Porträt

laut.de-Biographie

Paul Di'Anno

Er sieht aus wie ein Gangsta-Rapper, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat. Doch der erste Eindruck täuscht: Paul Di'Anno ist ein Heavy Metal-Sänger, der auf den ersten zwei Alben von Iron Maiden eine ordentliche Duftmarke gesetzt hat.

1958 im englischen Essex als Paul Andrews geboren, verdingt sich Di'Anno als Metzger und Koch, bevor er 1978 mit seiner gewaltigen Stimme zur Band von Bassist Steve Harris stößt. Doch weder sein Macho-Look noch seine Vorliebe für Schlägereien, Alkohol und Drogen passen richtig zu einer Combo mit fiesem Bühnenbild aber sanften Umgangsformen. Nach zwei Alben muss Di'Anno 1981 kurz vor dem endgültigen Durchbruch Bruce Dickinson den Platz überlassen.

Zwar äußert sich der geschasste Sänger in Iron Maidens monumentalem Rückblick "The Early Days" (2004) positiv über seinen Nachfolger ("er passt besser zu ihnen als ich"), doch der Groll sitzt tief. "Die Band wurde ausschließlich von Manager Rod Smallwood und Steve Harris geführt. Es gab keinen Platz für dritte. Mein Charakter ist zu stark für so etwas und so lagen Steve und ich uns ständig in den Haaren", erzählt er in einem Interview.

Erst 1984 stellt Di'Anno ein Solodebüt und eine neue Begleitband auf die Beine. Seine Weigerung, Maiden-Stücke zu spielen sowie der exzessive Drogen- und Alkoholkonsum führen aber erneut zu Streitereien, weshalb nach einer kurzen Tour die Angelegenheit beendet ist. Besser sieht es zunächst mit Gogmagog aus, einem ehrgeizigen Projekt des DJs Jonathan King. Mit dabei sind unter anderen auch Janick Gers, später selbst bei Iron Maiden, Def Leppard-Gitarrist Pete Willis und der ehemalige Maiden-Schlagzeuger Clive Burr. Doch statt der geplanten Rockoper entsteht nur eine EP mit drei Stücken.

1986 gründet Di'Anno Battlezone. Mit wechselnder Besetzung nimmt die Combo drei Alben auf und schafft es mit dem Song "I Don't Wanna Know" 1988 sogar in die Heavy Rotation auf MTV. Doch auch hier stehen Auseinandersetzungen an der Tagesordnung, die so weit gehen, dass alle Mitglieder bei einer US-Tour aussteigen. Di'Anno muss sie mit rasch angeheuerten Musiksöldnern zu Ende führen.

Neues Jahrzehnt, neuer Versuch. Zwar ändert sich die Lebensweise des Sängers kaum – er verbringt wegen Totschlags einige Zeit im Knast, eine Ehe geht nach kurzer Zeit in die Brüche, - doch mit Killers bringt er 1991 eine solide Band zusammen, die mit einem Trick auch einen gut dotierten Vertrag erhält. Da sie noch keinen einzigen Song geschrieben haben, spielen sie die Maiden-Klassiker "Wrathchild" und "Phantom Of The Opera" vor. Im Glauben, es handle sich um neues Material, schießen die Vertreter der Plattenfirma 250.000 US$ vor. Killers veröffentlichen drei Alben, bevor sie sich 1997 auflösen.

Kaum weiser, aber älter, führt Di'Anno nach wie vor sein Rock'n'Roll-Leben fort, legt sich ein Hotel mit Restaurant zu und geht ausgiebig auf Tour. Im Heimatland ist er mittlerweile so gut wie unbekannt, in Polen und Brasilien kann er aber auf ein treues Publikum zählen. Um die Kosten einzugrenzen, hat er in verschiedenen Ländern unterschiedlicne Begleitbands.

Im neuen Jahrtausend machen sich Di'Annos Studioauftritte rar. Dafür veröffentlicht er 2002 eine Autobiographie mit dem bezeichnenden Titel "The Beast". 2006 erscheinen auf "The Classics: The Maiden Years" neu eingespielte Versionen von Stücken aus den Alben "Iron Maiden" (1980) und "Killers" (1981).

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