Porträt

laut.de-Biographie

Liars

New York und seine heißen Dinger. Im Fahrwasser der Strokes brütet die florierende Musikszene der Stadt mit den vier Liars innerhalb eines Jahres einen weiteren hochkarätigen Kandiaten in den Hochhausschluchten aus. Wem im Rockstarbiz alles zu schnell geht, der sollte sich mal mit diesen Jungs unterhalten. Denen kann es gar nicht schnell genug gehen.

Liars - Mess
Liars Mess
"Take my pants off, smell my socks!"
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Ihren Ursprung findet die Band im sonnigen Los Angeles, wo Sänger Angus Andrew und Gitarrist Aaron Hemphill ihre Ideen gemeinsam auf Tape bannen. Mehr als hobbymäßiges Homerecording passiert allerdings nicht. Erst als beide in den Big Apple übersiedeln und dort Basser Pat Nature und Drummer Ron Alberston treffen, gewinnt das Lügenmärchen so richtig an Fahrt.

Obwohl das Quartett erst im Januar 2001 auf der Bühne des Brownies Club debütiert, kann die wilde und völlig durchgedrehte Mischung aus Punk und Elektronik bereits wenig später einen Plattenvertrag mit dem kleinen Label Gern Blandsten vorweisen. Ratzfatz spielen Andrew und Co. in zwei lächerlichen Tagen mit Steve Revitte (Beastie Boys, Jon Spencer Blues Explosion) neun Stücke ein, die in den USA am 30. Oktober unter dem Titel "They Threw Us All In A Trench And Stuck A Monument On Top" veröffentlicht werden.

Keine Frage, wer sich solche Wortkaskaden ausdenkt, muss was an der Waffel haben. Der Blick auf den australischen Sänger Angus während einer Live-Performance unterstreicht diese These. Auf der Bühne legen die Liars nämlich ein wahnsinniges Punkshow-Brett hin, an dem man sich erst mal messen muss. Deftige und irrsinnig schnelle Gitarrenriffs ergeben, gepaart mit elektronischem Fiepsen und Knöpfchengedrehe, ein schwer verdauliches Chaos, das einem erst Tage später richtig bewusst wird. Da ist die Anstalt nicht weit, Bewunderung bleibt aber auch nicht lange hinterm Berg - New Yorker No Wave-Kunstanspruch in Fleischwerdung eben.

Von der intensiven Live-Erfahrung zeigt sich auch Blast First-Chef Paul Smith sichtlich beeindruckt, als er dieses Schauspiel im Dezember 2001 in New York erlebt. Zwei Monate später unterschreibt die Band einen weltweiten Vertrag mit Blast First/Mute, da man der Meinung ist, mit der bisherigen Plattenfirma nicht weit und schnell genug vorwärts zu kommen. Das klappt mit Mute im Rücken natürlich wunderbar, und die Sache nimmt ihren schnurgeraden Weg Richtung Untergrund-Topthema.

Im Juni 2002 eröffnet das Quartett dann schon für Sonic Youth. In Deutschland erscheint das erste Album im August 2002, wo die Liars schnellstens im Garagenhype-Topf landen, mit dem sie sich eigentlich überhaupt nichts zu tun haben wollen.

Nachdem die zwei ursprünglichen Member Angus und Aaron ihre zwei Rekruten Pat und Ron aus dem Boot werfen, verschanzen sie sich mit dem neuen Bandmitglied Julian Gross in den tiefen Wäldern von New Jersey. Angefixt vom mystizistischen Brauchtum der Walpurgisnacht bauen die Liars ein Konzeptalbum um eine von Angus erfundene Geschichte auf, die vom Kampf der Hexen und einem Dorf von Christen handelt. "They We're Wrong So We Drowned" hat mit abgefucktem Rock'n'Roll nicht mehr allzu viel zu tun. Stattdessen machen dem Hörer seltsame Soundkollagen und krumme Atonalität die Aufwartung. Die Musikpresse reagiert äußerst gespalten.

Konzeptionell und experimentell sind auch bei der dritten LP entscheidende Adjektive. "Drum's Not Dead" feiert im Februar 2006 die Rückkehr zum rhythmusbasierten Minimalismus. Der Großteil der erneut dunkel gehaltenen Stücke setzt auf die drückende Kraft zweier Drumsets. Auf diesem Fundament inszenieren die Interims-Berliner/Avantgardisten ein Duell der fiktiven Charaktere Drum und Mount Heart Attack. Sie repräsentieren positive Energie und Selbstzweifel - Seinszustände, die laut Eigenaussage den Schaffensprozess der Platte passend beschreiben.

Die Rückkehr aus der Kakophonie in die Kartharsis begleiten insgesamt 36 mehr oder minder interessante Videoclips auf einer beiliegenden DVD. Andrew und Gross führten dabei ebenso Regie wie der preisgekrönte Filmemacher Markus Wambsganss. Darüber hinaus enthält "Drum's Not Dead" ein für Liars-Verhältnisse geradezu revolutionär poppiges Schlussstück. Prognosen über die zukünftige musikalische Entwicklung des Trios darf man sich fortan endgültig sparen. Spannend bleibt es allemal.

Alben

Liars - Mess: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2014 Mess

Kritik von Matthias Manthe

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