laut.de-Kritik

Auch ohne Top-Stars glänzend aufgestellt.

Review von

Etwas neues von Leonard Cohen gibt es hier nicht zu hören. Soviel sei vorausgeschickt. Überhaupt findet sich hier bis auf eine Version von "Tower Of Song" zusammen mit U2 nichts aus dem Munde des Songwriters, der einst als Lyriker seine Laufbahn begann. Hier geht es um den Soundtrack zum Film "Leonard Cohen - I'm Your Man" von Lian Lunson.

Alle Songs wurden live während der Konzertreihe "Came So Far For Beauty: An Evening With Leonard Cohen" aufgenommen. Jedem der Künstler ist es ein Anliegen, dem großen Cohen, der es in seiner langen Karriere bisher auf lediglich 14 Alben brachte, Ehre zu erweisen. Dass es nicht die großen Stars sind, die dies tun, verwundert schon ein wenig.

Das hier ist eher eine Familienzusammenführung: Rufus Wainwright, seine Schwester Martha und die Mutter Kate McGarrigle sind mit von der Partie. Rufus' Freund Antony macht auch mit. Außerdem Nick Cave, Pulp-Sänger Jarvis Cocker und viele mehr.

Die Besetzung deutet auf eine Art Indie-Folk-Veranstaltung hin. Gelungen ist die Platte auf jeden Fall. Zu Beginn verzaubert Martha Wainwright mit ihrer melancholischen Gänsehautstimme und einer Interpretation von "Tower Of Song".

Nick Cave liegt mit seiner Big-Band-Light-Adaption von "I'm Your Man" goldrichtig - düster und erhaben. Wie Cohen selbst. Verwunderlich ist es nicht gerade, denn der Australier verfügt über ganz ähnliche Eigenschaften wie Cohen.

Beide Barden vereinen Dunkelheit und Romantik auf großartige Weise. Die beiden McGarrigles Kate und Anna machen "Winterlady" zu einem Feengesang. Leichtfüßig und herzerwärmend. Jeder Song hat etwas für sich und ist gut umgesetzt.

Die Künstler beweisen viel Geschick im Umgang mit dem großen Stoff. Vielleicht wäre es interessant gewesen, Interpretationen von Musikern zu hören, deren Stil Cohen nicht so entgegen kommt, um aus den Liedern etwas ganz neues zu machen. Dennoch funktioniert die CD nicht nur als Soundtrack, sondern auch als Leonard Cohen-Tributalbum.

Trackliste

  1. 1. Tower Of Song - Martha Wainwright
  2. 2. Tonight Will Be Fine - Teddy Thompson
  3. 3. I'm Your Man - Nick Cave
  4. 4. Winter Lady - Kate And Anna McGarrigle, Martha Wainwright
  5. 5. Sisters Of Mercy - Beth Orton
  6. 6. Chelsea Hotel No. 2 - Rufus Wainwright
  7. 7. If It Be Your Will - Antony
  8. 8. I Can't Forget - Jarvis Cocker
  9. 9. Famous Blue Raincoat - The Handsome Family
  10. 10. Bird On A Wire - Perla Batalla
  11. 11. Everybody Knows - Rufus Wainwright
  12. 12. The Traitor - Martha Wainwright
  13. 13. Suzanne - Nick Cave, Julie Christensen, Perla Batalla
  14. 14. The Future - Teddy Thompson
  15. 15. Anthem - Perla Batalla, Julie Christensen
  16. 16. Tower Of Song - Leonard Cohen, U2

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1 Kommentar

  • Vor 10 Jahren

    Den Film habe ich heute im Kino gesehen.

    Also mich verwundert zunächst der Satz

    [i:cd4206aaab]Dass es nicht die großen Stars sind, die dies [Cohen die Ehre erweisen] tun, verwundert schon ein wenig. ... Die Besetzung deutet auf eine Art Indie-Folk-Veranstaltung hin[/i:cd4206aaab]

    Es handelt sich bei den "Indie-Folkern" u.a. um Rufus Wainwright, Martha Wainwright, Nick Cave, Antony und Jarvis Cocker. Hallo? ... müsste es jetzt heißen, wenn ich diese neumodische Bingo-Sprache nicht so verabscheuen würde.

    Kaum jemand, der Rufus Wainwright in der Berliner Passionskirche mit Schmetterlingsflügeln oder Antony mit seiner Gruppe in der Volksbühne erlebt hat oder sich zumindest davon hat erzählen lassen, wird an der Eignung dieser Künstler für das bohemienhafte und intellektuell-dekadente Wesen des Leonard Cohen seinen Zweifel haben. Von Jarvis Cocker und Nick Cave mal ganz zu schweigen.

    Bono nervt in diesem Film erwartungsgemäß mit seinen phrasenhaften Redensarten. Gegen Ende passiert das, was ich befürchtet hatte: Cohen wird für einen Titel lang U2-Mitglied.

    Visuell fand ich den Film mit seinen Schwarzweiß-Einblendungen sehr gut. Von der Musik her ist er allein wegen der Passegen mit den Wainwrights-Geschwistern eigentlich ein Muss.