Porträt

laut.de-Biographie

San Glaser

Der Werdegang einiger Menschen ist mit dem Reifen eines erlesenen Weines zu vergleichen. Bei manchen Sorten gilt eine angemessene Zeit des Lagerns als unabdingbar für den späteren Genuss. Ein zu frühes Entkorken der Flasche wäre da einem einzigartigen Geschmackserlebnis nur abträglich. Erst wenn die Zeit gekommen ist, entfalten diese Weine ihr unvergleichliches Bukett.

So verhält es sich im übertragenen Sinne auch mit der Sängerin, Texterin und Komponistin San Glaser. Als Tochter eines indonesischen Vaters und einer holländischen Mutter kommt sie am 7. Januar 1968 im niederländischen Hoogezand-Sappemeer als Alexandra Angelin Buurke zur Welt. Der Vater bleibt dem jungen Mädchen zunächst unbekannt und so wächst sie bei der allein erziehenden Mutter auf. Bereits mit vier Jahren bekommt San die erste Blockflöte. Mit neun Jahren erhält sie Unterricht an einer elektronischen Orgel. Diese schon früh ausgeprägte Begabung für die Musik hat einen erblichen Hintergrund, den San erst im Alter von 15 Jahren entdeckt und auch als prägend für ihren Werdegang ansieht.

Denn erst zu diesem Zeitpunkt lernt sie ihren Vater Maurits Hitijahubessy kennen - der als Jazzmusiker und Gitarrist unterwegs ist. Er animiert San entscheidend zur Beschäftigung mit dem Jazz und ermuntert sie zum Singen. Für San eine wichtige Station in ihrem Leben: "Ich hielt mich ewig lange für total untalentiert." Anfangs noch im stillen Kämmerlein, übt sich das Mädchen in der Perfektionierung ihrer gesanglichen Fähigkeiten. San verspürt kein Bedürfnis, vor großem Publikum zu singen. Durch die intensive Zuwendung zum Jazz taucht sie auch immer tiefer ein in die Historie des Musikgenres, was ihr das nötige Fachwissen für die Zukunft vermittelt.

Erst mit Mitte 20 entscheidet sie sich, ihrer Liebe zur Musik ein solides Fundament zu geben. Am niederländischen Musikkonservatorium meldet sie sich zur Aufnahmeprüfung und besteht. Drei Jahre studiert sie Jazzgesang, Harmonie am Piano und Gesangspädagogik. Nebenbei bemüht sich San Glaser um praktische Erfahrungen als Sängerin, die sie in verschiedensten Engagements sammelt.

Bald entscheidet sich San, der Musik vor dem Studium den Vorrang zu geben. Sie tritt als Solosängerin auf, begleitet von diversen Bands. Das Spektrum umfasst dabei das kleine Jazztrio bis hin zur großen Bigband. Auch anderen bleibt das Talent der Holländerin nicht verborgen. Es kommen u.a. Anfragen von der Jazzkantine, Orange Blue und Stefan Gwildis. Als Partnerin Cappuccinos von der Jazzkantine hat sie mit "Du Fehlst Mir" einen Chartserfolg.

Bei Soulcrooner Gwildis ist San einige Jahre als Chor- und Studiosängerin tätig. Ermutigt von den positiven Erfahrungen nimmt sie ihr nächstes Ziel in Angriff: die Aufnahme eines Soloalbums. Der Musikverlag EMI Publishing lässt sich von den Qualitäten Sans überzeugen. So erscheint im November 2005 mit "Never In Vain" das Solodebüt der aparten Holländerin.

Hier greift wieder der Vergleich mit einem edlen, gereiften Wein. San Glasers Lieder erscheinen sinnlich und ausdrucksstark - ein Ereignis, das in guter Umgebung mit Bedacht und Liebe genossen werden sollte. Denn erst dann entfaltet Sans Song-Jahrgang sein ausgereiftes Aroma und hinterlässt bleibende Eindrücke.

Zusammen mit der New Yorker Sängerin und Songwriterin KJ Denhert erarbeitet die Sängerin einige Songs für die zweite CD. Privat sieht sie sich vor zwei harte Schicksalsschläge gestellt: Der Vater verstirbt, und nach neun Jahren geht 2009 ihre Ehe auseinander. Daraufhin verlegt San Glaser ihren Lebensmittelpunkt von Berlin nach Hamburg.

Das im gleichen Jahr erscheinende Album "New Road" versteht sich deshalb thematisch nach zerbrochener Ehe und dem vorangegangenen Tod des Vaters als Umsetzung der sie bewegenden Lebensumstände. Hierzu zählt auch die Entscheidung, nach rund fünf Jahren die Zusammenarbeit mit Stefan Gwildis zu beenden und sich noch stärker auf den Solo-Bereich zu konzentrieren. Für die neu geschaffene Konzertreihe "Mad About Jazz", die jungen Künstlern des Genres eine Plattform bietet, absoviert sie im Zeitraum Juni/Juli 2009 Live-Auftritte in Berlin, Hamburg, München und Wien.

2010 heiratet San ihren langjährigen Lebensgefährten und Band-Urgestein Arnd Geise. Die Arbeit an neuen Songs flankieren bundesweite und internationale Konzertauftritte. Das Spektrum reicht dabei von Gigs in Jazzclubs bis hin zu großen Festival-Events.

Weitere gravierende Veränderungen sind ab 2011 nicht nur auf den privaten Bereich der Musikerin bezogen. Sie trennt sich von ihrer bisherigen Plattenfirma Flash Records, und bringt 2012 mit Dutchland ein eigenes Label an den Start. Für das im selben Jahr zunächst als Downloadalbum erhältliche Werk "Beautiful Stranger" erweitert die vielseitige San erneut ihr musikalisches Repertoire.

Jazz und Soul finden zwar weiterhin statt, treten hier aber zugunsten einer stärkeren Betonung auf klassische Singer/Songwriter-Elemente zurück. Der Sound gerät in vielen Bereichen rauer und erdiger. Bewusst entscheidet sich die Musikerin für Risiken im künstlerischen Werdegang.

Stillstand oder bloße Wiederholung bereits erfolgreich erprobter Konzepte finden also nicht statt. Der Blick geht nach vorn: "Es ist nicht immer einfach, sich selbst gut zu finden, und gleichzeitig stetig zu verbessern", umschreibt sie persönliche Hintergründe, "aber versuchen sollten wir es jeden Tag wieder."

Keine Scheu hat San Glaser vor Vergleichen - im Gegenteil, nennt sie doch gleich eine ganze Anzahl herausragender und prägender Stilikonen zu ihren Vorbildern, darunter Chet Baker, Fiona Apple, Miles Davis, Frank Sinatra oder Norah Jones. Die Sängerin selbst mag mit ihrer persönlichen Klasse übrigens auch anderen als Vorbild dienen.

Interviews

Alben

San Glaser - New Road: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 New Road

Kritik von Artur Schulz

Beschwingt über den Soul- und Jazz-Boulevard. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare