Porträt

laut.de-Biographie

Sir Mix-A-Lot

Ein Text über Sir Mix-A-Lot lässt sich gar nicht anders anfangen als mit "Baby Got Back":

"I like big butts and I can not lie
You other brothers can't deny.
"

Mit diesem Party-Rap-Tribut an Frauen mit aus- und gerade deshalb einladendem Gesäß geht Anthony Ray (*12.8.1963) in die Hip Hop-Unsterblichkeit ein. Mehr sogar, diese Zeilen gelten heute als fester Bestandteil der Popsprache. Der beschworene Hintern ist ewig wiederkehrendes Zitat, geflügelter Spruch, emanzipatorisches Diskursobjekt.

Doch schon bevor Ray mit jener Single auf dem 1992er Album "Mack Daddy" Platin-Status kassiert, schreibt er eine der größten D.I.Y.-Rap-Erfolgsgeschichten. Aus Seattle kommend, einer Stadt ohne jede relevante Hip Hop-Szene, gründet Mix-A-Lot sein eigenes Plattenlabel Nastymix, operiert als sein eigener Promoter, produziert sämtliche Tracks persönlich, kurz: symbolisiert die uramerikanische Von-Tellerwäscher-zum-Millionär-Metamorphose.

Der Westcoast-Rapper hat bereits zwei Alben veröffentlicht und sich mit bouncy Bass Music voller Oldschool-Electro-Referenzen eine starkes Fangemeinde in der Hip Hop-Community aufgebaut, bevor seine Karriere in den frühen Neunzigern explodiert. Als einer der ersten überhaupt macht er Hip Hop in Seattle bekannt.

Mit dem Video zur Debütsingle "Posse For Broadway" springt Ray in voller Fahrt auf den beschleunigenden MTV-Zug auf. 1989 hat er schon eine Million Alben unter die Leute gebracht und die R&B-Charts erobert, als er bei Rick Rubins American Recordings unterschreibt. Fortan wirft sich Mix-A-Lot in ein parodistisches Pimp-Outfit mit Nerz, Melone und Zigarre und erobert den Mainstream.

Wie es sich gehört, löst der sehr sexualisierte "Baby Got Back"-Clip in der Tradition der 2 Live Crew einen mittleren Skandal aus. MTV zeigt das Video nur noch in den Abendstunden, was die Popularität nur noch befeuert. Am Ende von Chartsspitze, Sexismus- und Rassismusdebatten steht 1993 der Grammy für die beste Rap-Solo-Performance.

Der Erfolg über sämtliche Genregrenzen hinweg soll sein Größter bleiben. Zwar verfolgt Sir "I'm long and strong" auf den folgenden Langspielern die anzügliche Goof-Rap-Variante weiter, der Mainstream verliert jedoch das ungeteilte Interesse. Nach dem fünften Album bricht Mix-A-Lot 1996 im Streit mit American Recordings.

Nach einer Auszeit von der Musikindustrie schließt er sich 1998 mit der Grungeband Presidents Of The United States Of America zusammen. Zur Hochzeit des Rap-Rock-Crossovers formiert sich die Kollaboration unter dem Namen Subset. Nach einigen Auftritten und Studioexperimenten verfliegt die anfängliche Euphorie jedoch Anfang des neuen Jahrtausends recht schnell.

Nichtsdestotrotz lodert das Feuer in ihm weiter: Sir Mix-A-Lot verpflichtet sich beim kleinen Label Artist Direct und schreibt das sechste Album "Daddy's Home". Darauf findet sich die bemerkenswerte Single "Big Johnson", in der der Gerechtigkeit halber weibliche Ansprüche ans männliche Genital gestellt werden. Mehr als zehn Jahre nach "Baby Got Back" schließt sich also der Kreis.

Alben

Surftipps

Noch keine Kommentare