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Kellermensch

"Kellermensch sind wie eine musikalische Sonnenfinsternis: Kalt-warm im Wechselspiel, dunkelschön, aber strahlend zugleich", heißt es großspurig im Promo-Text zum Debüt. Auch wenn man diesen Texten nicht immer Glauben schenken sollte, trifft er diesmal voll ins Schwarze. Kellermensch aus Dänemark sind etwas ganz besonderes.

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Das macht sich schon beim Bandnamen bemerkbar, der von einer Dostojewski-Novelle inspiriert ist: "Aufzeichnungen Aus Dem Kellerloch". Ob Kellermensch wirklich in einem Kellerloch ihre Songs schreiben, ist nicht geklärt. Sicher ist aber, dass sechs durchgeknallte Männer die Band 2006 im dänischen Esbjerg gründen: Christian Sindermann (Gesang), Sebastian Wolff (Gitarre, Gesang), Anders Trans (Drums), Claudio Wolff Suez (Bass), Jan V. Laursen (Gitarre) und John V. Laursen (Kontrabass). Dazu kommen Streicher, Piano und auch einmal eine Hammond-Orgel.

Den Ursprung des Namens erklärt Wolff in einem Interview folgendermaßen: "Der Roman 'Kellermensch' ist eine Art Fahnenträger für das, was wir mit unserer Musik rüberbringen wollten. Es ist praktisch das Tagebuch eines bedeutungslosen Mannes, voll mit seinen Problemen, die eigentlich ziemlich unspektakulär sin, keine Mordverschwörungen oder Kriegsszenarien, nur der Kampf eines Mannes, der die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen will. So sahen wir unsere Musik und das Buch war gleichzeitig der Beweis, dass es machbar war."

Bereits 2009 erscheint "Kellermensch", während die Jungs bereits am Nachfolger arbeiten. Dazwischen kommt noch eine EP mit dem Namen "Narcissus" heraus.

Die sechs Dänen avancieren mit dem Re-Release des Debüts 2011 zu absoluten Kritiker-Lieblingen. "Der heißeste Underground-Rock-Act seit Jahren", behauptet zum Beispiel Classic Rock. Die Visions schreibt: "Die Dänen öffnen Herzen, Münder und kreative Horizonte." Sogar der Spiegel nimmt das Debüt in seine "Die wichtigsten Platten der Woche"-Rubrik auf und zeigt sich begeistert.

Der Zweitling steckt dann aber irgendwie fest. Schreibblockaden und Probleme mit der Plattenfirma scheinen die Veröffentlichung herauszuzögern. Das Album heißt am Ende "Goliath", was wohl bedeutet, dass die Truppe einen übermächtigen Gegner besiegt hat. Das Album ist weit weniger Metal-lastig und gibt sich tanzbar, bleibt aber düster.

Kellermensch in irgendeine Sparte einzuordnen, bleibt knifflig. Die Dänen setzten sich keine Grenzen, lassen viele Einflüsse zu und spielen mit unterschiedlichen Genres. Christian Sindermanns Gebrüll und die getragenen und schweren Riffs des ersten Albums würden die Band im Doom-Metal oder Sludge platzieren. Der Kontrast ist Sänger Sebastian Wolff, der eher von Arcade Fire und anderen Indie-Bands beeinflusst ist – sowohl vom melodischen Gesang her, als auch in seinem eher lässigem Gitarren-Spiel. Dazu kommen melancholische Streicher- und Klavier-Parts, oft poppige Melodien und zwei Bassisten. So trifft Metal auf Indie, Coolness auf Zerbrechlichkeit, Leidenschaft auf Erhabenheit, Traurigkeit auf Manie.

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"Hat man als Band keine Songs, die mit Leidenschaft geschrieben sind, kommt man nicht weit in der Rockszene", erklärt Sänger Wolff. Er und seine Kellermenschen schreiben ihre Songs aber nicht nur mit Leidenschaft, sondern geben sie mit mindestens der selben manischen Energie zum Besten. "Wir haben uns immer schon als befremdliche Band präsentiert, was die Zuschauer immer paralysiert hat."

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Kellermensch - Kellermensch: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2011 Kellermensch

Kritik von Andreas Dittmann

Die Dänen kreuzen Doom-Metal mit Indie. Verrückt. (0 Kommentare)

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