laut.de-Kritik

Am Zentralfriedhof mit Lana, Nirvana und Robbie Williams.

Review von

Eigentlich passt es wie die Faust aufs Augerl. Die Band mit dem herrlich kuriosen Namen veröffentlicht ein Abschiedsalbum, nachdem sie eigentlich von Beginn an über Tod und Aufhören singen, spielen und erzählen. Typisch Wien, immer einen Trauermarsch auf den Lippen.

Aber auch der Schmäh ist meist auf ihrer Seite, vor allem der der grundlegenden Idee, ein paar Songs aus allen Epochen der Popkultur mit österreichischem Lokalkolorit zu versehen und ordentlich düstere Schaurigkeit drüber auszuschütten. Den Covers stehen auf "Loss Mas Bleibm" genauso viele Eigenkompositionen der vier Herren Pfister, Ostermayer, Zikmund und Fuchs gegenüber, allesamt Haudegen des österreichischen Radiosenders FM4.

Diese Coverversionen sind es aber, die die Neigungsgruppe besonders macht, ob sie wollen oder nicht. Lana Del Reys "Video Games" wird in "Video Spü" zur traurigen Abhandlung einer armseligen Romanze, die nur ein logisches Ende kennt: "Schatzi, i mecht sterben". Mit einer rauschenden Version von Neutral Milk Hotels großartigem "In An Aeroplane Over The Sea", das der Einfachkeit halber "Fluchzeig" getauft wurde, machen sie auch alles richtig, vor allem die durchgehend treffsichere Übersetzung ins Wienerische.

Auch die Songauswahl bei Nirvana ist mit "School" ("Geh Kumm Hearst") clever gewählt. Die kurze Lärmorgie tut dem Album sichtlich gut, da bis zu diesem Zeitpunkt der Klangkosmos aus Heimorgel und Drummachine dominiert. Velvet Underground ("I Hob An Grund") versinkt zudem noch in Schlagersynths, da hilft auch Soap&Skin nicht mehr.

Totengräber Ludwig Hirschs "I Lieg Am Ruckn" scheint dafür wieder wie für die Neigungsgruppe gemacht und Robbie Williams' "Better Man" (hier "A Guada Mann") könnte in der hier dargebotenen Version eigentlich ja vom zu früh verstorbenen Georg Danzer stammen, Österreichs unauffälligstem Austropop-Helden.

Ambition kann man auch den eigenen Werken nicht absprechen. Fritz Ostermayer beispielsweise ist mit seiner sonoren Stimme der Mann für die großen Gefühle im Hinterhof, die am besten auf "Eskimo Girls" in Worte verpackt werden. "Kumm ziag di aus, und mach ma an Steifen, mei Lebm is nur mehr a Pannenstreifen". Im krassen Gegensatz dazu bemüht sich David Pfister sehr stark um die Kratzbürstigkeit auf "Spiegelgrund" und "Lenzibald", die jede Gefälligkeit rasch austreiben.

Alle Töne der Grauskala werden mit morbid melancholischem Charme ausgepackt, von einer Band, die sich selbst von dieser Welt verabschiedet. "Bei jedem Begräbnis gibt es einen guten Lacher", sang einst Marcus Wiebusch. Und solche gibts auf "Loss Mas Bleibm" bei aller Ernsthaftigkeit natürlich auch. Vielleicht ist gar die ganze Platte nur ein großangelegter Schmäh, und sie kommen in vier Monaten wieder zurück, Best Of-Album und Wiederauferstehungs-Tour inklusive. Das würde man dann, wie dieses Album, einordnen irgendwo zwischen Leiwand und Geht's scheißen.

Trackliste

  1. 1. Foi Net Um
  2. 2. Video Spü
  3. 3. Fluchzeig
  4. 4. Eskimo Girls
  5. 5. Spiegelgrund
  6. 6. Bar Zu Den Sieben Plagen
  7. 7. I Hob An Grund
  8. 8. A Guada Mann
  9. 9. Geh Kumm Hearst
  10. 10. Lenzibald
  11. 11. I Lieg Am Ruckn
  12. 12. Der Blitz
  13. 13. Alles Muss Zu Einem Ende Kommen
  14. 14. Wüde Hund

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