Porträt

laut.de-Biographie

The Mamas & The Papas

"California Dreamin'" ist einer jener Songs, die – obwohl bereits 1965 erschienen – stets als Beispiel für den musikalischen Zeitgeist der Ära um den berühmten amerikanischen 'Summer Of Love' des Jahres 1968 herhalten müssen. Die vier Künstler der Band The Mamas & The Papas gelten als herausragende Künstler jener die Pop-Kultur nachhaltig prägenden Flower-Power-Tage.

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Zu Beginn der sechziger Jahre spielt John Phillips zusammen mit Scott McKenzie in der Band Smoothie. Beide gründen später ihre eigene Formation The Journeyman. Befreundet ist John mit Michelle Gilliam, die er 1964 heiratet. Zu dieser Zeit spielen Cass Elliot und Denny Doherty bei den Mugwumps. John und Michelle treffen zufällig auf Cass und Denny – und spüren: Da liegt etwas Besonderes in der Luft. Um sich besser kennenzulernen, einigen sie sich auf einen gemeinsamen Karibik-Urlaub. Danach beschließen die Vier, sich aus ihren bisherigen Verpflichtungen zu lösen und fortan gemeinsam als Band zu arbeiten.

Für kurze Zeit treten die Musiker unter dem Namen The Magic Circle auf. 1965 unterschreibt das Quartett einen Plattenvertrag bei Dunhill Records und sucht nach einem einprägsameren Band-Namen. Als Namensgeber steht schließlich eine damalige TV-Talkshow Pate: Nach dem Umschalten auf den entsprechenden Kanal fällt in der Sendung der Satz: "Now Hold On There, Hoss. Some People Call Our Women Cheap, But We Just Call Them Our Mamas." Cass springt auf und ruft: "Yeah! I Want To Be A Mama!" Michelle stimmt zu. Danny blickt John an: "Papas? Okay, Problem Solved."

Bereits die erste Single-Veröffentlichung "California Dreamin'" entwickelt sich zu einem Riesenerfolg: Der Mix aus wohltönenden Harmonien und ausgefeiltem Chorgesang trifft den Nerv der Hörerschaft. Im Februar 1966 folgt mit "If You Can Believe Your Eyes and Ears" der erste Longplayer. Das ausgekoppelte "Monday Monday" beschert der Band einen weiteren Single-Hit. Bereits im September desselben Jahres erscheint der schlicht mit "The Mamas & The Papas" betitelte Alben-Nachfolger. Die Band schwimmt auf einer Erfolgswelle. Doch der übermäßige Alkohol- und Drogenkonsum einiger Mitglieder in dieser Zeit gehört zur Schattenseite des Ruhms.

Hinter den Kulissen rumort es kräftig: Michelle Phillips beginnt ein Techtelmechtel mit Byrds-Mitglied Gene Clark. John Phillips erwischt beide in inniger Umarmung. Die Band beschließt Michelles Rauswurf und ernennt Jill Gibson, die Freundin ihres Produzenten Lou Adler, zum neuen Mitglied. Doch John und Michelle versöhnen sich – sie kehrt zurück in die Formation. Jill Gibson erhält als Entschädigung für die bereits geleistete Arbeit eine Abfindung. Trotzdem bleibt das Band-Gefüge nie gänzlich frei von Spannungen untereinander. Bereits zu The Magic Circle-Zeiten pflegte Michelle eine Affäre mit Denny Doherty – für den den wiederum Cass tiefere Gefühle hegte.

1967 erscheint das Album "Deliver". Zusammen mit Lou Adler organisieren John und Michelle im Juni das Monterey-Pop-Festival, das sich zu einem weiteren großen künstlerischen Höhepunkt für die Band entwickelt. Für seinen Freund Scott McKenzie schreibt John den Song "San Francisco" – der sich nach Veröffentlichung zum größten Erfolg des alten Künstler-Kollegen entwickelt. Doherty ist noch immer unglücklich verliebt in Michelle und beginnt, deshalb stark dem Alkohol zuzusprechen. Im Laufe des Jahres beginnen die Arbeiten am bevorstehenden vierten Album. Der rasche Ausstoß an Longplayern liegt darin begründet, dass sich die Formation zuvor vertraglich dazu verpflichtete, in möglichst kurzen Abständen stets neues Material herauszubringen.

Doch das Songwriting geht nicht wie gewünscht vonstatten. Die Band beschließt einen gemeinsamen Europa-Trip, um zu relaxen, Akkus aufzuladen und neue Eindrücke zu sammeln. Doch die Reise endet mit einem Eklat: Auf einer Party unterhält sich Cass Elliot mit Mick Jagger. John tritt hinzu und beleidigt - auch für weitere Gäste deutlich hörbar - die Sängerin mit harschen Worten. Cass reagiert empört, verlässt die Party und gibt ihren Rücktritt von der Band bekannt. Da deshalb die Arbeit am regulären weiteren Album unterbrochen ist, gibt die Plattenfirma zwischenzeitlich eine Greatest-Hits-Compilation heraus. Und Cass muss danach, wenn auch widerwillig, die Arbeit aufgrund des geschlossenen Vertrages fortsetzen.

Durch diese Umstände erscheint das vierte Studio-Album – in leichter Umkehrung des eigentlichen Bandnamens mit "The Papas & The Mamas" betitelt – erst 1968. In diesem Jahr, der eigentlichen Glanzzeit der Flower-Power-Generation, endet vorerst die Band-Geschichte. Der offizielle Split erfolgt im Juli 1968. Fortan widmen sich die einzelnen Künstler ihren Solo-Karrieren. Doch lediglich Cass Elliot verbucht nennenswerte musikalische Erfolge. Michelle Phillips arbeitet als Film-Schauspielerin und lässt sich 1970 von John scheiden.

1971 trifft die Ur-Formation noch einmal zusammen – für ihr letztes gemeinsames Album "People Like Us". Die großen Verkaufszahlen früherer Jahre bleiben unerreicht. 1974 macht der plötzliche Tod von Cass Elliot eine spätere Reunion in Originalbesetzung unmöglich: Während einer Konzerttour stirbt sie am 29. Juli in London an einem Herzinfarkt. 1982 erleben The Mamas & The Papas ihr letztes Comeback – allerdings lediglich mit den Original-Mitgliedern Phillips/Doherty und einer Ergänzung durch Johns Tochter Mackenzie und dem Sänger Spanky MacFarlane. Wegen ausbleibenden Erfolgs löst sich diese Zusammensetzung jedoch rasch wieder auf.

Bandleader John Phillips stirbt am 18. März 2001 in Los Angeles wie Cass an Herzversagen. Seinen langjährigen Freund und Mitstreiter Denny Doherty ereilt das Schicksal am 19. Januar 2007: In seinem Haus in Mississauga, Ontario, erliegt er einem schweren Nierenleiden.

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