Porträt

laut.de-Biographie

Nicky Hopkins

Die Karriere eines Session-Musikers verläuft laut Charlie McCoy (selbst ein Session-Musiker) wie folgt: 1) Wer ist Charlie McCoy? 2) Besorgt mir Charlie McCoy! 3) Besorgt mir einen Typen wie Charlie McCoy, nur jünger. 4) Wer ist Charlie McCoy? So lässt sich auch das Leben von Nicky Hopkins gut zusammenfassen.

1944 in London geboren, legt Hopkins in seiner Kindheit ein außergewöhnliches Talent fürs Klavierspielen an den Tag. Als Jugendlicher ist er Mitglied verschiedener Bands und tourt bereist mit 16 mit dem Proto-Shock-Rocker Screaming Lord Sutch.

Das Zeug zum Rock'n'Roll-Star hat er jedoch nicht. Körperlich gebrechlich, verbringt er als 19-Jähriger fast zwei Jahre in einer Klinik. Die Diagnose Morbus Crohn erfolgt erst viele Jahre später. Seine Zeitgenossen beschreiben ihn als extrem dünne, fast gespenstische und kettenrauchende Erscheinung.

Am Klavier legt Hopkins seine Schüchternheit beiseite. Sein labiler Gesundheitszustand erlaubt ihm nicht, für längere Zeit auf Tour zu gehen, doch ist er bald der gefragteste Session-Pianist in London. Als solcher ist er in den Swinging Sixties mit fast jeder namhaften Band zu hören, von The Who über Beatles bis zu den Kinks. Bei den Rolling Stones steht er kurz davor, als festes Mitglied einzusteigen. Eine Tour mit Jeff Beck durch die USA zeigt jedoch noch einmal mehr, dass er körperlich nicht in der Lage ist, für lange Zeit auf Reisen zu gehen.

1969 siedelt Hopkins nach Los Angeles über, wo die Honorare wesentlich höher sind als in London. Im selben Jahr spielt mir mit Jefferson Airplane auf dem Woodstock-Festival und schließt sich Quicksilver Messenger Service an, mit denen er drei Alben veröffentlicht. Das Stück "Edward, The Mad Shirt Grinder" steht im Nachhinein stellvertretend für sein Talent.

1970 heiratet er das Groupie Dolly Van Orden, die ihn in eine Drogen- und Alkoholspirale mitreißt. Seine Solokarriere verläuft nach zwei erfolglosen Alben im Sand, auch die Aufträge werden spärlicher, da er sich immer unzuverlässiger zeigt.

Dem Tod näher als dem Leben, schließt sich Hopkins zu Beginn der 80er Jahre Scientology an und geht auf Entzug. Da er in Los Angeles in Vergessenheit gerät, zieht er abgebrannt nach England zurück.

Mit Aufträgen von Paul McCartney und Art Garfunkel hält er sich über Wasser. Doch auch in London erinnert sich kaum noch jemand an ihn. Mit seiner zweiten Frau Moira Buchanan zieht er 1986 wieder nach Los Angeles, wo er sich als Soundtrack-Komponist für japanische Spielfilme versucht.

Sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich jedoch zunehmend. Schließlich zieht das Paar nach Nashville, um einen Neustart in der Hauptstadt des Country zu wagen. Doch daraus wird nichts: Am 6. September 1994 stirbt Hopkins im Alter von 50 Jahren.

Sein Namen bleibt dank Stücken wie "Sympathy For The Devil", "My Generation" oder "Jealous Guy" in Erinnerung. 2010 erscheint zudem im Heyne-Verlag eine liebevolle wie akribisch recherchierte Biographie des britischen Singer/Songwriters Julian Dawson.

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