Porträt

laut.de-Biographie

Kellerkommando

Welten prallen aufeinander, wenn die Herren vom Kellerkommando traditionelles fränkisches Liedgut mit nicht gerade zart besaitetem Rap fusionieren. Doch nur auf den ersten Blick: "Volksmusik war immer Popmusik", erklärt der Initiator des Projekts.

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"Es ist die überlieferte Popmusik vorangegangener Generationen", so David 'Dada Windschi' Saam weiter. Diese auszugraben, ihr den Staub abzubürsten und sie mit Arschtritt in die Gegenwart und ins Bewusstsein einer feierfreudigen Meute zu katapultieren, darin sehen er und seine Mitstreiter die Mission.

Im Grunde verdankt die Welt die Existenz des Kellerkommandos ausgerechnet Karl Moik. Als der 2009 mit seinem "Musikantenstadl" in Bamberg Station macht, fühlt sich Dada Windschi herausgefordert. Der studierte Musikethnologe will der Konkurrenz keinesfalls die Deutungshoheit darüber überlassen, was Volksmusik ist und was nicht - die kommerziell ausgeschlachtete, seelenlose Variante, die dem schunkelnden Fernsehvolk als Volksmusik angedreht werden soll, kann ja wohl kaum alles sein.

Dada Windschi greift zu Akkordeon und Mikrofon, schart Gleichgesinnte um sich und ruft die Veranstaltung "Anti-Stadl" ins Leben. Daraus entwickelt sich eine schweißtreibende Party-Reihe - und eben das Kellerkommando, das sich die wahre Volksmusik auf die Fahnen schreibt. Die, die rockt.

Kellerkommando - Dunnerkeil Aktuelles Album
Kellerkommando Dunnerkeil
So, meine Damen und Herren, klingt Volksmusik.

Die Idee dafür brütet Dada Windschi zusammen mit Sebastian Schubert aus. Er spielt Bass, produziert darüber hinaus aber auch Hip Hop-Beats. "Die beiden haben sich zufällig getroffen und wollten mal was zusammen ausprobieren", erinnert sich Posaunist Ilya Khenkin an die Anfänge. "Sie haben dann recht schnell gemerkt, dass es funktioniert."

Zu Dada Windschis Akkordeon und Schuberts Bass gesellen sich Patrick Köbler an den Keyboards, Stefan Schalanda mit seiner Trompete, bereits erwähnter Ilya Khenkin an der Posaune und Schlagzeuger Norbert Weinhold. Den Rap steuert anfangs der russische MC Schokk bei. Als er sich 2011 entschließt, seine Karriere in seiner Heimat voran zu treiben, nimmt Ali A$ seinen Platz ein.

Der Münchener mit pakistanischen Wurzeln hegt offenbar keine Berührungsängste mit der vom Kellerkommando gepflegten fränkischen Mundart. Gut so, denn: "Für mich gehört das Fränkische absolut zu unserem Konzept", so Khenkin. Man sehe keinerlei Gefahr, sich das ausreden zu lassen, "weil wir einfach auch kein Hochdeutsch können".

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Hochdeutsch braucht auch kein Mensch, der Funke springt auch so über. Bei der Volkswagen Foundation erachtet man das Kellerkommando als eins der Talente des Jahres 2011. Im gleichen Jahr freuen sich die Franken über die wichtigste Weltmusikauszeichnung des Landes:

"Die Jury vergibt den Preis für die wundervoll dreckige Bühnenshow, für die hochvirtuose und gnadenlos romantische Darstellung und schließlich für den Beweis, dass Punk und Frank zusammen gehen", heißt es in der Begründung für die Verleihung der bayerischen Creole 2011.

Erschien die erste EP "Dei Mudder Sei Hut" 2010 noch in Eigenregie, hat das Kellerkommando zwei Jahre später für "Mondscheinbrüder" bereits den Major Warner im Rücken, außerdem zahllose Festivalauftritte und - auf Einladung des Goethe Instituts - eine Reise nach Mexiko. Auch am anderen Ende der Welt rockten die Franken die Massen. Das erste Album in voller Länge, "Dunnerkeil", erscheint 2013.

Der Plan scheint aufzugehen: Nicht als Gag, als ulkige Idee, als fröhlichen Einwurf für zwischendurch wolle man das angetretene musikalische Erbe betrachten, sondern: "Volksmusik als Kernkompetenz".

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Di 21.10.2014 Berlin (Privatclub)
Mi 22.10.2014 Dresden (Groove Station)
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Fr 24.10.2014 Oberhausen (Zentrum Altenberg)
Sa 25.10.2014 Hannover (Lux)

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