laut.de-Kritik

Crunken, bis der Club kotzt.

Review von

Wenn ein Rapper durchstartet, gibt es meistens einige Mitläufer, die im Sog des Leitwolfes schwimmen und ihr Stück vom Kuchen abhaben wollen. Armando Perez aus Kuba gehört zu diesen Kandidaten. Kaum ist der letzte Takt von "Get Nasty" verklungen und der Puls des Clubbesuchers wieder auf einem gesunden Level angekommen, releast er als Pitbull sein Debütalbum, um der Welt wieder eine ordentliche Ladung Crunk um die Ohren zu schlagen.

M.i.a.m.i. - Money is a major issue. Schwere Goldketten, Camouflage, blinkende Zahnprothesen, dicke Karren, Bitches, Weed, viel Kohle und tonnenschwere Synthiebeats prägen das gängige Image der neuen Rap-Großmacht Dirrty South, die sich losgelöst von East- und Westcoast lediglich auf den Club konzentriert. Genau in diese Lücke schlägt auch der junge Kubaner, der in der alten Welt erstmals mit seinem Beitrag auf dem 2Fast 2Furious-Soundtrack auf sich aufmerksam machte.

Mit freundlicher Unterstützung des allgegenwärtigen Vorreiters Lil Jon übrigens: Der King Of Crunk produzierte nicht nur das halbe Album selbst, sondern gibt auch in insgesamt vier Tracks seine Rapkünste zum besten. Das funktioniert auch in gewohnter Tanzbarkeit beim Opener "305 Anthem" und ganz besonders bei "That's Nasty", während die Latino-anmutenden Tracks "Toma" und die erste Auskopplung "Culo" einfach zu billig konstruiert wirken. Gloria Estefan mit fetten Bässen? Nein Danke! Für deutsche Rapclubs, die ja nicht gerade für ihren qualitativen Riecher bekannt sind, wird's allerdings dennoch reichen.

Die RnB-Chanteuse der Region Oobie, bekannt von "Kings Of Crunk", darf ihr glasklares Stimmchen auch in die Hooklines dreier Stücke mit einbringen und wirkt dabei so powervoll wie Beyoncé auf diversen Sedativa. Die smoothen Songs der Platte könnten allerdings auch ohne ihre werte Unterstützung keine Wurst vom Teller reißen. Wer Partyrap auf seinen Fahnen stehen hat, sollte auch selbigen machen.

Dann lieber ein Stück wie "Dammit Man" featuring Neuentdeckung Piccallo, das mit Bläsern und diversen Synthies so ziemlich das gesamte Spektrum ausnutzt. Manchmal wissen die Beatbastler allerdings auch nicht, wo Schluss ist: Der Beat von "We Don't Care Bout Ya (ft. Cubo)" aus der Produktion der Diaz Brothers erinnert stellenweise an ganz ganz schwarze Dancefloor-Experimente mitte der Neunziger.

Ab und an traut sich der Pitbull auch ganz ohne Herrchen ans Mic. Die Ergebnisse können sich auch durchaus sehen lassen: Der Kubaner beherrscht mehrere Stile, ob knarzig wie Big Boi oder stakkato wie Eminem, und braucht seine Skillz eigentlich nicht hinter einer namhaften Gästeliste zu verstecken. Und so zählt "Hustler's Withdrawal" gemeinsam mit "Dirty" und "Melting Pot (ft. Trick Daddy)" zu den Höhepunkte eines insgesamt sehr zwiegespaltenen Albums. Tanzbar ist es auf jeden Fall, danach muss man die Pluspunkte allerdings auch schon mit der Lupe suchen gehen. Wer technisch versierten, anspruchsvollen Rap sucht, der sollte seine Finger von dem guten Stück lassen. Diejenigen jedoch, die heftig crunken oder die Bassbox im Auto mal wieder mit Extrembelastungen konfrontieren wollen, kann das Album gewiss zufrieden stellen.

Trackliste

  1. 1. 305 Anthem
  2. 2. Culo
  3. 3. She's Freaky
  4. 4. Shake It Up
  5. 5. Toma
  6. 6. I Wonder
  7. 7. Get On The Floor
  8. 8. Dirty
  9. 9. Dammit Man
  10. 10. We Don't Care Bout Ya
  11. 11. That's Nasty
  12. 12. Back Up
  13. 13. Melting Pot
  14. 14. Hustler's Withdrawal
  15. 15. Hurry Up And Wait
  16. 16. Culo

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