Porträt

laut.de-Biographie

Kristofer Aström

Das Fireside-Korsett ist ihm irgendwann einfach zu eng: Der emotionale Post-Hardcore der Marke Quicksand bietet Kristofer Aström keinen Raum, andere Seiten seiner Persönlichkeit musikalisch zum Ausdruck zu bringen. Wie drei seiner Bandkollegen startet der Fireside-Sänger und Gitarrist daher 1998 ein Nebenprojekt. Schnell findet der eigentlich menschenscheue Mann passende Mitmusiker, die ihn fortan unter dem Titel The Hidden Truck begleiten. Per Nordmark nimmt hinter den Drums Platz, Peter Hermansson am Piano und John Jern bedient den Viersaiter.

Bewaffnet zumeist nur mit seiner Klampfe und den Ideen im Kopf, schreibt Aström für "Go, Went, Gone" introvertierte Songperlen, in denen die Lyrics im Mittelpunkt stehen. Meloncholisch erzählt er von unerwiderter Liebe und Isolation; auch die Heimatstadt Stockholm bezeichnet Aström als Ursache für die düstere Grundstimmung. Die spärlich instrumentierten Stücke entfalten sich am besten vor dem Kamin, wenn draußen die Schneeflocken rieseln und die Einsamkeit die Seele bedrückt. Schlichter Country'n'Folk, der berührt.

Auf dem Nachfolger, hierzulande nach viel Ärger mit Festplatten-Crashs 2002 veröffentlicht, bezieht der Singer/Songwriter erstmals The Hidden Truck voll mit ein. Inhaltlich bietet "Northern Blues" vergleichbare Kost wie das Debüt, musikalisch erweitern dezent rauhere Passagen wie "Not There" das Klangbild. Kristofer Aströms Bekanntheitsgrad in Deutschland steigt mit dem hervorragend produzierten Album weiter an.

Noch im selben Jahr erscheint das größtenteils spontan in einer feucht-fröhlichen Nacht im Studio entstandene Drittwerk. Als Folge kommt "Leaving Songs" wieder reduzierter daher, bewahrt aber die Aura des sympathischen Einzelgängers. In "You Think You Don't Know Me" verbreitet der Schwede mit auf die Spitze getriebenem Country-Flair sogar gute Laune.

Nach der 2003er-EP "Dead End" gibt es im Sommer 2004 mit "Loupita" Nachschub. Ausgerechnet, möchte man rufen, denn unpassender könnte die Jahreszeit für die traurigen Kleinode nicht sein. Zwar enthält das ohne Hidden Truck entstandene "Loupita" wenig Neues, dafür perfektioniert Aström seinen vertonten Schwermut - was die Fans freut. Ein Highlight ist das Duett "The Wild" mit Britta Persson.

Das Stück findet in überarbeiteter Version auch den Weg auf das 2005er Album "So Much For Staying Alive". Zu dieser Zeit zieht der Schwede von der Großstadt Stockholm in den Wald vor Göteborg. "Weil ich Stockholm kalt und unfreundlich fand", gibt er lapidar zu verstehen. Wie nie zuvor lässt der Einzelgänger auf dem Werk Gitarren sprechen, doch auch Fans des ruhigen Aströms kommen nicht zu kurz. Laute und leise Passagen halten sich auf der Platte gekonnt die Waage.

Für das pathetisch betitelte "Rainaway Town" verzichtet Aström, der bekanntlich die Abwechslung liebt, ein weiteres Mal auf die Dienste seiner punkigen Backup-Band Hidden Truck zurück. Stattdessen sammelt er die Rainaways um sich, die aus einem Blues- und Countrykontext entstammen. Nichtsdestotrotz entpuppt sich die Platte als die bislang poppigste und zuversichtlichste im Oeuvre des Künstlers. Und wie um das Musikalische zu unterstreichen, ergänzt Aström im Interview: "Ich bin ein happy Camper! Ich habe viele Freunde und gehe oft aus." Aus seinen (seltenen) Depressionen entstünden lediglich die interessanteren Songs.

Alben

Kristofer Aström - Sinkadus: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 Sinkadus

Kritik von Christoph Dorner

Der einsamste Wolf unter den Songwritern ist zurück. (0 Kommentare)

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