Porträt

laut.de-Biographie

Salif Keita

Traditionell im wohlgemeintesten Wortsinne gibt sich der malische Sänger Salif Keita auf "M'Bemba" (2006). In überschwänglicher Spielfreude zelebriert er darauf seine afrikanische Seele und sein in Europa gefundenes Lebensglück. Die Dinge nehmen ihren Lauf in einer leidvollen Kindheit, die vom Wunsch beseelt ist, im internationalen Musikgeschäft Fuß zu fassen. Das ist auch schier die einzige Möglichkeit die ihm bleibt, denn er kommt 1949 als Albino zur Welt, was noch eine Weile zuvor seinen sicheren Tod bedeutet hätte. Da blaues Blut in seinen Adern fließt, genügt es jedoch, ihn wegen seiner weißen Hautfarbe aus Familie und Gemeinde zu verstoßen. In der Musik sieht Salif Keita den einzigen Ausweg aus diesem Unheil.

Von seinem Geburtsort Djoliba wandert er zunächst in die Hauptstadt Malis, Bamako, und verdient sich seine ersten musikalischen Sporen als Griot, als herumziehender Musikant, der für Almosen singt. Die nächste Station ist ein abgestürzter Nachtclub, den er gemeinsam mit seinem Bruder bespielt. Schließlich landet er 1969 als 16-Jähriger in der Rail Band Of Bamako, einer populären, von der Regierung gesponserten Truppe, die sich einen festen Lebensunterhalt durch regelmäßige Auftritte im Buffet Hotel De La Gare sichern kann.

1973 verlässt er seine Heimat Mali, um zusammen mit Kanté Manfila und den Les Ambassadeurs International seine Karriere - zunächst in der Hauptstadt der Elfenbeinküste, Abidjan - zu starten. Ihr Mix aus traditioneller westafrikanischer Musik und westlich geprägter U-Musik erobert unter dem Label Afropop die Herzen der Menschen. Der Durchbruch gelingt 1978 mit dem Album "Mandjou" und ermöglicht Keita und Manfila einen dreimonatigen Aufenthalt in New York, um dort die Alben "Primpin" und "Toukan" aufzunehmen, die mühelos an den Erfolg von "Mandjou" anknüpfen.

Dennoch steht Salif Keita der Sinn mehr nach Europa, genauer gesagt nach Paris. Dort ist die Afropop-Szene dank schillernder Galionsfiguren wie Manu Dibango, Ray Lema und Pierre Akendengué gerade am boomen. Im Frühjahr 1984 macht er sich auf zu einem triumphalen Auftritt bei einem Crossover-Festival, der seinem Leben eine neue Richtung gibt. Überwältigt von den Reaktionen des französischen Publikums beschließt er, von Abidjan in den Pariser Vorort Montreuil zu ziehen.

Paris bildet den idealen Nährboden für seinen Siegeszug durch Europa. Das Solodebüt "Soro" erscheint 1987, kombiniert seine afrikanischen Wurzeln mit den euro-amerikanischen Zutaten Jazz, Funk, R&B und Pop, und ist für den endgültigen Durchbruch im internationalen Musikgeschäft verantwortlich. In den 90ern ist er als Solokünstler und als Kollaborateur ein gefragter Mann. Joe Zawinul, Carlos Santana, Wayne Shorter, Mory Kante, Toure Kunda, Papa Wemba, Manu Dibango, Youssou N'Dour und zahlreiche Andere greifen gerne auf seine Dienste zurück.

Mit dem 2002 erscheinenden Album "Moffou" erfährt seine Vita erneut eine Wende. Es zieht ihn musikalisch und persönlich zurück in seine Heimat Mali. Seit "Moffou" werden seine Alben nicht mehr von den grenzgängerischen Fusionskämpfen, die von Synthesizer, Saxophon und E-Bass mit Balafon, Djembe und Kora ausgetragen wurden dominiert, sondern von rein akustischen Klängen und hauptsächlich traditionellen afrikanischen Instrumenten.

2006 erscheint "M'Bemba". Auf die Frage, ob "M'Bemba" ein Thema hat, sagt Keita: "Es geht ums Lieben, Glücklichsein und ums Akzeptiertwerden, egal wie oder was man ist." Neben lebensfrohen Songs ("Laban", "Calculer", "Kamoukie") und hypnotisierenden Grooves ("Yambo"), hält "M'Bemba" auch einige nachdenkliche Momente bereit. Auf dem Titelsong, der übersetzt "Vorfahre" bedeutet, nutzt Salif Keita die Gelegenheit, um an einen seiner berühmten direkten Vorfahren zu erinnern: den legendären Mandinka-Herrscher Sundiata (oder Sounjata) Keita. Er gründete 1240 das malische Reich, dessen damalige Grenzen den Senegal, Guinea, Burkina-Faso, Mauretanien, die Elfenbeinküste und den Niger umfassten.

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