Porträt

laut.de-Biographie

The Dixie Chicks

"Wir schämen uns dafür, dass der Präsident der USA aus Texas kommt", verkündet Sängerin Natalie Maines in Bezug auf den Krieg im Irak bei einem Auftritt in London im März 2003. In Europa löst sie damit Entzücken aus und bringt die Dixie Chicks, die auf dieser Seite des Atlantiks noch als Geheimtipp gelten, in aller Munde. Im Heimatland, wo sie zu den erfolgreichsten Bands im Business zählen, tritt sie aber die größte Hetzkampagne seit John Lennons berüchtigter Aussage im Jahr 1966 los. Bei einer Pressekonferenz hatte der Frontmann der Beatles angeblich behauptet, dass seine Band beliebter sei als Jesus.

Öffentliche Zerstörung von Dixie Chicks-CDs, Boykott ihrer Lieder bei vielen Radiosendern - monatelang beschäftigen sich Medien und Politiker mit dem Thema. Namhafte Kollegen wie Bruce Springsteen und Madonna schlagen sich auf ihre Seite, selbst George W. Bush meldet sich zu Wort, indem er die Kontroverse für eigene Zwecke nutzt. "Die Dixie Chicks haben das Recht, das zu sagen, was sie sagen wollen … das ist das Tolle an Amerika, und in starkem Kontrast zu dem, was im Irak geschieht", erklärt er in einem Interview.

Bis dahin schien die Erfolgsgeschichte der Dixie Chicks wie aus dem Bilderbuch. Die Band entsteht 1989 an einer Straßenecke in Dallas, wo die Geschwister Emily (Gitarre, Dobro, Banjo) und Martie (Geige, Mandoline) Erwin mit der Sängerin Laura Lynch auftreten. Sie erhalten einen Plattenvertrag, der zu den Aufnahmen der wenig beachteten Alben "Thank Heavens for Dale Evans" (1990) "Little Ol' Cowgirl" (1992) und "Shouldn't A Told You That" (1993) führt.

Ihre Mischung aus Bluegrass und Mainstream Country, gepaart mit einem selbstbewussten Auftreten, erhält den letzten Schliff, als Natalie Maines Laura Lynch am Mikrophon ersetzt. "Wide Open Spaces" (1998) verkauft sich 12 Millionen Mal und bringt ihnen einen Grammy für das beste Country-Album des Jahres ein. Einen Erfolg, den sie ein Jahr später mit "Fly" (10 Millionen verkaufte Alben und eine ganze Reihe an Preisen der Country Music Association CMA) bestätigen.

Ihre Karriere läuft weiter wie auf Schienen, auch wenn sie sich mit ihrem Label verkrachen. Als das unabhängig entstandene "Home" (2002) erscheint, sind die Fans vom weniger kommerziellen Klang erst überrascht, zeigen sie dann aber doch begeistert. Auch ohne Promotion verkauft sich die Platte sechs Millionen Mal und führt zu einer triumphalen Tour durch die USA. Viele ihrer Auftritte sind binnen weniger Stunden ausverkauft, bei der Grammy-Zerimonie heimsen sie insgesamt vier Preise ein, darunter den für das beste Country-Album des Jahres.

2003 ist aber auch das Jahr der politischen Auseinandersetzung. Nach einem halbherzigen Versuch Maines', ihre Aussage zu relativieren, entscheiden sich die Chicks für den Kampf. So zeigen sie sich im April hüllenlos auf dem Cover der Zeitschrift Entertainment Weekly, ihre Körper mit Sprüchen wie "Traitors," "Saddam's Angels," "Dixie Sluts," "Proud Americans," "Hero," "Free Speech" und "Brave" beschmückt. 2004 lehnen sie sich erneut aus dem Fenster, als sie den Wahlkampf des letztlich sieglosen Bush-Herausforderers John Kerry tatkräftig unterstützen.

Musikalisch tut sich nicht mehr viel. Nach den CD/DVDs "An Evening With The Dixie Chicks" (2002) und "Live On Top Of The World Tour" (2003) ist es in dieser Hinsicht still um sie geworden. Sängerin Maines erklärt 2004 in einem Interview, dass sie von der fehlenden Unterstützung des Country-Business enttäuscht sei und sich nun zur Rock'n'Roll-Fraktion zähle. Aussagen während der letzten Auftritte ernähren die Vermutung, dass die Zukunft der Band offen sei.

Im März 2005 kündigen die Chicks auf ihrer Webseite – wohl scherzhaft - die Veröffentlichung eines "Spanish Polka Albums" an. Bis dahin sind die mittlerweile verheirateten Schwestern schwer mit der Erzeugung von Nachwuchs beschäftigt. Nach Martie (nun Maguire) bringt im April 2005 auch Emily (nun Robinson) Zwillinge auf die Welt.

Nach der Babypause melden sich die Chicks 2006 mit ihrem mittlerweile siebten Studio-Album "Taking The Long Way" eindrucksvoll zurück. Unter der Federführung von Star-Produzent Rick Rubin präsentieren die drei Künstlerinnen ein homogenes, gereiftes Werk, das sie musikalisch aus einer allzu vordergründigen Country-Ecke befreit: Die stärkere Betonung auf Elemente aus Rock und Pop zeigt, dass die Dixie Chicks in ihrer persönlichen, musikalischen Entwicklung nicht stehenbleiben.

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Kritik von Tina Kindler

Echte Country-Fans werden dieses Album lieben. (0 Kommentare)

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