laut.de-Kritik

Obskure Dance-Raritäten aus den Jahren 1974 bis 1986.

Review von

Es gibt Songs, denen nie das Glück einer prominenten Platzierung im Musikgeschichtskanon vergönnt sein wird. Einerlei, ob sie später entstehende Songs oder ganze Stile erst entscheidend mitgeprägt haben.

Nun dürften Combos wie Shriekback und Quando Quango demnächst zwar sicher nicht die große Kohle machen, schön ist es trotzdem, dass uns das Strut-Label noch einmal 14 solcher meist sträflich unbeachteter Tanzperlen auf Tonträger zugänglich macht.

Eigentlich gebührt jedoch !K7 der Dank, die mit "Disco Not Disco" ihrerseits das 2003 eingegangene UK-Label Strut wieder beleben, wo um die Jahrtausendwende schon Checker-Compilations der Sorte Grandmaster Flashs frühe Bronx Parties oder nigerianische Afrobeat-Klassiker erschienen sind.

Heuer gehts um "Post Punk, Electro and Leftfield Disco Classics 1974-1986", wie uns der Untertitel verrät und ist somit eine Art Fortsetzung der gleichnamigen Compilation von 2001. Hits lassen sich auf den ersten Blick denn auch wenige feststellen: Klar, "Mind Your Own Business", 2000 zu Ruhm gekommen bei den Chicks On Speed, ist hier im schön wavigen Original von Delta 5 (Rough Trade, 1979) zu hören. Gute alte Post Punk-Zeit.

Auch das grandiose "Los Ninos Del Parque" im 12" Mix (gabs das überhaupt jemals auf 7"?) der Liaisons Dangereuses sollte jedem (einstigen) EBM-Discogänger oder Freund deutschen Früh-80er-Elektros ein Begriff sein.

Ansonsten kann man sich nur in den Staub werfen vor Killerslogans wie "My Spine Is The Bassline", so werde ich zukünftig all meine E-Mails enden lassen. Der Song ist auch ganz gut.

Der Songbeauftragte Bill Brewster, Autor des DJ-Buchs "Last Night A DJ Saved My Life", hat das Obskuritätenkasterl jedenfalls ziemlich weit geöffnet: Reggae/Dub-lastiges mit Vivien Goldman, Afro Saxophon-Disco mit Konk oder jazziges Easy Listening à la Billy Cobham mit Isotope; hier regiert ein recht weirder Groove.

Ob die LCD Soundsystem-Kids auch an den Kuhglocken-Spaß von James White & The Blacks oder am spacigen "Magic Fly"-Bruder "Binary" von Kanzino andocken, erscheint fraglich. Vielmehr scheint "Disco Not Disco" eine geschichtsbewusste Klientel anzusprechen, die - in Abwandlung von Marcel Proust - genug Interesse an der Suche nach dem verlorenen Beat aufbringt.

Trackliste

  1. 1. Launderette - Vivien Goldman
  2. 2. Mind Your Own Business - Delta 5
  3. 3. My Spine Is The Bassline (1982 12" Edit) - Shriekback
  4. 4. Your Life - Konk
  5. 5. Crunch Cake - Isotope
  6. 6. Contort Yourself (August Darnell Remix) - James White & The Blacks
  7. 7. Love Tempo (Remix) - Quando Quango
  8. 8. Seoul Music - Yellow Magic Orchestra
  9. 9. Don't Lose Control - Material
  10. 10. Binary - Kazino
  11. 11. Los Ninos Del Parque (12" Mix) - Liaisons Dangereuses
  12. 12. Sharevari (Instrumental) - A Number Of Names
  13. 13. Beat 'Em Right - Six Sed Red
  14. 14. Silent Street / Silent Dub . Maximum Joy

2 Kommentare