Porträt

laut.de-Biographie

Viet Cong

Viet Cong. Nicht gerade das, das einem sofort einfällt, sucht man als junge Band nach einem geeigneten Namen für den ersten Auftritt. Doch vier Herren aus dem kanadischen Calgary haben sich genau diese beiden - zugegeben historisch sehr negativ konnotierten - Worte ausgesucht und dabei nach eigener Aussage gar nicht daran gedacht, was sie damit anrichten.

Viet Cong - Viet Cong Aktuelles Album
Viet Cong Viet Cong
Ein Marsch durch die Phasen der Trauer.

So zumindest Matt Flegel, Bassist und Sänger der Band, in einem Interview. "Wir dachten, dass er nur anstößig für Amerikaner sei. Jetzt wissen, wir, dass er für Vietnamesen, die von diesem Krieg ja auch betroffen waren, beleidigend ist." Da war es dann aber schon zu spät für Reue. Die Aussage entstammt einer Zeit, in der sich die Band längst vor den Musikjournalisten für ihren Namen erklären muss. Aber der Reihe nach.

Die Musiker stammen aus Calgary, einer Stadt in Kanada, die zwar groß ist, aber die nicht umsonst den Beinamen "Cowboy City" trägt. Popkulturell geht dort bis auf Tegan and Sara nicht viel. Vielleicht haben die Menschen dort ganz einfach andere Interessen. Jedenfalls waren zwei der Viet Cong-Mitglieder schon früher bei einer anderen Band aus Calgary aktiv, die es aus verschiedenen Gründen in die Schlagzeilen schaffte.

Basser Matt Flegel und Drummer Michael Wallace spielten beide bei Women, einer Art-Rock-Band, die von 2007 bis 2012 bestand und der die Musikwelt bald hätte zu Füßen liegen können. Doch dann kam alles anders: 2010 zerstritt sich die Formation während eines Konzertes auf der Bühne. Es folgte der Hiatus, bis 2012 der Tod des Gitarristen Chris Reimer dem Projekt den Rest gab.

Das liefert schließlich einen der Gründungsimpulse für Viet Cong, wie Flegel gesteht: "So etwas ist ein ziemlicher Arschtritt. Du hörst auf, Zeit zu verschwenden, und machst mehr aus deinem Tag." Flegel ruft also Wallace an, den er noch von Women her kannte, und holt mit Scott Munro und Daniel Christiansen zwei Gitarristen mit ins Boot: Viet Cong sind geboren.

Zwei Jahre schraubt die Band an ihrem Sound, nimmt die ersten, ungeschliffenen Demos auf und tourt, ohne je eine Platte fabriziert zu haben. Im Sommer 2013 veröffentlicht die Band dann auf eigene Faust die sieben Songs umfassende "Cassette EP". Wie so oft, sorgt das für einen unverhofften Popularitätsschub.

Ihre Kombination von Lo-Fi und Post-Punk lässt eben das Herz eines jeden Fans von dystopischer, pulsierender Musik höher schlagen. Wer bietet ansonsten eine adäquate Mischung aus Guided By Voices, Echo & The Bunnymen und Animal Collective? Die Musik von Viet Cong ist einerseits schwer, mit Gitarren, die nicht als solche wiedererkennbar sein sollen, und mit einem rastlosen, rauen Drive.

Andererseits zeigt die Band aber ein unglaubliches Händchen für überraschende Pop-Affinität. Auch das kann Sänger und Songwriter Flegel erklären: "Ich liebe Popmusik, ich liebe Classic Rock, ich liebe Hooks." Es entsteht ein kleiner Hype um die Kanadier, der die Musikavantgarde sehnsüchtig auf ihr Debütalbum warten lässt. Im Januar 2015 erscheint ihr selbstbetitelter Erstling. Selbstredend, dass seine sieben Songs das in Viet Cong gelegte Vertrauen nicht enttäuschen.

Fragt sich eigentlich nur noch, woher vier junge Männer aus dem netten Kanada die Energie für solch garstige, ernste Klänge ziehen? Das führen Viet Cong tatsächlich auf die klimatischen Bedingungen ihrer Heimat zurück. Kälte zwinge einen schließlich, im Haus zu bleiben, meint Sänger Flegel:

"Je länger du drinnen bleiben musst, desto wahrscheinlicher ist es doch, dass du die Einzelheiten von Dingen hinterfragst und sie überdenken willst. Während du, wenn es warm ist, eher nach draußen gehst und Frisbee spielst."

Alben

Surftipps

Noch keine Kommentare