Porträt

laut.de-Biographie

Snapcase

Daryl Tabreski, Scott Dressler (g), John Salemi (g), Bob Whiteside (b) und Tim Edmond (dr) gründen 1991 in Buffalo, New York die Band Snapcase. Obwohl sie quasi seit Beginn der Straight-Edge-Hardcore Community zugeschrieben werden, unterscheiden sie sich von den meisten der dort beheimateten Bands dadurch, dass sie niemandem ihre moralischen Vorstellungen aufdrängen wollen, sondern ihre Anti-Drogen-Einstellung und ihre Abneigung gegen tierische Produkte nur für sich ausleben.

Ihr erstes musikalisches Lebenszeichen setzen sie via Victory Records mit der "Comatose" Single 1992, und durch ihre energische Live-Präsenz können sie sich schnell eine feste Fanbase und einen guten Ruf erarbeiten. Mit ihrem Debüt-Album "Lookinglasself" schaffen sie einen Rohdiamanten, der unzählige andere Bands beeinflussen soll, denn mit ihrer laut/leise Dynamik, den fetten Grooves und dem emotionalen Gesang sind sie Vorreiter des NuMetal. Ständig unterwegs und nicht gerade die schnellsten Songschreiber, folgt zwei Jahre später erst einmal die EP "Steps". Ist die ständige Weiterentwicklung der Band schon hier deutlich zu hören, so sorgt "Progression Through Unlearning" 1997 allerorten für Maulsperren.

Ähnlich wie die Kollegen von Helmet scheuen sich Snapcase keineswegs, auch über den Tellerrand des Hardcores hinaus zu schauen, und lassen Genre Vertreter wie Biohazard oder Sick Of It All schon beinahe altbacken aussehen. Der überaus fette Sound macht ein Übriges, um das Album zu einem Standartwerk in Sachen New School Hardcore zu etablieren. Mit Frank Vicario ist für Scott Dressler ein neuer Gitarrist dazu gestoßen, der mit seinen stellenweise doch nervigen Obertongefiepe manche Nerven strapaziert. Unzählige Konzerte und zwei Jahre später erscheint eine Split-EP namens "Snapcase vs. Boy Sets Fire" auf der sie sich die Spielzeit mit den inzwischen zu MTVIVA-Lieblingen aufgestiegenen Jungs aus Delaware, die nicht nur auf dem selben Label unter Vertrag stehen, sondern auch gute Freunde sind.

Dass nur ein Jahr später schon das nächste Album "Designs For Automotion" erscheint, ist im Falle von Snapcase schon beinahe Blitzarbeit. Ein Schnellschuss ist die Scheibe aber keineswegs. Zwar klingt "Designs For Automotion" nicht mehr so aggressiv wie sein Vorgänger und setzt statt dessen mehr auf Melodie, jedoch ist der Wiedererkennungswert von Snapcase ungebrochen, und auf die Ohren gibt es nach wie vor. Inzwischen zur größten Band des Labels avanciert, legt sich dieses richtig ins Zeug und schickt das Quintett mit Acts wie den Deftones oder Papa Roach auf Tour. Zwar können sie vom Hype der beiden Bands nur bedingt profitieren, aber ihr Bekanntheitsgrad wächst stetig an, und mit "End Transmission" legen sie 2002 auch gehörig nach.

Anstatt sich von den MTVIVA-Faves großartig beeinflussen zu lassen, orientieren sich Snapcase nach wie vor eher an Bands wie Fugazi oder The Refused und sprechen neben den Beinen (mit ihren Grooves) vor allem auch die Rübe an. Die eher engen Grenzen des Hardcore haben sie schon lange hinter sich gelassen, aber anstatt sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, gehen die Jungs experimenteller denn je vor.

Obwohl sich größere Bands immer wieder auf Snapcase als wichtigen Einfluss berufen, bleibt der kommerzielle Erfolg nach wie vor eher bescheiden, und daran ändert auch "Bright Flashes" nichts. Nicht nur, dass das grelle Cover absolut billig und hässlich daher kommt, auch musikalisch scheinen sie eher daran interessiert zu sein, die Nerven der Zuhörer zu strapazieren. Da es sich bei den Songs auf dem Album um einige Überbleibsel aus den "End Transmission" Aufnahmen, ein paar Remixe und ein paar Coverversionen handelt, ist das eher etwas für Die-Hard-Fans.

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Snapcase Anfang 2005 ihre Auflösung bekannt geben. Mit einer großen Abschiedsshow in New York wollen sie die gemeinsame Zeit feiern und zeigen, "that it"s okay to celebrate death".

Alben

Snapcase - Bright Flashes: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2003 Bright Flashes

Kritik von Michael Edele

Nervige Remixe, unnötige Cover-Versionen und fünf "neue" Songs. (0 Kommentare)

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