Porträt

laut.de-Biographie

Tiny Vipers

Jesy Fortino ist in jeder Hinsicht eine Persönlichkeit, die gängige Gewohnheiten unterläuft. Musikalisch zelebriert sie einen kargen, akustischen und gespenstischen Sound, der sich mit seiner Langsamkeit und Gleichförmigkeit dem Mainstream widersetzt. Mit der Klangfarbe ihrer Stimme bewegt sie sich zwischen der Antifolk-Musikerin Karen Dalton, Joanna Newsom und Cerys Matthews. Auf Pressefotos tritt sie meist androgyn in Erscheinung und ihr Label Sub Pop bezeichnet ihre Musik als ätherisch, mythologisch, zerbrechlich und unheimlich. 2007 veröffentlicht die 24jähtige US-Amerikanerin ihr erstes Album mit dem Titel "Hands Across The Void".

Diese Jesy Fortino ist es, die sich hinter dem Namen Tiny Vipers verbirgt. Die Gitarristin und Sängerin wächst in San Antonio in Texas auf, bevor sie mit ihren Eltern achtjährig einige Zeit in Renton, Oakland und Tuscon verbringt. Mit 20 Jahren zieht es sie schließlich in die Grunge-Metropole Seattle. "Ich liebe den Nordwesten", schwärmt sie. "Wahrscheinlich weil ich aus Texas stamme. Als ich nach Seattle gezogen bin, war alles so wundervoll und grün. Ich bin ganz angetan von dieser Gegend."

Mit sechs weiteren Menschen bewohnt sie ein Haus in der Nähe des Campus' der Seattle University und hat in einer Bar namens Bimbo's geabeitet, dessen Inhaber sie aber immer noch als Kellnerin zur Verfügung steht, wenn sie denn gebraucht wird.

Sup Pop Records wird durch einen bei diesem Label tätigen Freund auf die Amerikanerin aufmerksam und bietet ihr einen Vertrag an, den sie unterschreibt. Auf diesem Label erscheint schließlich 2007 ihr Longplayer "Hands Across The Void". Eingespielt hat sie das Album mit ihrem langjährigen Freund Ben Cissner, für die Produktion steht ihr Chris Commons mit Rat und Tat zur Seite.

Zuvor hat sie einige limitierte, kunstvoll angefertigte und in Eigenregie aufgenommene CDRs eingespielt, die sie bei Konzerten den Besuchern anbietet. Außerdem finden sich einige ihrer Songs auf der von Tract Records veröffentlichten Kompilation "If We Were Moons".

An die ständigen Vergleiche mit anderen Musikerinnen hat sich Fortino gewöhnt: "Sie ist diejenige, mit der ich am häufigsten verglichen werde", sagt sie über Joanna Newsom. "Sie ist ein unheimliches Mädchen, ich bin ein unheimliches Mädchen. Ich denke, deshalb sind wir uns sehr ähnlich", bemerkt sie augenzwinkernd.

Auf ihre Lieblinsbands angesprochen, zählt sie so unterschiedliche auf wie Joy Division, The Incredible String Band oder Yes, als liebsten Autor nennt sie Haruki Murakami und dessen Werke "Hard-Boiled Wonderland Und Das Ende Der Welt" und "Wilde Schafsjagd".

Ihre Live-Shows sind äußerst intim und verlangen die entsprechende Aufmerksamkeit vom Publikum. Jesy Fortino hat von ihren Auftritten weitgehend positive Eindrücke, die mit einem guten und ehrlichen Gefühl einher gehen. Im Gegensatz dazu erinnert sie sich an ihr schlechtestes Konzert, als sie vor einer großen, grölenden Menge für De Votschka im Neumo's Club eröffnet: "Es war schrecklich. Alle unterhielten sich - und sogar ich wollte nicht spielen. Die Zuschauer waren dort um Spaß zu haben und eine Party zu feiern und ich singe Lieder über den Tod. Sie bezeichnen mich als Nihilist, aber das bin ich nicht. Ich glaube nicht, dass ich einer bin. Ich weiß nicht, was ich bin, aber ich habe nicht das Bedürfnis, alles zu negieren und zu zerstören."

Vielmehr ist sie auf der Suche nach einem konstruktiven Lebenskonzept: "Ich denke, dass mir etwas von einer Buddhistin anhaftet. Ich versuche, mich nicht nostalgisch oder verklärt an Dinge oder Ereignisse zu binden - wahrscheinlich ist das die größte Form des Schmerzes, wenn du versuchst, an Dingen festzuhalten. Entweder hat man für einige Jahre Spaß an seinem Leben oder man versucht lebenslang, an Dingen festzuhalten. Dann wird man verrückt".

Die Entwicklung und das Voranschreiten stehen für Jesy Fortino im Vordergrund, was nach ihren Aussagen auch Konsequenzen für ihr zweites Album habt. Sie möchte ein komplett anderes, formfreieres und verrückteres Werk machen. "Das Leben ist ständig in Bewegung und ich bewege mich mit. Ich begrüße das. Ob es nun populär ist oder nicht, ich werde Spaß damit haben. Ich halte mich nicht an Dingen fest", sagt sie. Weise Worte einer spannenden Künstlerin.

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