Porträt

laut.de-Biographie

Rosanna & Zélia

"Fern der Heimat erkennt man seine Kultur ganz anders. Hier in Europa haben wir ganz wertfrei die Schönheit des Bossa Nova entdeckt". Die Brasilianerinnen Rosanna Tavares und Zélia Fonseca lernen während ihrer abenteuerlustigen Migrationsgeschichte die Welt mit anderen Augen zu sehen. 1989 beginnt ihre wissbegierige Suche nach neuen musikalischen Einflüssen zunächst in Portugal. Über Frankreich und Finnland landen die beiden schließlich in Deutschland.

Die Kindheit verbringt das Duo zunächst in verschiedenen Landesteilen Brasiliens. Rosanna Tavares (voc, perc, g) wächst an der Grenze zu Bahia auf, wo sie 1962 zur Welt kommt. Die 1960 geborene Zélia Fonseca (voc, g, b) stammt aus Minas Gerais, einem Landesteil, in dem Samba und Bossa Nova fast keine Rolle spielen. "Brasilien ist größer als ganz Europa und in den Bundesstaaten herrschen genauso unterschiedliche (musikalische) Mentalitäten wie in den einzelnen Ländern Europas."

Dazu kommt, dass in ihrer Jugend Bossa Nova nicht besonders angesagt war. "Er war eher etwas für die Elite in Rio, fern ab der Realität der meisten Brasilianer zu dieser Zeit" berichten die Zwei über ihr Verhältnis zum Latin-Klischee. Dennoch spielen ihre südamerikanischen Wurzeln in der Musik von Rosanna & Zélia eine bedeutende Rolle. Auch wenn sich ihre stimmungsvolle Musik nicht durch wildes Samba-Getöse oder entspanntes Bossa-Geplänkel auszeichnet, würdigen sie in jedem ihrer Lieder ihre Wurzeln.

Erste Band-Erfahrungen sammeln Rosanna & Zélia in der Schule. "Wir haben uns mit 14 Jahren durch einen Lehrer, der eine Band gründen wollte, kennen gelernt. Wir spielten fünf Jahre zusammen in dieser Besetzung." Danach trennen sich ihre Wege vorerst: Rosanna studiert Zahnmedizin und Zélia Journalismus. Mitte der 80er beginnen sie erneut musikalisch zusammen zu arbeiten. Wenige Jahre später verlassen sie ihre Heimat. "Ausschlaggebend war die Einladung eines brasilianischen Freundes, der mit uns in Portugal Musik machen wollte."

1993 beginnt ihre europäische Laufbahn in der Frankfurter Latinjazz-Band "Banda Caja". In Folge eines Live-Albums steigt die Popularität der Truppe so stark, dass Tourneen und Auftritte auf wichtigen deutschen und internationalen Brasilienfestivals möglich werden. 1996 spielen Rosanna & Zélia ihr erstes eigenes Album ein. "Passagem" begeistert nicht zuletzt durch das Bandoneonspiel von Gaststar Dino Saluzzi und legt den Grundstein für eine solide Karriere.

Ihre gefühlvollen Songs bewegen sich zwischen afrikanisch, indianisch und lateinamerikanisch inspirierter World-Music, sehnsuchtsvollem Folk, melancholischem Jazz, anspruchsvollem Pop, probierfreudigen Klangexperimenten und stilsicherem Songwriting. "In Brasilien würde man es als Música Popular Brasileira bezeichnen". 1999 folgt "Coisário", auf dem sich die Perkussionistin Angela Fronteira endgültig als Dritte im Bunde etabliert. Fünf Jahre später erscheint mit "Águas-Iguais" das dritte Soloalbum der stilvollen Künstlerinnen.

Am 9. Oktober 2006 verstirbt Rosanna Tavares 44-jährig im Kreise ihrer Familie im brasilianischen Minas Gerais an den Folgen einer langjährigen Krebserkrankung.

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