laut.de-Kritik

Zehn Klopper für die Tanztempel, zehn mal Stromkeule.

Review von

Nivek Ogre und cEvin Key sind zurück und mit ihnen Skinny Puppy. "Weapon" ist das dritte Album in Folge, das mit eingängigeren Strukturen aufwartet. Zehn Klopper für die dunklen Tanztempel, zehn mal Stromkeule. Für eine Elektro-Industrial Legende jedoch eindeutig zu wenig Substanz, um an glorreiche Zeiten anzuknüpfen.

Nur wer wissen will, wie langweilig und ausgelutscht routiniert der aggressiv gemeinte Stil klingen kann, muss hier unbedingt reinhören. Man muss sie lieben für große Pioniertaten à la "Mind: The Perpetual Intercourse". Man darf auf die Knie fallen vor dem Gitarren-lastigen "Rabies" (mit Edelgast Al Jourgensen) oder dem labyrinthischen Meilenstein "Too Dark Park". Doch "Weapon" ist so uninspiriert, dass dem Hörer nur noch die Wahl zwischen Sarkasmus und Trauer bleibt.

Der avantgardistische Ansatz früherer Klassiker wurde komplett aufgegeben. Das ist erst einmal nicht schlimm. Doch muss man beim Betonen der melodischen Seite eben auch in der Lage sein, spannende Melodiebögen ab zu liefern. Das war indes noch nie die Stärke der beiden Elektromotoriker. Schon beim hochmelodischen Seitenprojekt "Tear Garden" (mit Edward Kaspel von den Legendary Pink Dots) war Key im Gespann mehr Soundtüftler als klassischer Songwriter.

Doch wenn es um Eingängigkeit geht, macht beiden die Next Generation des elektrischen Terrors wie etwa Wumpscut oder Leatherstrip seit 20 Jahren lässig etwas vor. "Weapon" hingegen macht als stumpfe Waffe auch nach dem zehnten Durchlauf höchsten einen Drehwurm, bleibt aber meilenweit von jedem Ohrwurm entfernt. Keinerlei Wiedererkennungswert vergangener Tage. Jeden einzelnen Track hat man binnen Sekunden vergessen.

Was also ist nur los im Puppenhaus? In fast dreißig Jahren Karriere waren sie noch nie belanglos. Der Blick in die Bandgeschichte beweist den Qualitätsverfall. Nahezu alle brillanten Alben entstanden unter der musikalischen Mitwirkung Dwayne R. Goettels. Ohne den bereits 1995 tragisch verstorbenen Gegenpol, fällt dem Duo nicht mehr viel Kreatives ein. Mit dem Dahinscheiden Goettels scheint auch das Füllhorn künstlerisch bedeutender Ideen versiegt.

Am Ende des Albums steht man ein wenig geschockt vor den Boxen und erkennt die eigenen Lieblinge kaum wieder. Skinny Puppy tragen den eigenen Ikonenstatus auf dem Feld noch nicht einmal mittelmäßigen Steckdosengedengels zu Grabe. Einen ähnlich tragischen wie unverständlichen Niedergang auf der Resterampe des doch so hart erkämpften Ruhms,
habe ich zuletzt bei Helmets "Seeing Eye Dog" gehört. Was bleibt, ist bedrückte Ratlosigkeit und der Hinweis auf einen bis 1996 herausragenden Backkatalog.

Trackliste

  1. 1. wornin
  2. 2. illisiT
  3. 3. saLvo
  4. 4. gLowbeL
  5. 5. solvent
  6. 6. paragUn
  7. 7. survivalisto
  8. 8. tsudanama
  9. 9. plastiCage
  10. 10. terminal

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12 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Sehe ich fast genauso. Mir macht das Teil trotzdem Spaß. Hat schon paar Klopper wie illisiT oder paragUn, aber mit der von dir erwähnten Tiefe hat das nicht allzu viel zu tun. Wer wirklich was geiles Hören will, sollte mal "The Last Man To Fly" von The Tear Garden auflegen. Da kann man auch nach Jahren immer wieder etwas Neues entdecken. Der Backkatalog von Skinny Puppy ist ebenfalls nicht zu verachten, auch Download und Cyberaktif kann man ohne Bedenken mal anchecken.

  • Vor einem Jahr

    huuii auf plattentest.de hat das ding 9/10 bekommen... bei dem kontrast lohnt sich ja fast ma das reinhören!

  • Vor einem Jahr

    Album ist ok. Gefält mir besser als der Vorgänger. Das Comeback-zeug ab 2005 ist eben näher an ohGr als an den bekannten SP-Alben.

  • Vor einem Jahr

    gute idee, baude@Baudelaire (« Meilenstein fuer 'Cleanse Fold And Manipulate' oder 'Too Dark Park'? »):

  • Vor einem Jahr

    "Der avantgardistische Ansatz früherer Klassiker wurde komplett aufgegeben. Das ist erst einmal nicht schlimm. Doch muss man beim Betonen der melodischen Seite eben auch in der Lage sein, spannende Melodiebögen ab zu liefern"
    Lieber Ulf Kubanke: als Musikkritiker sollte man auf dem Teppich bleiben. Bands vorzuschreiben, wie deren Musik klingen sollte ist meiner Meinung nach eine derartige Bodenlosigkeit, das mir die Spucke wegbleibt. Wenn dann auch noch schlecht zugehört wird und nachweisbar Unsinn in der Rezension steht, dann kann ich es mir nicht verkneifen, meinen Senf dazu zu geben. Weapon klingt nämlich interessanterweise (entgegen Deiner Aussage) ähnlich wie die ersten beiden Alben Remission und Bites. Es gibt sogar ein Remake vom Song Solvent vom ersten Album auf der neuesten Platte. Noch näher dran am Sound von früher könnten die Jungs von Skinny Puppy also gar nicht sein. Bitte einfach mal die erste und die letzte Platte nacheinander anhören und staunen. Ich steh da nicht geschockt sondern begeistert vor meinen Boxen und spiel die Platte gleich noch mal. Wenn man (so wie Du, lieber Ulf) also den gleichen Song nicht wiedererkennt und meint, das die Mucke ganz anders klingt als damals dann sollte man sein Geld vielleicht doch woanders verdienen, denn sowas ist schon recht peinlich. Meiner Meinung nach ist Deine Rezension einen Scheissdreck wert. Basta.

  • Vor 9 Monaten

    da kann ich widegrind nur recht geben,
    die neue skinny puppy ist back to the roots.
    ein ebm-industrial meisterstück und wer skinny puppy mit leather strip oder wumpscut vergleicht, der kann ein filet nicht von einer bratwurst unterscheiden.
    vielleicht wollten die puppies auf ihre alten tage noch mal zeigen wo der hammer hängt.
    das mind tpi war einmalig und kann auch nicht mehr wiederholt werden, darum sollte man das auch nicht versuchen.
    ich kann immer noch nicht fassen, dass der "musik-fachmann" skinny puppy mit leather strip und wumpscut vergleicht.
    es geht ja nicht nur um die songs, sondern auch um die produktion und die live-performence und da stehen die beiden besagten künstler ja wohl lichtjahre von weg.