Porträt

laut.de-Biographie

:Wumpscut:

"Dies ist dein Ende und ich werde es lieben, zu weiden dich aus am Bunkertor 7". Solch wenig lebensbejahende, aber umso prägnantere Weisheiten streut Herr Ratzinger seit Beginn der Neunziger unters Volk. Um jeder Verwechslungsgefahr vorzubeugen: Gemeint ist nicht der Pontifex Maximus und ehemalige Kardinal Josef. Es geht um Rudy, semi-legendäres Phantom und einzig relevantes Mitglied von :Wumpscut:.

Einzigartig ist sein Weg vom unbekannten Münchener Szene-DJ zum kultisch verehrten Guru der gesamten Elektro-Industrial Szene. Dabei versteht es der medienscheue Niederbayer meisterhaft, sich und sein Privatleben vor den Klauen der Öffentlichkeit zu verbergen. Trotz der immensen Beliebtheit in Darkwave-Kreisen könnte sich der Mann aus Gangkofen problemlos überall inkognito aufhalten. Von ihm existieren nur wenige, alte Fotos. F2F-Interviews und Phoner lehnt er kategorisch ab. Sogar Label- und Agenturangestellte aus dem eigenen Lager kennen weder das Antitz noch den Klang seiner unverzerrten Stimme. Besonders in Zeiten von Handyphones und Google-Earth ein schier unglaublichles Kunststückchen.

Als :Wumpscut: hingegen dominiert er die EBM-Floors und genießt eine eher zweifelhafte Berühmtheit in der Yellowpress. Bei aller mitunter recht demonstrativ zur Schau gestellten Vorliebe für authentisches Horror Artwork aus der leider realen Dunkelkammer der (un)menschlichen Entwicklung des Homo Sapiens: Ratzingers Provokationen als stilbildendes Merkmal wäre nur heiße Luft ohne das smarte Händchen für extrem catchy Rhythmen und Harmonien. Besonders die unüberhörbare Melodieseligkeit des Einsiedlers bildet hier oft den erfrischenden Kontrast zu den martialischen Lyrics.

Dieses musikalische Schaffen teilt sich im wesentlichen in drei Strömungen. Zum einen gibt es da die harten Endzeit-Klopper der frühen Jahre wie "Black Death". Zum anderen erschaffen :Wumpscut: atmosphärisch eher ruhige Stücke, die mitunter auch eine Mariachi-Trompete, klassische Instrumente und verfremdete Samples bzw. Melodieschnipsel berühmter Songs wie z.B. Stairway To Heaven beinhalten.

Seit dem Album "Wreath Of Barbs" halten vermehrt Elemente diskohaften Technopops Einzug. Trotz der melodischen Tiefe und qualitativen Ungebrochenheit stoßen diese Elemente bei Fans der ersten Stunde auf Vorbehalte und ziehen teils massive Kritik nach sich. Doch der spröde Eigenbrötler Ratzinger wäre nicht :Wumpscut:, wenn er sich davon auch nur im Ansatz beeindrucken ließe. Unbeirrt setzt er den musikalischen Weg im Jahresrhythmus fort.

Wenig Anlass zur Freude bringt auch die Darstellung :Wumpscuts: in den Mainstream-Medien. Nach den bestialischen Satanistenmorden eines Paares sowie dem tödlichen Amoklauf eines finnischen Mannes schießt sich die Presse bundesweit auf Ratzingers Projekt ein, da sich die verwirrten Mörder explizit auf seine Songs und Lyrics berufen.

Die unfaire Kampagne glänzt durch eklatante Recherchemängel, bezeichnet die Ein-Mann-Band als Black Metal-Combo und verfolgt mit fragwürdigem journalistischen Eifer die altbekannte dümmliche Logik, wonach der Künstler am Ende als Sündenbock am Pranger steht steht.

Doch auch diese Umstände können den Eremiten nicht aus der Reserve locken. Statt wort- und bildreich Stellung zu beziehen, kommentiert er ebenso lakonisch wie sarkastisch auf "The Boo": Danger, Danger I am the Boo. Danger, Danger I will kill you.

Konzerte wird es im Hause :Wumpscut: auch in Zukunft nicht geben. Jede Live-Darbietung lehnt Ratzinger rigoros ab. So zieht er weiter Jahr um Jahr seine Bahnen, veröffentlicht eine Platte nach der anderen und genießt den Status eines umstrittenen Musikers.

Interviews

Alben

Wumpscut - Evoke: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2005 Evoke

Kritik von Daniel Straub

Die neue und feminine Seite der Industrial-EBM-Band. (0 Kommentare)

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