laut.de-Kritik

Alte Maiden-Klassiker im neuen Gewand.

Review von

Das Bild auf dem CD-Cover muss Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre entstanden sein, als Paul DiAnno noch Sänger bei Iron Maiden war: Fieser Blick, böse Stimme, das Aussehen eines Ganoven. Dass die guten alten Zeiten vorbei sind, offenbart ein Blick ins Booklet. Heutzutage ist er fett, hat einen rasierten Schädel und teilt sich eine winzige Bühne mit Begleitern, denen sich das Leben auch nicht von der Sonnenseite gezeigt hat. Keine gute Voraussetzung für die Wiederauflebung einer Lebensphase, die ein Vierteljahrhundert zurück liegt.

Doch der erste Eindruck täuscht. "Wrathchild" markiert den Beginn eines kraftvollen Albums, das erstaunlich gut klingt. Klar, Lea Hart, Bill Liesgang oder Antonio Amante sind nicht Adrian Smith und Dave Murray, aber die Gitarrenarbeit ist ebenso ordentlich wie Bass und Schlagzeug. DiAnnos Stimme klingt etwas tiefer als früher, besitzt aber eine zusätzliche düstere Note, die dem Material nicht schadet.

Die Stücke stammen ausschließlich aus den ersten zwei Alben von Iron Maiden, dem gleichnamigen Debüt (1980) und dem Zweitling "Killers" (1981). Darunter befinden sich Klassiker wie "Running Free", "Iron Maiden" und "Sanctuary", die heutzutage immer noch zum Grundrepertoire von DiAnnos ehemaligen Kollegen gehören, aber auch seltener gespielte Lieder wie "Phantom Of The Opera" und "Strange World".

Iron Maiden machen mit ihrem Backkatalog immer noch ordentlich Reibach - zuletzt 2004 mit der DVD-Anthologie "The Early Days" und der dazugehörigen Tour. Mit Bruce Dickinson entwickelte sich das das Masköttchen Eddie zum sechsten festen Mitglied der Band, deren Shows sich in so etwas wie eine Metal-Oper verwandelten. Ursprünglich ging es jedoch ausschließlich um die Musik. Diesen Aspekt führt uns DiAnno auf diesem Album wieder vor Augen - mit einer Minimalproduktion, die wohl kaum in den Charts landen wird, dafür aber die Erinnerung an die einzigen musikalischen Erfolge seines Lebens auffrischt.

Trackliste

  1. 1. Wrathchild
  2. 2. Strange World
  3. 3. Charlotte The Harlot
  4. 4. Killers
  5. 5. Prowler
  6. 6. Murders In The Rue Morgue
  7. 7. Running Free
  8. 8. Remember Tomorrow
  9. 9. Phantom Of The Opera
  10. 10. Sanctuary
  11. 11. Women In Uniform
  12. 12. Iron Maiden

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5 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Paule versucht den Klassikern durch einen aggressiveren Gesangsstil einen neuen Anstrich zu verpassen (auch der eine oder andere Death-Growl wird eingebaut, was, zumindest bei "Killers", ganz gut passt), aber das Experiment funktioniert nur zum Teil, da zumindest der instrumentale Teil des Albums einfach zu nah an den Originalen bleibt. Ein bissel mehr Experimentierfreude statt simplem Nachspielen hätte dem Ganzen doch etwas mehr Daseinsberechtigung gegeben. Mir persönlich gefällt auch die Produktion der Songs auf den beiden Originalen irgendwie besser (Ja, auch auf der "Iron Maiden"). Keine Frage, "The Classics" ist gut geworden und Paul immer noch ein Spitzen-Sänger, aber die Original-Aufnahmen sagen mir irgendwie mehr zu.

  • Vor 8 Jahren

    schade, ich liebe die ersten beiden Iron Maiden-Alben mit Pauls charismatischer Stimme, aber kotzhafte "growls" will ich nun wirklich nicht von ihm hören.
    dabei hätte gerade das debüt wegen dem schwachen sound eine neuaufnahme gebraucht...

  • Vor 8 Jahren

    Ich finde den Sound vom Debüt klasse, passt doch wie die Faust aufs Auge. Und die Remaster-Version von 1998 hat auch genug Bumms.

  • Vor 8 Jahren

    und teilt sich eine winzige Bühne mit Begleitern, denen sich das Leben auch nicht von der Sonnenseite gezeigt hat.

    herrlich :D

    bei mir ging der di anno eher immer ein wenig unter dem teppich.

    ich mag die songs der beiden ersten scheiben zwar, aber diese kultische verehrung der di anno stimme, die man oft trifft, will sich mir nicht erschliessen.

    dickinsons running free gefällt mir da gesanglich besser.

    ist aber nur ein persönlichens geschmacksding.
    doch zum glück habe ja geschmack

  • Vor 8 Jahren

    Also ich finde, zu den ersten beiden Platten passt DiAnno perfekt. Zu Dickinson passen Songs wie "Wrathchild" oder "Running Free" einfach nicht, allerdings sind die Dickinson-Versionen der Songs aus der Blaze-Phase wie "The Clansman" oder "Sign of the cross" besser als die Album-Versionen.