laut.de-Kritik

Metalfans sind keine prolligen Dumpfbacken!

Review von

Ich will nicht unbedingt sagen, dass die Metal-Welt auf diese DVD gewartet hat. Es ist aber allerhöchste Zeit, dass mal jemand darauf aufmerksam macht, dass sich in der Metalszene nicht nur prollige Dumpfbacken rumtreiben, die außer Sex, Drugs und Rock'n'Roll nichts in der langhaarigen Rübe haben. Was aber macht es so bemerkenswert, dass ein Anthropologe eine DVD über Heavy Metal veröffentlicht? Ganz einfach, der Kerl ist einer von uns und zwar schon seit seinem 15. Lebensjahr.

Der Kanadier Sam Dunn machte seine Abschlüsse in Anthropologie und Geschichte in Victoria und York und hat schon zahlreiche Auszeichnungen für seine Forschungsarbeiten bekommen. 2005 widmet er sich dann der Aufgabe, seine Lieblingsmusik auch ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Dazu befasst er sich zunächst mit der Gretchen-Frage: 'Welches war die erste Metal Band?' Dieser Frage versucht er in den "Ursprüngen" auf den Grund zu gehen.

Da meldet sich auch Alice Cooper zu Wort. Der meint, dass der Begriff zum ersten Mal vom Rolling Stone im Zusammenhang mit ihm erwähnt wurde, Lemmy schreibt die Ehre Deep Purple zu, doch eine große Mehrheit wird wohl weiterhin auf Black Sabbath verweisen. Dunn zeichnet auch tabellarisch auf, welche Stilrichtung die andere beeinflusst hat. Dies soll mit zahlreich anderen Zeitzeugen ein Bild malen soll, das die Vorzeit und die Ursprünge des Metal verdeutlicht. Toni Iommi spricht ein paar Zeilen dazu: Ihm habe einfach der Sound gefallen - so ging's los.

Das liefert das Stichwort zur Frage: 'Was verleiht dem Metal überhaupt den bösen Sound?' Die Antwort gibt im "Sound" zunächst Alex Webster von Cannibal Corpse, der die verminderte Quinte (Tritonus) ins Feld führt. Produzent Bob Ezrin erklärt dazu weiter, dass diese schon im Mittelalter dem Teufel zugesprochen wurde, im Blues quasi verboten war, von Black Sabbath aber bestens in Szene gesetzt wurde.

Im Interview mit Iron Maidens Bruce Dickinson kommt vor allem dessen klassischer Gesangsstil zur Sprache, der zum nächsten Punkt führt, der behandelt werden muss: Die "Wurzeln" von klassischer Musik im Heavy Metal. Dabei muss natürlich Wagner erwähnt werden, der schon damals sehr düstere, schwere Musik schrieb. Die These, dass Wagner heute wohl bei Deep Purple und Beethoven bei Led Zeppelin spielen würden, ist vielleicht etwas gewagt, aber nicht vollkommen absurd.

Der Mut, zu improvisieren, findet sich bei den Künstlern der Klassik genauso wie bei einem Mann wie Eddie Van Halen. Die Gitarre lernt auf einmal deutlich dazu. Doch natürlich sind die Wurzeln des Metals nicht nur in der Klassik zu suchen, sondern ganz besonders im Blues der 60er Jahre. Da sind sich sowohl Black Sabbath, als auch Rush einig.

Ähnlich wie im Blues, ist auch im Metal das soziale "Umfeld" hart und dreckig. Wenn Lemmy erzählt, dass man sich Abends um 'ne Telefonzelle gestellt hat, weil das die einzige Lichtquelle im Dorf war, zeichnet das kein schönes Bild. Dunn ist bemüht, von den "Fans" einen möglichst positiven Eindruck zu vermitteln, indem er sie als Menchen mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein darstellt. Dass das nicht unbedingt immer der Wahrheit entspricht, wissen wir, aber die "If you don't like it, fuck off"-Einstellung verbindet uns doch schließlich irgendwo alle.

Es wird allerdings auch nicht verschwiegen, dass Metal durchaus aggressiv ist, aber vielen Menschen einfach dabei hilft, ihre Wut zu kanalisieren. Den "Kultur"-Aspekt behandelt Sam schließlich auf dem Wacken Open Air. Die Frage lautet: 'Was vereint 40.000 Menschen aus über 20 Ländern auf einem einzigen Festival?' Zum einen natürlich die Musik, zum anderen aber auch die Kleidung. Leder, schwarz, silberne Nieten, lange Haare. Jeder Metalfan hat den anderen sofort erkannt, trotzdem bleibt man irgendwie unter sich. Obwohl es inzwischen gigantische Festivals gibt, haben manche Leute, die einfach nicht in dieser Metal-Welt leben, noch nie davon gehört. Es ist immer noch was für Insider.

Warum ruft sie aber so starke, negative Reaktionen hervor, die durch die Bank mit dämlichen Klischees bepackt sind? Diese Frage stellt sich im Kapitel "Zensur", in dem Dee Snider (Twisted Sister) von seinem Erlebnis vor dem amerikanischen Kongress erzählt. Auch das Thema "Geschlechtsidentifikation und Sexualität" bringt der Kanadier zur Sprache. Klar ist, Metal ist eine Männerdomäne. Dadurch ist es aber nicht unbedingt sexistisch, denn in der westlichen Kulturwelt ist maskulin gleichbedeutend mit Freiheit. (Gut zu wissen, Anm. d. Redakteurin)

Aber ganz so männlich ist das Image doch nicht, denn es gibt ja noch den Glam Metal mit Mötley Crüe. Von daher ist der ganze Visual Kei-Kram in etwa so neu, wie Tante Ernas Schlüpfer. Die Rolle der Frauen, die sich zunächst nur auf Groupies beschränkte, ändert sich, als nach und nach ersten Frauenbands aufkommen. Das Thema Homosexualität wird zwar angekratzt, nimmt aber nicht viel Raum ein. Im Gegensatz zu "Religion Und Satanismus". Es ist nicht unbedingt überraschend, dass viele der ersten Metal-Bands aus religiösem Hause stammen.

Tony Iommi war noch die ohne sein Kreuz um den Hals auf der Bühne. Dass der Satanismus, dem viele Metal-Bands vordergründig huldigen, pure Show ist, weiß in der Szene eigentlich jeder. Hierbei überrascht vor allem Tom Araya wieder durch sehr intelligente Aussagen. Anders sieht es bei Gaahl von Gorgoroth aus. Der macht einen auf düster und mystisch, gibt aber nur geistigen Dünnschiss von sich. In diesem Zusammenhang muss natürlich auch "Gewalt und Tod" erwähnt werden.

Diese Themenfelder sind von jeher schon fester Bestandteil des Metals gewesen und waren meist nur Mittel zur Provokation. Metal benutzt plakative Gewalt und muss sich oft in den Medien dafür rechtfertigen, wenn einer Amok läuft und Metal hört. Dass diese konstruierten Verbindungen meist nur Ausdruck der Hilflosigkeit der Medien und Angehörigen sind, sollte allerdings klar sein.

Das alles ist den meisten Metal Fans wahrscheinlich nicht unbedingt neu. Was macht "Metal - A Headbanger's Journey" aber so wichtig? Ganz einfach, es hat mir aufs neue bewusst gemacht, warum ich diese Musik so liebe, und warum mir alle am Arsch vorbei gehen können, die sich darüber lustig machen. Die abschließenden Worte von Sam Dunn bringen es somit für mich voll und ganz auf den Punkt:

"Wenn dir Metal nicht einen überwältigenden Stromstoß verpasst und dir heißkalte Schauer über den Rücken laufen lässt, dann wirst du es vielleicht nie verstehen. Entweder du spürst es oder nicht. Und wenn nicht, das macht nichts, denn wir kommen sehr gut ohne euch klar!"

Trackliste

  1. 1. Filmstart
  2. 2. Ursprünge
  3. 3. Der Sound
  4. 4. Musikalische Wurzeln
  5. 5. Umfeld
  6. 6. Fans
  7. 7. Kultur
  8. 8. Zensur
  9. 9. Geschlechts- identifikation und Sexualität
  10. 10. Religion Und Satanismus
  11. 11. Tod Und Gewalt
  12. 12. Abspann
  13. 13. Extras

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