laut.de-Kritik

Nie bitter, nur besser.

Review von

Gleich zwei Alben brachten Public Enemy 2012 unters Volk. Warum die - zumindest in Deutschland - nun am gleichen Tag erscheinen müssen: Diese Veröffentlichungspolitik verstehe, wer will. Nichtsdestotrotz hat es der erste Teil des Doppelschlags gewaltig in sich. "Got so much to shout about", erklärt Chuck D grimmig wie eh und je. "Never bitter but better, backed by the fact all I got is my word." Das hat über die Jahre sogar noch an Gewicht zugelegt.

Chuck D befindet sich auf einer Mission. "If I can't teach I shouldn't even open my moth to speak." Ungebrochen zählt er zu den charismatischsten, weil entschlossensten Predigern des Genres. "Y'all know I can't sit calm." Das alles beherrschende Rätsel, wie zum Teufel der Kerl nach all den Jahren im Geschäft noch immer so dermaßen wütend klingen kann, löst er quasi im Vorübergehen: "Most Of My Heroes Still Don't Appear On No Stamp".

Die Zustände, die Public Enemy seit 25 Jahren beklagen, haben sich nicht zum Guten gewendet. Im Gegenteil: "Never have so many been screwed by so few." Rassismus, Kapitalismus, Gier, Ausbeutung treiben hässliche Blüten, wohin man schaut. "Equality is a myth." Chuck D prangert an, watscht ab und streut mit vollen Händen Salz in die offenen Wunden der westlichen Welt.

"Chuck D ist ein starker Rapper. Wir wollten etwas schaffen, das ihm akustisch standhalten konnte", erklärte einst Hank Shocklee vom Bomb Squad seine Arbeitsweise. Dieses Kunststück gelingt auch den Produzenten, die für "Most Of My Heroes ..." ans Mischpult traten.

Funky Wah-Wah-Gitarren treffen in "Run Till It's Dark" unter C-Docs Regie auf Scratches, coole Arrangements auf den rohen Charme der Oldschool. Der Beat birgt eine Flut von Details, ohne darin zu ersaufen. Auch was den Sound betrifft, bleiben Public Enemy ihren Wurzeln treu, ohne dabei auf der Stelle zu treten. "I Shall Not Be Moved".

Harte Drums, bratzige Bläser, Percussion und Hall dominieren in "Get Up Stand Up". Wie so häufig, steckt die hohe Kunst darin, die Resultate ganz schlicht und simpel erscheinen zu lassen. Klassische Drumbreaks, Spoken Word-Passagen und Gitarren entfalten Sogwirkung und Zerstörungskraft, als betrachte man sich Zeitlupenaufnahmen einer Schlammlawine.

"Fire music / my aim is / forget what my name is / Yeah I ain't famous to be famous." Der Versuch Chuck Ds, hinter seine Botschaft zurück zu treten, funktioniert dabei aber nur bedingt. Public Enemy ziehen einen großen Teil ihrer Durchschlagskraft seit jeher aus seiner übergroßen Präsenz.

Sidekick Flavor Flav wirkt daneben - vielleicht noch stärker als bisher - zwar unterhaltsam durchgeknallt, aber eben doch nur wie eine im Grunde verzichtbare Randnotiz. Chuck D beherrscht die Bühne alleine, tritt nur ab und zu zugunsten seiner Gäste ein wenig beiseite.

Brother Ali huldigt in "Get Up Stand Up" seinen Ikonen: "The mighty PE is what birthed Ali." DMC steuert etwas "real talk" bei. Allesamt zeigen sich die Herren MCs längst meilenweit erhaben über schnöde Schwanzvergleiche. Wer den Längsten hat, der Beste, Schnellste, Erfolgreichste ist: Derlei Fragen interessieren angesichts reichlicher drängender tatsächlicher Probleme zum Glück keine Sau.

Trackliste

  1. 1. Run Till It's Dark
  2. 2. Get Up Stand Up
  3. 3. Most Of My Heroes Still Don't Appear On No Stamp
  4. 4. I Shall Not Be Moved
  5. 5. Get It In
  6. 6. Hoover Music
  7. 7. Catch The Thrown
  8. 8. RLTK
  9. 9. Truth Decay
  10. 10. Fassfood
  11. 11. WTF?

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