie erzählten noch, dass ihr Konzert in der Wuhlheide relativ normal werden würde. Es solle da "familiär und intim" zugehen. So war es dann auch. Und ich kann nun, genau wie die anderen 400 Zuschauer, behaupten, mal auf einer riesigen Bühne gestanden zu haben. Denn auf dieser hatten Virginia Jetzt! eine weitere, kleine Bühne aufgebaut. Das Publikum stand so auf der großen Bühne der Wuhlheide und schaute auf die Kleine, die dort wie ein Kasperle-Theater wirkte. Das war auf jeden Fall besser als ihr Auftritt bei Interaktiv. Man kann bezweifeln, ob sie es mochten, nach Freundinnen gefragt zu werden ... Ob das beim nächsten Album noch mal sein muss?
Das Interview führte Vicky Butscher
Bislang bewegten sich Virginia Jetzt! streng im Indie-Kontext von Schrammel-Gitarren, Texten über die Liebe, Sehnsucht und dem ganzen anderen Zeug, das Mädchen wichtig ist. Geht das noch, wenn man Erfolg hat?
Berlin, Berlin, ich fahre durch Berlin! Um von meiner Wohnung zum Café und Kino "Intimes" in Friedrichshain zu kommen, brauche ich schon anderthalb Stunden. Die Fahrt hat sich gelohnt: Auf mich warten Thomas und Nino in bester Redelaune. Der Wortfluss stoppt auch dann noch nicht, als meine Minidisc voll ist. Über eineinhalb Stunden erzählen mir die beiden ihre Sicht auf Sinn und Unsinn des Musikbusiness.
Eure Songs bewegen sich irgendwo zwischen romantisch und kitschig, und "Kitsch" ist ja oft eher ein Vorwurf. Könnt ihr den nachvollziehen?
Beide: Ja!
Und warum macht ihr's dann trotzdem?
T: Naja, weil wir's nicht kitschig finden, es aber trotzdem nachvollziehen können, dass es als kitschig empfunden wird. Wenn wir es nicht machen würden, würden wir uns ja nach dem richten, was die Leute wollen. lacht das machen wir ja gaaar nicht! Äh, nö, also ich find's nicht kitschig. Liebeslieder in deutscher Sprache, die sich nicht hinter der eigenen Sprache verstecken, sind immer irgendwie kitschig, das wirft man auch Blumfeld vor. Ich finde nicht zu Recht, aber viele meinen das halt. Aber immerhin haben wir es noch nicht geschafft, zu singen: "Ich liebe dich". Ganz so schlimm kann's noch gar nicht sein! lacht
Nino: Ein bisschen Kitsch ist ja auch ganz gut. Das kommt auch auf die Situation, in der man sich befindet, an. Viele Leute finden das scheiße, viele Leute finden die klaren Bilder aber auch gut. Darauf können sie sich einlassen, müssen nicht erst in Sekundärliteratur nachschlagen, worüber jetzt gesungen wird. Ich versuche kurz einzuwenden, dass ich's ja gar nicht schlecht finde, wenn's mal ein bisschen kitschig wird, Nino lässt sich aber überhaupt nicht aus dem Konzept bringen: Wir sind ja eine Band und keine Dichter! Es geht nicht darum, die Welt zu retten mit neuen Erkenntnissen über Zwischenmenschliches. Es geht darum, Emotionen weiter zu tragen. Das gelingt so am einfachsten. Man macht sich zwar angreifbar, aber das ist egal.
Thomas: Die Liedern sollen ja Zustände beschreiben. Andere beschreiben Missstände, das kommt bei uns auch mal durch. Aber oft geht es nur darum, Gegebenheiten, Zustände, Zufälle zu beschreiben, wie ne Beziehung ist, wie ne Beziehung sein könnte, wie man sich die vorstellt ... Je klarer man die Vorstellung ausdrücken kann, desto besser ist es eigentlich. Wenn das dann noch ein bisschen poetisch oder lyrisch verpackt ist, wenn sich das noch dem Lied anpasst, dann ist es doch super so. Das ist das eine. Und zum anderen sollte man sich das durchaus mal trauen. Thees Uhlmann (Kopf von Tomte, Anm. d. Red.) hat bei Fast Forward gesagt: "Wenn man singen muss: 'Die Bastarde, die dich nach Hause bringen', weil das genau das ist, das man beschreiben will, dann muss man das halt singen." Und es muss einem total egal sein, was die Welt da draußen von einem denkt. Wenn das der Satz ist, den er braucht, dann braucht er den. Und wenn der Satz um jemanden zu beschreiben "mit dir ist es dreifach schön" ist, dann ist es das halt. Das ist ja diese Form von Romantik, die sich jeder wünscht. Dass man seinem Partner irgend ein Kompliment macht, ihm sagt, wie viel er einem bedeutet. Und dass man dann noch sagt, wie das nicht jeder sagt: "Du bist toll" ... oder "Ick find' dick ..." Wenn man dann mal was hat, was nicht Standard ist, dann freut sich doch jeder.
Nino: Wir tolerieren ja auch nicht alles bei anderen Bands. Wir finden andere Texte auch mal kitschig. Selbst Tocotronic sind nicht unangreifbar. Nur weil die's vielleicht mit einem intellektuelleren, kryptischeren Ansatz machen.
Bei euch ist das aber schon ein bisschen mehr "heile Welt", ein bisschen verklärter als bei anderen Bands
Nino: Das liegt ja auch daran, dass es uns gut geht. Wir sind jung, wir sind gesund, wir haben viele Freunde und wir sind unterwegs als Band. Wir haben ein tolles Leben. Es wäre unglaubwürdig, wenn wir jetzt sagen würden "Ich sitz in meinem Zimmer und warte auf das Glück". Wir hören ja auch so Leid- und Jammer-Musik, und natürlich geht's uns auch mal schlecht. Aber das Grundgefühl bei uns als Band ist total positiv.
Thomas, sind deine Texte eigentlich alle biografisch? Schreibst du die Liebeslieder alle für deine Freundin?
Thomas: Alle für meine Freundinnen schmunzelt. Nee, andere machen das ja so. Hör dir ne Platte von Leonard Cohen an, da ist jedes Lied für ne andere Frau. Das sagen ja die Namen teilweise schon. Nee, die sind immer ein Stück weit autobiografisch, so weit wie ich das zulassen will. Sie sind natürlich immer persönlich, aber es geht ja nicht immer darum, den Zustand zu beschreiben, der da ist, sondern auch den Zustand, der sein könnte. Das habe ich mal in einem Tocotronic-Interview gelernt: Sie wurden gefragt, ob die Freundin wirklich gesagt hat, "Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk". Als ich das Lied gehört hab, hab ich gedacht "Was für ein Satz, ich hoffe, ich hab mal ne Freundin, die das zu mir sagt ... und dann kann man ein Lied drüber machen." Und im Endeffekt war es so, dass der Bassist das im Proberaum zu Dirk (Tocotronic-Sänger, Anm. d. Red.) gesagt hat. Man nimmt halt was man hat, in ein Lied.
Die Getränke kommen und beide Jungs bedanken sich artig bei der Kellnerin. Sie wundern sich über meinen Kiba-Schorle. Nino befindet:Grausam! Thomas möchte mal kosten.
Ich finde, deine Texte hören sich an, als wären sie von einem Mädchen geschrieben
Thomas: Für?
Von!
Nino: Wir sind halt Frauenversteher!
Das war genau meine Frage, ob ihr alle Frauenversteher seid!
Nino: Na, wenn wir Lieder schreiben oder aufnehmen, dann denken wir schon: Das ist jetzt ein Stück, das Mädchen totaaaal toll finden. Und das ist eher ein Stück für Jungs. Bei Konzerten wird man dann eines Besseren belehrt, wenn so riesige Typen dastehen mit der Hand auf'm Herz und "Dreifach Schön" mitsingen. Dann fragt man sich schon: Warum denken wir in solchen Schubladen? Weil das alle tun. Es finden ja auch ganz viele Jungs die Platte und die Texte toll, was man vielleicht so gar nicht denkt im ersten Moment.
Dieses "Mädchen- und Jungsmusik" ist eigentlich sowieso ein Blödsinn!
Thomas: Wir haben natürlich schon mehr Mädchen als Hörer, bei Konzerten sind wir aber immer davon ausgegangen, dass genau so viel Jungs da sind, wie Mädchen. Wir haben das schon mal gezählt - in München. Da waren 60% Jungs und 40% Mädchen da. Dadurch, dass so oft geschrieben wird, dass wir Musik für Mädchen machen, kommen auch so viele Mädels.
Nino: Da kommen dann aber auch wieder mehr Jungs - weil Mädchen da sind!
Thomas: Wir kokettieren ja auch ganz gerne damit. Als wir "Platten vor Gericht" für die Intro machen sollten haben wir bei den eigenen Faves jeder ein Mädchen genannt. Ne Schauspielerin, Moderatorin, Sängerin oder so! Und unsere Herbst-Tour wird unter anderem auch von Brigitte Young Miss präsentiert.
Ihr habt ja auch für alle und jeden Interviews gegeben ... Ich hab nur das in der Allegra gelesen. Und das war schrecklich.
Nino: So was kann man ja vorher nicht beeinflussen. Wir haben echt alles mitgenommen. Das war ja das erste Mal, dass wir Interviews hintereinander gegeben haben, eine ganze Woche lang. Die meisten haben auch nur die Promo-CD gekriegt, ohne großartig Infos oder Fotos. Die sind also hauptsächlich wegen der Musik gekommen und nicht, weil sie jetzt gedacht haben, "ach die sind aber jung oder süß oder so". Und wenn sie wegen der Musik kommen, kann man ja auch ein Interview geben, Man kann's ja jeder Zeit abbrechen. Aber wir waren positiv überrascht. Leute, die da arbeiten, sind ja meistens cool und hören ganz andere Musik als das, was dann am Ende in der Zeitung erscheint. Aber was dann halt draus gemacht wird, das kann man nicht beeinflussen.
Thomas: Allegra war die Zeitung, mit der wir einen ganz schrecklichen Phoner gemacht haben. Wir wären denen an den Hals gesprungen, hätten wir sie nicht nur an der Telefonleitung gehabt
Nino: Das Interview mit der Zeitschrift Mädchen war aber wahnsinnig cool!
Echt, was haben die euch so gefragt?
Thomas: Wir haben übers Ficken gequatscht.
Nino: Das war ein Mädchen. Und die hat nur erzählt: So Lederpeitsche ... und die ganzen Geschichten. Ich komm dann zu eurem Konzert und guck mal, ob an euch schon jemand dran rumgespielt hat, ihr seid doch noch so jung ... So ging das die ganze Zeit. Das Interview ist allerdings noch nicht erschienen.
Hm, bei einer Zielgruppe von 10-13-Jährigen oder so ... Anderes Thema: Thomas, wie ist es für dich, wenn Nino deine Songs singst?´
Thomas: Zum Kotzen. Wenn ich sie besser singen könnte, würde ich sie singen. Und insofern hab ich damit kein Problem, eigentlich. Es erfordert ein gewisses Maß an Zurückhaltung mit Autobiografischem. Dann hätte ich glaub ich ein Problem, wenn Nino meine Angebetete von der Bühne aus besingen würde, und sie würde nicht mal zu mir gucken bei dem Lied. Das wär natürlich schon eine ganz harte Nummer. Aber das ist ein Problem, das z.B. auch Depeche Mode und Oasis haben. Dass man in dem Lied etwas sieht, was der Sänger nicht sieht, und von dem man dann meint, "das muss doch aber so rübergebracht werden". Aber da kann sich halt immer nur der so rein versetzen, der sich das ausgedacht hat. Nino wird das nie 100% so rüberbringen können, wie ich das gerne hätte. Weil das halt nicht seine Gedanken sind. Oder?
Nino: Klar!
Gibt das dann nie Ärger? Versuchst du dann die ganze Zeit, an Nino rumzuverbessern?
Thomas: Ja klar versuchen wir ständig, an uns rumzuverbessern. Es ist ja auch so, dass man ja auch manchmal so ein Lied hat, was man nun gerne in eine Richtung gebracht hätte, die nicht seine Richtung ist, oder die seiner Stimme nicht liegt. Bei "Das Beste für alle" zum Beispiel wurde gekämpft.
Nino: Das war Arbeit. Wenn Thomas das Lied vorspielt hat natürlich jeder eine andere Vorstellung davon. Und wenn die nicht mit seiner übereinstimmt, muss man das halt zusammen bringen.
Thomas, hast du auch Bock mal was Solo zu machen?
Thomas: Ich denke, das wird nicht vorkommen. Wenn man sich jetzt anguckt, wie relativ erbärmlich Dave Gahan jetzt seine Platte rausgebracht hat. Erbärmlich war eigentlich auch Martin L. Gore, obwohl seine Platte schon besser ist, obwohl er - warum auch immer - keine eigenen Stücke drauf hat. Vielleicht hat er festgestellt, dass die Stücke, wenn er sie alleine macht, gar nicht das Spezielle haben, was Depeche Mode ausmacht.
Wie ist das bei euch mit dieser Indie-Sache. Davon seid ihr ja eigentlich weggekommen, wenn ihr Interviews mit Mädchen und Allegra macht ... Stört euch das? Ihr habt ja schon klar im Indie-Bereich angefangen!
Nino: Wir sind ja im Herzen immer noch Indie. Das heißt ja, im Herzen noch unabhängig zu sein und das zu machen, worauf man Bock hat. Wenn wir Mädchen und Popkorn machen müssten, dann wär das ein Problem. Aber wir machen das ja, weil wir das spannend finden. Und weil wir denken: Was sollen die ganzen Indie-Regeln, wir gucken einfach mal. Das ist ja genau das, was Indietum ausmacht: Nach seinen eigenen Maßstäben zu leben oder Musik zu machen. Nur weil wir jetzt bei ner großen Plattenfirma sind, bereisen wir ja nicht mehr nur Hotel-Pools und -Bars. So ist das ja leider nicht. Wenn wir die Platte bei einem Indie rausgebracht hätten, würde die genau so klingen. Denn wir waren in der Produktion schon sehr weit fortgeschritten, als Motor kam. Und das Video, das Artwork und die Fotos haben wir alles selber gemacht, da hat uns niemand reingeredet. Wahrscheinlich wäre das eine oder andere Interview nicht zustande gekommen. Aber nicht, weil wir mit einem anderen Ansatz rangegangen wären.
Thomas: Da heißt es ja schnell: Die waren bei VIVA Interaktiv und bei MTV Select, die haben sich verkauft! Das würde die Indie-Band doch auch machen, nur sie kriegt's nicht hin, was an MTV liegt.
Wart ihr da schon mal?
Thomas: Zu Select gehen wir demnächst!
Und bei Interaktiv?
Beide gleichzeitig: Nee!
Thomas: Das will ich auch nicht
Nino (gleichzeitig): Das würde keiner von uns wollen.
Thomas (wieder über Nino drüber): Das würde ich nicht wollen! Das sind mir zu blöde Moderatoren, blödes Konzept, du kommst nicht zu Wort. Das, was Indie ausmacht, ist ja, dass man sich eine bestimmte Form von Unabhängigkeit bewahrt. Wenn ich aber nicht zu Select gehe, weil ich Angst habe, dass meine Indie-Gemeinschaft die Nase rümpft, dann bin ich doch nicht mehr unabhängig!
Nino: So kriegst du Zugang zu den Leuten. Jeder will doch Publikum. Und natürlich ist es toller, vor 200 Leuten zu spielen, als vor fünfzehn. Man darf nicht alles mitmachen. Man muss man selbst bleiben. Wie die Ärzte. Die sind überall, aber dabei immer glaubwürdig geblieben. Weil sie immer alles cool gemacht haben. Die Leute, die abspringen, weil die Band zu groß wird, die haben irgendwas nicht gecheckt.
Thomas: Wobei es echt ein schwieriger Weg ist, den wir vorhaben. In Deutschland gibt es ja nur zwei oder drei Superseller, die sowohl im Mainstream, als auch bei der Szene anerkannt sind. In England ist das anders. Eine Band wie Coldplay oder Travis ...
Naja, Coldplay haben aber in England ein sehr komisches Stadionrock-Image
Nino: Stereophonics auch, die sind die Pur von England. So was gibt's in Deutschland nicht. Hier sind Mainstream und Indie nie zusammen gekommen. Das liegt auch an den Medien, dass die das hier so strikt trennen. In England wird ganz anders gehyped.
Thomas: Und genau das, was in England ist, würde ich gerne hier haben. Ich würde gerne Coldplay oder Travis sein, auch wenn dann einige die Nase rümpfen. Aber ich weiß nicht, wie man das anpacken soll ... Falls wir überhaupt mal so berühmt werden. Dass du relevant bist für alle. Für die Spex, die Intro genau so wie für die großen Radios und die Top 10. Ich würde gerne einen Number One Hit haben, in der Bravo drin sein, aber eben auch in der Spex. Und das gibt's in Deutschland kaum.
Nino: Reamon hätten das machen können. Aber die hatten zu ihrer ersten Supersingle kein Profil. Naja, mit ihrem Image hätten sie schon was besser machen können. Wenn du sofort von 0 auf 100 gehst, rümpft jeder die Nase - es sei denn, du bist ne Hip Hop-Band, da geht das ...
Ich finde das trotzdem ganz schön heikel, was ihr da macht. Denn Bravo oder so, das sind ja schon Zeitschriften, die ner Band einfach ein Image aufsetzen. Da kann man doch nichts machen
Nino: Doch, da kann man schon was machen: Mann kann zum Beispiel sagen: a) ihr benutzt nur unsere Fotos, und b) wir wollen die Texte vorher lesen. Und wenn sie's nicht machen, dann machen sie's nicht. Da muss eine Band dann konsequent sein. Ich habe zum Beispiel früher Bon Jovi total geliebt. Und wenn so eine Band dann kommt und dich fragt, ob du mit auf Stadion-Tour willst - sollste dann nein sagen?
Thomas: Mir würde es schwer fallen bei Bon Jovi nein zu sagen, auch wenn das nicht unser Publikum ist ...
Nino: Die haben in München vor 70.000 gespielt, wenn davon 2 - 3.000 einen gut finden, was ist das für ein Gewinn für eine Band. Die Sportfreunde werden doch inzwischen auch von GTI-Fahrern gehört. Wenn's nur noch solche Leute sind, dann muss man sich Gedanken machen. So lange das gemischt ist, mein Gott!
Thomas: Coldplay haben ja auch noch Musikliebhaber unter ihren Hörern. Und so lange musst du dir keine Gedanken machen.
Das ist ja wie bei Robbie. Der hat als Ex-Take That-Schnösel auch Indie-Publikum!
Nino: Und der macht auch Mädchenmusik! Aber da würde keiner was dagegen sagen.
Thomas: Ich verstehe zum Bespiel den Hype um Kylie Minogue überhaupt nicht. Spex-Leute finden Kylie Minogue und Madonna toll, und die darf sogar aufs Cover rauf.
Ich kann das bei Madonna schon eher verstehen, als bei Kylie!
Thomas: Kylie ist ein gemachtes Produkt aus einer Daily Soap.
Die englischsprachige Jeanette Biedermann ...
Thomas: Kylie ist angesagt ... ich hab mehr Respekt vor Bon Jovie, obwohl die nichts mehr riskieren. Deshalb können wir die Frage jetzt nicht beantworten, ob wir mit Bon Jovi auf Tour gehen würden. Wir würden's aber auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Warum ist Kylie cool und Bon Jovie nicht? Warum fänden das alle super, wenn wir mit Kylie auf Tour gingen?
Was ganz anderes: Wie habt ihr eure Eltern dazu bekommen, im Video zu "Nicht Von Schlechten Eltern" mitzuspielen?
Thomas: Wir haben gedroht, das ganze Jahr nicht mehr nach Hause zu kommen, wenn sie nicht mitspielen.
Nino: Die Idee ist im Tourbus bei einer Flachserei entstanden. Und dann hat das jeder zu Hause mal angesprochen. Erst nicht so konkret, aber irgendwann konnten sie dann nicht mehr zurück. Alle haben behauptet: "Die anderen Eltern machen aber alle mit und sind schon fleißig am Üben." Wir waren alle sehr überrascht, mit welchem Einsatz unsere Eltern da ran gegangen sind. Wir haben gedacht, das fordert viel mehr Alkohol und Überredungskünste. Wir waren begeistert!
Und sie?
Nino: Auch! Die Leute sind ja total abgegangen. Gut aussehendes Publikum, das einen anhimmelt - auch wenn's nur gefaked ist... Die haben halt einen Eindruck davon bekommen, was wir gerade so erleben, verstehen uns jetzt auch besser.
Thomas: So wie die Leute da abgegangen sind, so tun die das bei uns dreimal im Jahr: Auf dem Immergut-Festival, in Dresden und in Wien. Die Ur-Version des Videos ist sehr trashig, sehr sehr trashig. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen, weil Benjamin (Quabeck, Regisseur, u.a. "Nichts Bereuen", "Verschwende Deine Jugend", Anm. d. Red.) sich das so in den Kopf gesetzt hat. Er ist halt ein Künstler. Jetzt wurde es für MTV noch mal überarbeitet und sieht für meine Augen wesentlich besser aus. Passt auch besser ins Programm rein. Und trotzdem sieht man, dass es billig gemacht ist.
Bei VIVA seid ihr nicht in der Rotation, oder?
Nino: Da sind wir auch ehrlich nicht traurig drüber.
Thomas: Mittwochs entscheiden die Fernsehsender immer, was läuft. Und diese Woche wird noch mal geguckt, ob es läuft. Ich fänd eine kleine VIVA-Rotation nicht schlimm.
Ihr seid nicht so VIVA-Freundlich, oder?
Thomas: Nee, das ist einfach ein Kack-Sender.
Nino: Was dort läuft, so will man eigentlich nicht sein.
Thomas: So was ist für mich Mittel zum Zweck. So lang du aber nicht zu Interaktiv gehst und den ganzen Pocher-Scheiß und was da alles läuft, nicht mit machst, ist das ja eigentlich wurst. Mittel zum Zweck deshalb, weil sich Radiosender leider nach Fernsehsendern richten. Ein Radiosender wie XXL in Hessen nimmt einen in die Playlist rein, wenn du auf MTV oder VIVA läufst.
Dann seid ihr in Bundesländern ohne Eins Live, Fritz und FM4 ja kaum präsent?
Thomas: Ja, da laufen wir dann nur auf ganz kleiner Rotation. Dabei ist mir Radio echt wichtiger als Fernsehen. Denn nur so bist du lokal präsent. Das Fernsehen ist vor allem deshalb so wichtig, weil die Radios auf's Fernsehen gucken.
Hier bricht die Mini Disc ab. Die Jungs erzählen noch, dass Slut zum letzten Album bei Bärbel Schäfer waren, sie das aber nie machen würden. Sie sinnieren über ihre nächste Single, "Fast Wie Giganten" (radiotauglich) und "Dreifach Schön" (angeblich zu schleppend fürs Radio) stehen in ihrer Gunst oben. Schlussendlich ist es "Dreifach Schön" geworden. Die Single wird Mitte September veröffentlicht, die B-Seite ist ein Eins-Zwo-Remix. Außerdem erzählen sie, dass sie mal vor hatten, für eine Fotoreihe Cover anderer Bands, unter anderem der Backstreet Boys, nachzustellen. Einige meiner Fragen habe ich nicht mehr unter gebracht: Zum Beispiel ob Thomas wirklich mal Kinderbuchautor werden will, wenn er mit der Musikwelt aufgeräumt hat. Nachdem gezahlt wurde, machen sich die beiden auf den Weg in Richtung Bandprobe. Ich fahre den langen Weg zurück - einmal um den halben S-Bahn-Ring Berlins.
Das Interview führte Vicky Butscher.
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Virginia Jetzt! im video interview passtheword |
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Virginia jetzt! Andruschka |
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