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Milonair

Gewalt, Drogen, Gitterstäbe: Die Zeit vor dem Einstieg ins Musikbusiness war für den Hamburger Rapper Milonair kein Zuckerschlecken: "Ich saß mit 14 das erste Mal im Knast", sagt der gebürtige Teheraner.

Kiffertag 4/20: Rote Augen, Rausch und Euphorie
Kiffertag 4/20 Rote Augen, Rausch und Euphorie
Weltweit huldigen heute Cannabis-Freunde dem grünen Kraut. Milonair, Mosh36 und Curren$y gratulieren musikalisch.
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Teheran, 1986: Der kleine Milad M. ist noch keine 40 Tage auf der Welt, als ihn seine Eltern in den Kinderwagen setzen und mit ihm nach Deutschland flüchten. Fernab vom Krieg und der Armut im Iran wollen Milads Eltern ihrem Sohn ein besseres Leben bieten.

In Hamburg findet die Familie Unterschlupf bei einem Onkel. Milad tut sich jedoch schwer in der neuen Umgebung. Bereits in der Grundschule fliegen die Fäuste. Nach der zweiten Klasse muss Milad schon die Schule wechseln:

"Als Kanacke hatte man es damals in Hamburg nicht leicht. Überall wurde ich blöde angeguckt und angemacht. Irgendwann schlägt man dann zurück", erinnert sich Milad.

Bis zum Eintritt in die Oberstufe lässt es der fußballbegeisterte Außenseiter so richtig krachen. Schule schwänzen, Nachbarkinder abziehen, auf dicke Hose machen: Milad ist ein Kind der Straße. Am Nikolaustag schleicht er sogar mit Freunden durch die Treppenhäuser und klaut Dutzenden Gleichaltriger die Schokolade aus den Schuhen.

Milad fühlt sich abgewiesen und benachteiligt: "Wir hatten einfach nichts. Die Deutschen wurden immer überschüttet mit Geschenken. Bei uns gab es höchstens mal 'ne neue Jacke zum Geburtstag. Das hat mich tierisch genervt. Ich fand das ungerecht."

Mit Beginn der Pubertät wird es noch schlimmer. Milan fängt an zu trinken, raucht Gras und streift mit einem gefälschten Ausweis durch die Hamburger Diskotheken. Mit 14 beteiligt er sich an einer Einbruchserie und wandert dafür das erste Mal hinter Gittern.

Wieder draußen, geht es unbeirrt weiter. Schlägereien und Drogen bestimmen Milads Alltag. Irgendwann wird es richtig eng. Die Sammelklagen häufen sich. Als der Wahl-Hamburger mit einem Kilo Kokain erwischt wird, ist der Ofen erst einmal aus.

Milonair - AMG Aktuelles Album
Milonair AMG
Ordentlicher Auftakt des Hamburger Azzlacks.

Milad muss erneut in den Knast. Diesmal für fast vier Jahre. Im Gefängnis geht ihm ein Licht auf: "Ich war so angepisst von der Situation und hatte das Bedürfnis, mich von dem ganzen Scheiß zu befreien. Der Hip Hop hat mich dann gerettet."

Milad beginnt, seine verkorkste Jugend in Reime zu verpacken. Wieder in Freiheit, klopfen ihm im Jahr 2012 auf einmal jede Menge Leute auf die Schultern – darunter auch Azzlack-Ikone Haftbefehl. Von nun an geht alles ganz schnell.

Milad nennt sich jetzt Milonair. Er veröffentlicht einen Doppeltrack auf Aggro-TV, wird Teil der fünften Staffel von HDF und sorgt mit dem Song "Hamburg – Meine Stadt" nicht nur in seiner Wahlheimat für Furore.

Im Dezember 2012 eröffnet er den Remix von Haftbefehls erster Single des in Januar 2013 erscheinenden Albums "Blockplatin". Mit dem Azzlack-Label im Rücken kümmert sich Milonair in der Folge um die Produktion seines Debütalbums "AMG", das er im März 2014 veröffentlicht.

Trotz steigender Popularität bleibt der Rapper tiefenentspannt: "Ich mache mir keinen Kopf. Wenn es läuft, dann läufts. Wenn nicht? Auch gut. Ich bin Privatier und rappe eigentlich nur aus Leidenschaft. Ich werde nicht vor die Hunde gehen, wenn in drei Jahren keiner mehr mit meinem Zeugs was anzufangen weiß."

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Milonair - AMG: Album-Cover
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2014 AMG

Kritik von Friedrich Wassermann

Ordentlicher Auftakt des Hamburger Azzlacks. (0 Kommentare)

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