laut.de-Kritik

Drei brauchbare Songs und jede Menge Dancefloor-Schund.

Review von

Von "Revolutionary Pop" spricht Usher, wenn er über sein siebtes Album in 18 Jahren redet. Es sei abwechslungsreich und vielseitig, was sich in einer beachtlichen Anzahl namhafter Produzenten niederschlägt. Diplo gehört ebenso dazu wie Pharrell Williams, Swedish House Mafia und Will.I.Am.

Letzterer gibt wieder Rätsel auf. Was hat die Musikwelt den Black Eyed Peas bloß getan, dass ihr Mastermind die Gehörgänge seiner Hörer seit Jahren derart malträtiert? Für den Opener "Can't Stop Won't Stop" schändet Will Billy Joels 80er-Klassiker "Uptown Girl" und fügt seinem so überragenden Vermächtnis aus früheren Tagen weiteren erheblichen Schaden zu.

Wenigstens macht er damit gleich zu Beginn klar, dass hinter "Looking 4 Myself" keineswegs das steckt, was Ushers PR-Berater der Öffentlichkeit gerne flüstern würden. Die Scheibe ist keiner Weise revolutionär, sie ist nicht einmal ein richtiges Album. "Looking 4 Myself" ist eine zusammenhanglose Ansammlung verschiedener Singles, genügt aber zu keiner Sekunde dem Konzept Album – was aus wirtschaftlicher Sicht durchaus Sinn ergibt.

"Looking 4 Myself" fügt sich dem Zeitgeist, in dem Dank Spotify, Youtube und Co. bevorzugt einzelne Titel mit wenigen Klicks verfügbar sein sollten. Idealerweise spricht ein Album eine möglichst breite Hörerschicht an, bietet also verschiedene Stile ohne erkennbaren Zusammenhang. Heruntergebrochen hat sich Usher auf dreieinhalb Richtungen festgelegt.

Will.I.Ams Peinlichkeit bildet die unrühmliche Speerspitze des Dancefloor-Blocks, bestehend aus "Scream", "I Care For U", "Numb" und "Euphoria", die so manches Arschgeweih in der Großraumdisse mit Sicherheit zum Wackeln bringen. Das Konzept ist einfach: Möglichst gut zu schreiende Refrains treffen auf Synthies, Shouts und Bummbumm-Beats: "Oh Baby Baby, Oh Baby Baby". Von Revolution keine Spur.

Überraschend ist angesichts dieser geballten Masse an Schund eher, dass es Usher sehr viel besser kann. Dann nämlich, wenn er sich auf funky und retro-angehauchte Sounds aus den Reglern von Pharrell oder Salaam Remi verlässt. "Twisted" würde förmlich in der Coolness früher Soul-Tage baden, würden unmotivierte Synthies im Hintergrund die Stax-Reminiszenz nicht unnötigerweise in die oben genannte Großraumdisco holen.

So ist "Sins Of My Father" das Highlight des Albums. Ein deeper, stolpernder Beat, groovende Basslinie und Usher, der nicht auf dicke Hose und Aufreißer macht. Kurz: Ein Beispiel, dass sich R'n'B auch im Mainstream gut anhören kann. Wieso nicht häufiger so?

Zumal Usher mit passender Unterstützung offensichtlich auch ordentliche Schmonzetten zustande bringt. Ganz so stark wie Diplos Ankündigungen vermuten ließen, ist die Leadsingle der Platte allerdings nicht. Der Produzent hatte "Climax" bei ihrer VÖ im Februar als die beste Electrosoul-Nummer bezeichnet, an der er jemals beteiligt war. Was unter anderem daran liegen könnte, dass er so viele noch nicht produziert hat.

Dennoch: So überraschend die Kollaboration zwischen den beiden ist, so gut ist "Climax". Diplo hält sich vornehm zurück, keine Spur von Miami Bass oder vom Ragga-Dancehall-Techno-Hybrid der Marke Major Lazer. Vielmehr scheint die reduzierte, spärlich instrumentierte Nummer mitsamt Ushers stellenweise flüsterndem Falsett ein gutes Stück über der Erde zu schweben. Ein Jammer, dass "Climax" der einzig brauchbare Vertreter der Midtempo-Fraktion auf "Looking 4 Myself" bleibt.

Die anderen Repräsentanten der dritten Richtung, "Show Me", "What Happened To You" und "Looking 4 Myself ", schwanken zwischen blass und langweilig. Besonders letztgenannte Mischung aus R'n'B- und Indie-Pop ist trotz der auf dem Blatt nicht uninteressanten Kollaboration mit Luke Steele (The Sleepy Jackson, Empire Of The Sun) durch und durch harmlos.

Ähnlich verhält es sich mit der Untergruppe bestehend aus "Lemme See ft. Rick Ross", "Dive" und "Lessons For The Lover", dem Soundtrack für die schlüpfrigen Stunden oder zumindest für das, was sich Usher darunter vorstellt. Vielmehr handelt es sich besonders bei "Dive" und "Lessons For The Lover" um merkwürdig klebrige Minuten.

Bleiben am Ende drei brauchbare Songs, ein alles unterbietender Opener, zu viel Dancefloor-Schund, massenhaft Langeweile und ein Fazit frei nach Carl Sandburg: "Stell dir vor, es ist Revolution, und keiner merkt es."

Trackliste

  1. 1. Can't Stop Won't Stop
  2. 2. Scream
  3. 3. Climax
  4. 4. I Care For U
  5. 5. Show Me
  6. 6. Lemme See ft. Rick Ross
  7. 7. Twisted ft. Pharrell
  8. 8. Dive
  9. 9. What Happened To U
  10. 10. Looking 4 Myself ft. Luke Steele
  11. 11. Numb
  12. 12. Lessons For The Lover
  13. 13. Sins Of My Father
  14. 14. Euphoria
  15. 15. I.F.U. (Deluxe Version Bonus)
  16. 16. Say The Words (Deluxe Version Bonus)
  17. 17. 2nd Round (Deluxe Version Bonus)
  18. 18. Hot Thing (Deluxe Version Bonus)

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45 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    -.- Sorry aber das kotzt mich jetzt an. Diese Review ist der beste Beweis dafür, wie vorurteilhaft hier manche Rezensenten gegenüber dem modernem R'n'B/Dance-Pop sind. Ich hab vorher von Usher nicht viel gehalten, und verabstoße eigentlich viele der aktuellen R'n'B-Sänger, weil die größtenteils echt stumpfsinnige Songs rausbringen. Aber ich hab mir dieses Album durchgehört und gemerkt, dass es anders ist. Und wenn man generell mit dieser Musikrichtung nix anfangen kann sollte man so ne Platte nicht rezensieren. Das Album ist eines der besten R'n'B-Alben der letzten Jahre, für mich auf einem Niveau mit My Life II von Mary J. Blige (welches ihr komischerweise nicht mal rezensiert habt!?). Vorallem den Song "Euphoria" sollte man hervorheben - nochmal, wenn man diesen Sound nicht mag, bringt ne Review nix. Aber dieser Song ist aus dem ganzen 0815-Dance-Schrott der sich in den Charts befindet, eine echte Wohltat. Einfach verdammt geiler Aufbau, die Produktion ist bis ins kleinste Detail fantastisch. Schade dass man sowas nicht honorieren kann...

  • Vor 2 Jahren

    Ich würd vorschlagen dem Hilzendegen solche Reviews einfach nicht mehr schreiben zu lassen, der hat schon einigen Schrott von sich gegeben wenn es um R'n'B geht, was verständlich ist wenn man nur echte Soulmusik mag, aber dann soll man von solchen Platten einfach die Finger lassen.

  • Vor 2 Jahren

    ja, wer nur echte Soulmusik mag, der sollte von so nem Scheiss echt die Finger lassen.
    Srsly, das hab ich jetzt grad echt rausgelesen aus deiner "Kritik" an der "Kritik".

  • Vor 2 Jahren

    @ Caffi: Nochmal dickes Word, du sprichst mir aus der Seele :).

  • Vor 2 Jahren

    muss mal sagen das dieses Album mehr Sterne verdient hat. Usher bleibt sich recht treu und das Album hat wirklich abwechslung zu bieten. Das Dieses Album genauso ne Wertung bekommt wie Chris Brown's Fortune finde ich echt schlecht.

    Auf diesen Album sind mehr gute Songs als auf Fortune und Usher bleibt bei einer gesunden Mischung zwischen RnB und Eurodance Pop.

    Setzten 6

  • Vor 2 Jahren

    Der Rezensent hat sich wahrscheinlich so sehr über den schlechten Abklatsch von OMG, nämlich den Eröffnungssong "Can't stop won't stop" aufgeregt, dass er dem Guten das noch folgt gar keine Beachtung mehr schenkte. Wenn ich die 75/100 bei Metacritic sehe, kommen wir der Sache glaube ich schon näher.
    Langsame, Ushers Stimme in den Vordergrund spielende Songs wie Climax, Dive, Lessons for Lovers und Sins of My Father sind sauber geschriebene, moderne RnB-Tracks, so wie man sie von Usher erwartet. Schnellere Nummern wie Show me und Scream, sowie in Hip-Hop driftende Songs wie Twisted und Lemme See bringen ebenfalls Abwechslung ins Album. Selbst der Swedish House Mafia Track "Euphoria" ist gelungen. Einzig "Numb" würde ich als Totalausfall deklarieren. Schade dass es der Bonustrack "I.F.U." nicht auf die Standardedition geschafft hat, ebenfalls ein grandioser Track.

    Ich gebe 3,5/5 mit der Tendenz zu 4/5.