Porträt

laut.de-Biographie

The Nitty Gritty Dirt Band

Ihren mutigsten Schritt wagt die Nitty Gritty Dirt Band 1971, als sie trotz der erfolgreichen Single "Mr. Bojangle" ihren Folk-Rock zur Seite schiebt und sich für eine Aufnahmesession nach Nashville begibt. Die dort ansässige Country-Industrie steht dem Versuch, den traditionellen Akustikklang mit Rockelementen zu mischen, skeptisch gegenüber, wie die abgeblitzten Byrds feststellen mussten. Die Nitty Gritty Dirt Band entscheidet sich für einen anderen Zugang, verzichtet auf elektrische Instrumente und lädt zahlreiche namhafte Bluegrass- und Countrykünstler ein, unter ihnen Earl Scruggs, Maybelle Carter und Merle Travis. In sechs Tagen nehmen sie 33 Stücke auf, die 1973 auf der dreifach-LP "Will The Circle Be Unbroken" erscheinen.

Trotz seines Umfangs gerät "Circles" zu einem Best-Seller, der einerseits ein junges Publikum dem Country nähert, andererseits den Konservatismus Nashvilles lockert. "With the 'Circle' album, there was no comment about Republicans or Democrats or hippies or rednecks or longhairs or the Vietnam War. None of that came into play; the album was simply a reflection of real good parts of Americana", erklärt Sänger John McEuen bei der Veröffentlichung der Jubiläumsausgabe dreißig Jahre später.

Auch ohne dieses Album gehört die Nitty Gritty Dirt Band zu den Urgesteinen der Rockmusik – und sei es nur deshalb, weil sie in 40 Jahren über 30 Alben veröffentlicht haben. Sie entsteht 1965, als Jeff Hanna (Gitarre, Stimme) und Bruce Kunkel (Gitarre, Bass) bei McCabe's, einem Musikgeschäft im kalifornischen Santa Monica, unter anderen auf Jimmie Fadden (Harmonika, Schlagzeug) und Jackson Browne stoßen. Browne ist nur wenige Monate dabei und wird durch McEuen ersetzt, trotzdem gelingt es der Band, sich mit ihren Liveauftritten einen Plattenvetrag zu sichern. Die selbstbenannte Debüt-LP erscheint 1967, die Singleauskopplung "Buy For Me The Rain" schafft es sogar in die US Top 40.

Der erste Erfolg verfliegt jedoch rasch. Kunkel verlässt die Band, Les Thompson stößt hinzu, die drei folgenden Alben landen im kommerziellen Nichts. 1969 löst sie sich sogar für einige Monate auf, kommt aber in der Besetzung Hanna, McEuen, Fadden, Thompson und Jimmy Ibbotson (Akkordeon, Keyboards) wieder zusammen. Auf "Uncle Charlie and His Dog Teddy" (1970) verzichten sie auf Experimente und landen mit "Mr. Bojangle" ihren größten Hit.

In der ersten Hälfte der 70er Jahre bestätigen sie ihren Erfolg mit weiteren Alben. Ihre Fans stammen dabei aus verschiedenen Lagern. Wie sie sich auf ihrer Homepage erinnern, spielen sie 1974 sie auf einem Bluegrass-Festival, bevor sie ein Tag später im Vorprogramm von Aerosmith auftreten. 1976 gelingt ihnen der Coup, als erste US-Band überhaupt in der UdSSR aufzutreten. Ein Mitschnitt im Staatsfernsehen ihrer 30-tägigen Tour beschert ihnen 145 Millionen Zuschauer.

1977 stößt Bob Carpenter (Klavier) zur Lineup, die sich auf dem einen oder anderen Posten immer wieder ändert. Der Sound wird deutlich poppiger, was 1979 zwar zur Erfolgssingle "American Dream" mit Linda Ronstadt führt, ansonsten eher auf Desinteresse stößt. Sie nennt sich einige Jahre lang in Dirt Band um und veröffentlicht weiterhin regelmäßig Alben, macht aber eher mit Liveauftritten auf sich aufmerksam – etwa bei der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Los Angeles 1984 oder bei der zweiten UdSSR-Tour ein Jahr später.

Nach dem Abgang McEuens kehrt die Nitty Gritty Dirt Band nach Nashville zurück, um in der schon fast klassischen Besetzung Hanna, Fadden, Ibbotson, Carpenter "Will The Circle Be Unbroken, Vol 2" (1989) aufzunehmen. Zu einigen der ursprünglichen Gäste stoßen auch Johnny Cash, Bruce Hornsby, John Hiatt und Roger McGuinn. Das Projekt hat nicht nur kommerziellen Erfolg, sondern bringt der Band auch drei Grammys und den Country Music Award für die Platte des Jahres ein.

In den 90er Jahren bleibt sie dem Country-Sound treu, tingelt durch die USA und veröffentlicht weitere Platten. Der Erfolg des Soundtracks zu "O Brother, Where Art Thou?" führt zu einem regen Interesse für das erste "Circles"-Album. Nach dem Remastering der Originalaufnahmen kehrt McEuen zu seinen alten Mitstreitern zurück, was zum Album "Will The Circle Be Unbroken, Vol. III" (2002) führt. Nach einer erfolgreichen Tour begibt sich das Quintett wieder ins Studio und nimmt "Welcome To Woody Creek" auf, das im September 2004 auf den US-Markt kommt. Zeitgleich erscheint in Europa Carpenters Solodebüt "The Sun, The Moon".

Ein Jahr später erhält die Band einen Grammy für das beste Country-Instrumentalstück "Earl's Breakdown". Im Oktober 2006 wird die Band in Nahsville von der "International Entertainment Buyers Association" für ihren Beitrag zur Musikszene geehrt. Passend zu ihrem Jubiläum geht die Band auf eine ausgiebige Tour und spielt auch 2007 zahlreiche Konzerte in der USA.

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