Porträt

laut.de-Biographie

Matt Bianco

Da stilistisch der Latin-Pop-Jazz-Pfad mehr als ausgetrampelt ist, bringt ihnen ihre naiv-ahnungslose Lounge-Mugge mittlerweile mancherorts den Vorwurf der Beliebigkeit ein. Muzak rufen böse Zungen. Damals, Mitte der 80er, als Punk und New Wave dem Habitus des 'No Future' frönten, war das freilich anders. Die "Yuppie-Bands" Sade, Working Week und Matt Bianco bedienten mit ihrer leichtfüßigen Musik die Harmonie- und Wonne-Gefühle der Menschen. Heutzutage erledigen das beispielsweise Diana Krall und Norah Jones.

Matt Bianco hatten sich damals für sanften Jazz-Pop auf einem Latin-Rhythmus-Fundament entschieden, dem sie mit "Matt's Mood" (2004) auch 20 Jahre nach ihrem Debüt treu bleiben. Da die Urbesetzung von Matt Bianco nach "Whose Side Are You On?" (1984) getrennte Wege geht, ist für viele Fans der ersten Stunde "Matt's Mood" das reguläre zweite Album der Formation. Aber der Reihe nach.

Anfang der 80er treffen Danny White (Keyboards) und Mark Reilly (Gesang) in der englischen Jazz-Pop-Band Rondo À La Turk aufeinander. Aus deren Asche sprießen 1982 die ersten musikalischen Vorstellungen zu einem gemeinsamen Projekt. "Wir spürten, dass wir eine Sängerin brauchten", erinnert sich Mark. Danny erinnert sich derweil an die polnische Sängerin Basia Trzetrzelewska, die er kurz zuvor kennen gelernt hatte. "Als sie bei uns vorsang, verschlug es mir den Atem", gesteht Mark Reilly. Ihre Stimme ergänzte Marks brasilianisierte Popvisionen perfekt.

Matt Bianco war komplett und es konnte losgehen. "Wir mixten damals Jazz mit Latin-Rhythmen und Pop, waren uns aber gar nicht sicher, ob irgendwer das überhaupt hören wollte", erinnert sich Mark Reilly. Warner Brothers lässt sich überzeugen und gibt dem Trio einen Vertrag über zwei Single-Veröffentlichungen. 1984 erscheint die Erste "Get Out Of Your Lazy Bed" und steigt sofort auf Platz 15 der Pop-Charts ein.

Die zweite Single "Sneaking Out The Back Door" war reine Formsache, und noch im selben Jahr erscheint das Debütalbum "Whose Side Are You On?", das mit dem Titelsong, "More Than I Can Bear und "Half A Minute" noch drei weitere unvergessliche Hits enthält. Ihre Vorliebe für Soundtrack-artige Instrumentalnummern erklärt sich übrigens aus dem Bandnamen: "Matt Bianco ist der Name eines von uns erfundenen Geheimagenten. Wir waren damals ziemlich in Spionagefilme und die dazugehörige Musik vernarrt."

Nach der Singleauskopplung "Half A Minute" trennen sich die Wege der Erfolgscombo. Danny White und Basia Trzetrzelewska veröffentlichen unter Basias (Vor-)Namen fünf Alben, die vor allem in den USA und in Fernost erfolgreich sind. Mark Reilly macht unter der Marke Matt Bianco weiter. Zusammen mit dem Pianisten Mark Fisher veröffentlicht er acht weitere, mehr oder weniger erfolgreiche Matt Bianco-Alben.

2004 ist die Zeit für eine Reunion reif. "Wir haben alle immer gerne an die Anfangszeit von Matt Bianco zurückgedacht. Danny besuchte mich irgendwann in meinem Studio und dabei entstand spontan die Idee einer Reunion", sinniert Reilly. Nachdem auch Basia sofort begeistert war, gehen die drei mit geballter nostalgischer Kraft ans Werk und zaubern zehn entspannte und groovige Songs aus ihren Hüten.

Für viele Matt Bianco-Fans der ersten Stunde steht fest, dass "Matt's Mood" das legitime zweite Album der Band ist. Dessen ungeachtet, erscheint "Hi-Fi Bossanova" (2009) in der Besetzung von 2002, mit Mark Reilly und Mark Fisher.

Alben

Matt Bianco - Matt's Mood: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2004 Matt's Mood

Kritik von Kai Kopp

Neues von den Urvätern und Vorreitern aller Brazil-Hypes. (0 Kommentare)

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