Porträt

laut.de-Biographie

Runrig

Nach Angaben des Labels war eines von 83.000 aufgelesenen Fundstücken des explodierten Shuttles Columbia eine CD. Es handelte sich dabei um Runrigs 2001er Album "The Stamping Ground", das eine der Astronautinnen im Gepäck dabei hatte. Im Wiedergabegerät der Raumfähre steckte eine zweite Platte der Band. "Die letzte Musik, die die Columbia-Crew gehört hat, war also von Runrig", schlussfolgert der Ehemann der Verstorbenen.

Einen direkten Zusammenhang zwischen Musik und Unfall gibt es wohl kaum, jedoch hat die schottische Combo in ihrer dreißigjährigen Geschichte bewiesen, ähnlich unzerstörbar zu sein wie ihre Rohlinge.

1973 gründen Rory MacDonald (Gitarre, später Bass), sein Bruder Calum (Schlagzeug) und Blair Douglas (Akkordeon) im schottischen Glasgow die Run-Rig Dance Band. Ein Jahr später kommt der Sänger Donnie Munro hinzu. Eher als Nebenprojekt geplant, treten die Studenten als Tanzkappelle auf und geben Coverversionen von Creedence Clearwater Revival zum Besten. Sie arbeiten aber auch an Liedern in ihrer Heimatsprache Gälisch, das 1978 auf ihrem ersten Album "Play Gaelic" erscheint.

Der Erfolg hält sich stark in Grenzen, auch die folgenden zwei auf einem eigenen Label heraus gebrachten Alben verkaufen sich kaum. Ein erster Durchbruch erfolgt 1983, als sie mit der Single "Loch Lomond" Platz zehn der Charts erreichen. Mittlerweile auf sechs Mitglieder angewachsen (zu den Instrumente gehören nun Keyboard, Flöte und Dudelsack), weiten sie ihr Repertoire auf englischsprachige Texte aus und touren auch im Ausland. Zwar ist die finanzielle Grundlage alles andere als gesichert, jedoch erspielen sie sich in Dänemark, Schweiz und Deutschland eine treue Anhängerschaft.

Das 85er Album "Heartland" bringt sie schließlich nicht nur dem Publikum näher, sondern auch einem größeren Label. Mit einem Major-Vertrag im Rücken wächst der Erfolg mit jeder neuen Veröffentlichung. So spielen sie 1987 in Edinburgh als Vorband für U2 und treten bei einem Festival im noch kommunistischen Ost-Berlin auf. 1992 steigt "The Big Wheel" direkt auf Platz vier in die englischen Charts ein, "Amazing Things" schafft es ein Jahr später sogar auf Platz zwei.

"Mara" markiert 1995 das Ende der ersten Runrig-Phase: Sänger Munro gibt bekannt, die Band zu verlassen, um sich der Politik zu widmen. Nach zwei Best Of-Alben und mehreren Abschiedstourneen gönnen sich die Schotten eine mehrjährige Schaffenspause und treten erst 1999 wieder ins Rampenlicht.

Mit dem kanadischen Sänger Bruce Guthro erneuern Runrig auch ihre musikalische Ausrichtung: Neben den traditionellen gälischen Klängen und ethnischen Instrumenten kommen auf "The Stamping Ground" (2001) und "Proterra" (2003) in Zusammenarbeit mit dem in Brasilien lebenden schottischen Musiker Paul Mounsey auch elektronische Beats, Loops und Breaks zum Einsatz.

Vier Jahre nach diesen für das Genre fast avantgardistischen Ausflügen in den Pop demonstrieren Runrig im Frühling 2007 auf "Everything You See" um so deutlicher, woher sie kommen und was sie aus ihren Instrumenten herauszuholen wissen. Gründungsmitglied Calum MacDonald sagt, man habe sich wieder auf das besonnen, was Runrig einst ausgemacht habe – und dem Ganzen noch einen Schuss mehr Härte beigefügt: "Es hat tierisch Spaß gemacht, sich wie ein Rocker zu fühlen."

Das Rocken aber nimmt man den Herren hier, zu dem Zeitpunkt bereits seit 34 Jahren mehr oder weniger in der Konstellation eine Band, gerne ab. Ob nun keltisch urig wie auf zwei gälisch intonierten Songs oder in den fix einprägsamen Fanhymnen, die Runrig seit jeher zu dem Live-Act gemacht haben, als der sie geliebt werden. Als schottische Band wolle man eben auch schottische Musik machen – allerdings, so gibt MacDonald zu bedenken, nie aus Patriotismus, sondern aus schlichter, politfreier Liebe zur Kultur.

Alben

Runrig - Proterra: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 1 Punkte

2003 Proterra

Kritik von Giuliano Benassi

Ethnopop trifft auf pseudo-esotherische Wellness-Lyrics. (0 Kommentare)

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