Porträt

laut.de-Biographie

Jefferson Airplane

Kaum eine Band steht so sehr für Frieden, Liebe und Bewusstsein erweiternde Drogen wie Jefferson Airplane. Mit Grateful Dead bildeten sie die Speerspitze der Hippie-Musik, die Mitte der 60er Jahre in San Francisco entstand. Interne Streitereien führten jedoch dazu, dass sie sich nach nur wenigen Jahren auflösten. Ihr Ruhm gründet auf eine Handvoll Hits und Auftritte bei den bekanntesten Festivals ihrer Zeit.

Jefferson Airplane kommen 1965 in der Besetzung Marty Balin und Signe Anderson (Gesang), Paul Kantner (Rhythmusgitarre) und Jorma Kaukonen (Leadgitarre) zusammen. Den Namen erhalten sie von dem Bluesmusiker Steve Talbot, der Kaukonen in Anlehnung an Blind Lemon Jefferson mit "Blind Thomas Jefferson Airplane" tituliert. Jack Casady (Bass) und Skip Spence (Schlagzeug) vervollständigen wenige Monate später die Line-Up.

Mit Balins Kompositionen, Kaukonens Gitarre und dem untypischen Mann/Frau Gesang machen sich JA in Kalifornien einen Namen und treten mit bekannten Bands wie Byrds, Beach Boys oder Big Brother & The Holding Company auf. Ihr erstes Album "Jefferson Airplane Takes Off" erscheint im September 1966, der Durchbruch gelingt ihnen wenig später, nachdem Grace Slick Anderson am Mikrophon abgelöst hat.

Das Teilzeitmodel hat erst wenig Erfahrung mit Rockmusik und ist mit 27 schon relativ alt, dennoch steigt sie schnell zum Mittelpunkt der Bandtätigkeit auf. Zudem bringt sie mit "Somebody To Love" und "White Rabbit" die zwei erfolgreichsten Singles von JA mit. Beide schaffen es 1967 in die Top Ten, das dazugehörige Album "Surrealistic Pillow" erreicht Platz drei der US-Albumcharts.

Mit Spencer Dryden an der Stelle von Skip
Spence beginnt die erfolgreichste Phase der Band. Sie treten beim Monterey Pop Festival auf, touren durch Europa mit den Doors, stellen das Cover einer Ausgabe des einflussreichen Magazin Life. Slick macht nicht nur mit ihrem ansehnlichen Äußeren und ihrer markanten Stimme von sich reden: Für einen Fernsehauftritt färbt sie sich das Gesicht schwarz, bei einem Konzert tritt sie oben ohne auf, um nach eigenen Angaben ihre Bluse nicht nass zu machen, bei einem anderen verkleidet sie sich als Adolf Hitler. Dass sie zunehmende Alkoholprobleme hat, ist ein offenes Geheimnis.

Ihre zentrale Position stößt innerhalb der Band auf wenig Gegenliebe. Dem Hauptsongwriter Balin stößt es sauer auf, dass sein Einfluss schwindet, obwohl er mit "Volunteers" 1969 den letzten großen Hit abliefert und JA zu einem der Hauptakt beim Woodstock Festival macht. Ein Jahr später steigen erst Dryden und dann Kaukonen aus, der mit Casady Hot Tuna gründet. Slick bringt ein Kind mit Kantner auf die Welt, frönt aber weiterhin dem Alkohol und kommt knapp mit dem Leben davon, als sie mit ihrem Sportwagen in der Nähe der Golden Gate Bridge gegen eine Wand kracht. 1972 gelingt JA mit dem Album "Bark" auf ihrem eigenen Label Grunt ein letzter Erfolg (Position 11 der Charts), bevor sie sich Ende des Jahres auflösen.

Nach ihrem erfolglosen Solodebüt "Manhole" rufen Slick und Kantner 1974 die von Balin unterstützte Nachfolgeband Jefferson Starship ins Leben. Nach einem Achtungserfolg mit Dragon Fly (1974) stehen sie ein Jahr später zur Überraschung aller Beteiligten plötzlich an der Spitze: Von der Ballade "Miracles" angetrieben, hält sich das Album "Red Octopus" drei Wochen lang an der Spitze der Charts und verkauft sich über zwei Millionen Mal. "Spitfire" kann 1976 den Erfolg bestätigen.

Slicks Alkoholprobleme sind aber nicht behoben und sorgen wie ihre wechselnde Liebschaften für zunehmende Spannung, die sich 1978 vor einem Auftritt beim Loreley-Festival entlädt: Betrunken erklärt die Sängerin aus heiterem Himmel, dass sie die Band verlassen möchte. Es entwickelt sich eine Schlägerei, die zur Absage des Konzertes führt, was das Publikum in Rage versetzt. Die aufgebrachte Menge demoliert daraufhin die Bühne und das gesamte Tour-Equipment der Band.

Mit Kantner als letzem Originalmitglied und Mickey Thomas als neuem Sänger, wandern Jefferson Starship in die Hardrock-Ecke. "Freedom At Point Zero (1979)" schafft es in die Top Ten. Zwei Jahre später ist auf "Modern Times" Slick wieder dabei. Mit ihr schlägt die Band wieder poppigere Töne an, "Wind Of Change" (1982) sowie "Nuclear Furniture" schaffen es aber nicht, an die vergangenen Erfolge anzuknüpfen.

Unzufrieden mit der neuen Entwicklung ist es nun Kantner, der die Band verlässt. Aus rechtlichen Gründen nennt Slick ihre Combo in Starship um und baut den radiotauglichen Kurs aus. Der Schritt macht sich bezahlt: Das mit Elton Johns Texter Bernard Taupin geschriebene "We Built This City" erreicht 1985 die Nummer eins. Die mittlerweile 46-jährige Slick ist damit die älteste Frau, die bis zu diesem Zeitpunkt die Charts anführte. Den Erfolg bestätigen sie ein Jahr später mit "Sara" (ebenfalls Nr. 1), den absoluten Kracher landen sie jedoch 1987 "Nothing's Gonna Stop Us Now", der kommerzielle Höhepunkt in der Geschichte der Band.

1988 entscheidet die Sängerin, Starship zu verlassen, weil sie zu alt sei. Parallel kommen einige der alten Airplane-Mitglieder für einen Auftritt wieder zusammen. Die Reunion-Gerüchte bestätigen sich in Jahr später, als sich das klassische Lineup der 60er Jahre mit dem schlicht betitelten "Jefferson Airplane" zurück meldet. Das Album ist jedoch genauso ein Flop wie die anschließende Tour, die der Rolling Stone als "most unwelcome comeback of the year" bezeichnet. Beleidigt löst sich die Band auf – diesmal endgültig.

Oder doch nicht? Slick erklärt zwar ihren Rücktritt vom Musikgeschäft, Kantner, Casady und einige weitere ehemalige Mitglieder touren in bis in die Gegenwart als Jefferson Starship: The Next Generation. Bis auf Slicks 1998 veröffentlichte Autobiografie "Somebody to Love? A Rock and Roll Memoir" ist es um sie aber ruhig geworden.

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